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18.02.2026

Steine – Fundamt des Glaubens

Gedanken zu den Heiligen Vierzig Tagen vor Ostern 2026

„Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.“

Kohelet 3,1

Worte am Beginn für den Weg durch die Vierzig Tage

Gerne bauten wir als Kinder mit unterschiedlichen Materialien einen Turm und wollten diesen möglichst hoch aufrichten. Enttäuscht waren wir, wenn der Turm dann plötzlich das Gleichgewicht verlor und zusammenbrach. Stauend stehen wir aber auch vor wunderschönen Bauwerken, die Handwerker vor vielen Jahrhunderten errichtet haben. Unterschiedliche Betrachtungen zum Thema „Stein“ werden uns durch die Heiligen Vierzig Tage vor Ostern begleiten, um eine Anregung zu geben, das eigene Leben als „Bauwerk“ zu sehen.

Steine werden gesammelt, um ein Feld besser bewirtschaften zu können. Steinhaufen am Rande von Äckