Presse

13.03.2019

Stiftung Juliusspital Würzburg feiert

Festgottesdienst und Festakt zu 443-jährigen Grundsteinlegung durch Julius Echter von Mespelbrunn

Die Grundsteinlegung am 12. März 1576 durch Julius Echter von Mespelbrunn - und die Unterzeichnung der Stiftungsurkunde vor 440 Jahren, am 12. März 1579 - markieren den Beginn der Stiftung Juliusspital. Ihren Stiftungstag feierten die Spitäler am 12. März mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Kilian, einem Festakt im Gartenpavillon und der Ehrung verdienter Mitarbeiter.

Stiftungsurkunde hinter Glas

Stiftungsleiter Walter Herberth hatte Grundsteinlegung und Jubiläum zum Anlass genommen, die 440 Jahre alte Stiftungsurkunde aus dem Bayerischen Staatsarchiv ins Juliusspital bringen zu lassen. „Sie haben damit heute die seltene, vielleicht einmalige Gelegenheit, den von Julius Echter persönlich unterzeichneten Stiftungsbrief in Augenschein zu nehmen“, kündigte Herberth beim Festakt zum Stiftungstag im Gartenpavillon des Juliusspitals an. Die Urkunde lag geschützt in einer Vitrine und viele Spitäler nutzten die Gelegenheit, das historische Dokument zu studieren und viele Handys wurden gezückt für ein „historisches Foto“.

Verantwortungsbewusstsein und Mitmenschlichkeit

„Es wird deutlich, wie weitsichtig Julius Echter bei der Spitalsgründung gewesen ist und wie stark ihn religiöse Motive hierbei bewegt haben, sagte der Stiftungsleiter in seiner Festansprache. Mit dem Spital begründete Echter „einen menschenrechtlich geprägten, religiös begründeten Anspruch auf staatliche Hilfeleistung. Dieser Ansatz kann daher als ein erster Vorläufer des späteren Sozialstaates und der Idee einer Sozialgesetzgebung betrachtet werden. Die Persönlichkeit Julius Echters kennzeichnet in dieser Hinsicht ein ausgeprägter Charakterzug von Verantwortungsbewusstsein und Mitmenschlichkeit.“

Mit den traditionellen Aufgaben eines Spitals verknüpfte er ein Krankenhaus mit fachmännischer Versorgung durch Ärzte. „Dieser neue Bereich war eine bahnbrechende und wegweisende Innovation und bildete die Keimzelle der medizinischen Forschung und Lehre hier am Ort und damit auch in der von Echter im Jahr 1582 wiederbegründeten Universität“, sagte Herberth.

Auch hat Julius Echter seine Stiftung ganz bewusst auf lange Sicht angelegt und verfügt: „Überhaupt sollen sie sorgfältig, zuverlässig und aufmerksam ans Werk gehen. Alles gehe recht und gut zu zum Nutzen des Spitals und der Armen. Die durch uns erlassene Ordnung soll ernsthaft und ihrem Sinne gemäß befolgt werden, und zwar auch dann, wenn sie zukünftig von uns oder unseren Nachfolgern wegen Zeitumständen und gewandelten Erfordernissen verändert oder verbessert wird.“

Stiftung im Wandel in den vergangenen Jahrhunderten

„Damit hat er den Weg frei gemacht für organisatorische Veränderungen, wenn nur der Stiftungszweck beachtet wird“, erklärte Herberth. Echters Willen zufolge sollte sich das Spital im Laufe der Zeit erneuern, verändern und erweitern. „In dieser Konsequenz hat sich die Stiftung in den vergangenen Jahrhunderten organisatorisch immer wieder gewandelt“, erklärte Herberth mit Beispielen wie unter anderem der Zurücknahme der bis in die 1970er Jahre verpachteten landwirtschaftlichen Gutshöfe in die Eigenbewirtschaftung, die vollständige Übernahme der Eigenbewirtschaftung der juliusspitälischen Wälder und die Begründung neuer Tätigkeitsfelder wie unteranderem die Einrichtung von Palliativstation und Palliativakademie im Jahr 2001 und der Start der Epilepsieberatung Unterfranken im selben Jahr.

Und auch die eigene Endlichkeit und die Begrenztheit seines Wirkens hatte Julius Echer bei Abfassung der Urkunde im Alter von 34 Jahren vor Augen als er verfügte: „Sollte uns indessen der Allmächtige aus diesem zeitlichen Leben abberufen, noch bevor unser Spital tatsächlich so wirksam arbeitet wie beabsichtigt, so bitten wir das ehrwürdige Domkapitel und unsere Nachfolger um Gottes Willen und seiner uns Menschen zugewandten Liebe und Barmherzigkeit: Sie mögen den Zweck und die Ordnung unseres Spitals mit bestem und getreuem Einsatz bewahren und aufrechterhalten. Ebenso sollen sie das Vermögen vermehren. Nur auf diese Weise werden sie nützlich handeln und sich wie dem gesamten Land Segen und Wohlstand erwerben in zeitlicher wie ewiger Hinsicht.“

Echters Auftrag ist Verpflichtung

„Dieser Auftrag ist auch als Verpflichtung zur Erhaltung des Vermögens zu sehen, was eine gute Grundlage für die aktuellen Gespräche mit dem Freistaat Bayern über den Kaufpreis für das 20 Hektar große Grundstück des Juliusspitals für die Erweiterung der Uniklinik war und ist“, erklärte Herberth.

„Dass die Stiftung heute, 443 Jahre nach Grundsteinlegung und 440 Jahre nach Abfassung des Stiftungsbriefes sehr gut dasteht, hat mit Ihnen allen und mit unseren Vorgängern zu tun“, erklärte der Stiftungsleiter. Sie alle trugen und sie alle tragen tagtäglich dazu bei, dass

  • der Stiftungsauftrag in den jeweiligen Bereichen erfüllt wird
  • die wirtschaftlichen Grundlagen hierfür erhalten und ausgebaut werden
  • die Stiftung als verlässlicher Vertragspartner geschätzt wird
  • wir in einem Zug mit dem Begriff Nachhaltigkeit genannt werden
  • das Vermögen der Stiftung bewahrt und gemehrt wird
  • wir Zustiftungen und neue Aufgaben angetragen bekommen
  • und mit der Stiftung Juliusspital mit allen ihren Bereichen einschließlich Klinikum Würzburg Mitte und Firma Wellhöfer ein hoher Qualitätsanspruch verknüpft wird.“

Herberth dankte jedem einzelnen Spitäler für diese nachhaltig gute Arbeit. „Ihre solide und weithin bekannte gute Arbeit hat mir bei den Verhandlungen mit dem Freistaat Bayern den Rücken immens gestärkt."

Er bat seine Mitarbeiter, ihr aus der Vielfalt entstandenes und permanent gespeistes Potential stets zu nutzen, denn „diese immense Vielfalt bietet einen riesigen Schatz, den wir entweder achtlos liegen lassen oder aber im Sinne des Wortes schätzen können.“

Die Vielfalt aus der Kombination von wirtschaftlichen Betätigungen und sozialen Leistungen berge einen großen Schatz, wenn jeder immer wieder über seine eigenen Aufgabengrenzen hinaus denke und sich der anderen, also auch der neu hinzugewonnenen Bereiche bewusst werde. „In diesem Verbund unterschiedlichster Aufgaben und Funktionen steckt ein starkes und großes Potential, das uns befähigt, unser Ziele auch in Zukunft zu erreichen. Hierbei mitzuwirken lade ich Sie alle herzlich ein und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen.“

Bis heute die vielfältigen Aufgaben erfüllt

„Seit alle eines Sinnes, voll Mitgefühl und Liebe zueinander“ war das Thema, das Stiftungspfarrer Bernhard Stühler für den Festgottesdienst gewählt hatte. „Als Julius Echter seine Idee mit der Grundsteinlegung festlegte war ihm wichtig, dass alle dieses Haus als eine Antwort auf die Zeichen der Zeit verstanden“, sagte der Geistlicher. „Er wollte die Menschen dazu bringen mitzuwirken zum Wohle derjenigen, die am Ende der Gesellschaft standen.“ Echter habe die Not der Menschen gesehen und im Sinne der Nächstenliebe gehandelt und sei dadurch der Motor der Stiftung Juliusspital bis in die heutige Zeit. Bisweilen kam auch das Juliusspital in den vergangenen Jahrhunderten an seine Grenzen, sei es durch Kriege oder Zerstörung. Doch gelang es bis zum heutigen Tag, die vielfältigen Aufgaben im Sinne des Stifters zu erfüllen.

Non verbale Kommunikation mit Alexander Veit

Alexander Veit, Pantomime und Dozent für nonverbale Kommunikation zeigte in seinem Beitrag zum Thema „Was spricht mein Körper und warum weiß ich nichts davon?“ den Spitälern auf sehr unterhaltsame Weise wie Gestik, Mimik, Haltung und Bewegung auf das Gegenüber wirken und was sie bewirken. So bringen Gestiken „unser Hirn in Bewegung“, baut die „Merkel-Raute“ Stress ab und lässt Augenkontakt „die Angst schwinden“. „Unser Körper beeinflusst unsere seelische Verfassung ebenso wie unsere seelische Verfassung unseren Körper beeinflusst“, erklärte Veit und riet den Anwesenden im Gartenpavillon „bleiben Sie in Bewegung“. Das setzten diese dann auch gleich in die Tat um denn nach dem offiziellen Teil des Stiftungstages werden die Stühle an die Seite gerückt und die – verbale – Kommunikation gepflegt.

Für die musikalische Umrahmung des Festgottesdienstes sorgten Otmar Faulstich (Orgel) zusammen mit Kantorin Elisabeth Bader und den „Spitalgeistern“, dem Chor des Juliusspitals, unter Leitung von Helgrid Obermeier die auch beim Festakt im Gartenpavillon den musikalischen Part übernahmen, begleitet von Benedikt Müller am Klavier.

Ehre, wem Ehre gebührt

Der Stiftungstag ist auch ein besonderer Tag für Auszeichnungen und Ehrungen. Beim 443. Stiftungstag ehrte Stiftungsleiter Walter Herberth Mitarbeiter für ihre 25- und 40-jährige Zugehörigkeit zur Stiftung Juliusspital.

IMG_3881

25 Jahre bei der Stiftung Juliusspital sind Kerstin Heid (Waldbrunn) und Cicilia Leukert (Rimpar).
Für 40 Jahre bei der Stiftung Juliusspital wurden geehrt: Ingeborg Gramlich (Theilheim), Angelika Müller (Würzburg), Karl-Philipp Schwender (Wartmannsroth).
In den Ruhestand verabschiedet wurden Edeltraud Dahlweid, Margarethe Oppmann, Barbara Korbmann, Herrmann Kunz, Dieter Reif, Irmgard Schmitt, Dr. Horst Bäuerle, Gabriele Fuhrländer, Brigitte Herdt und Franziska Sultankulow.

Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Seiten und Services erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr InfosOK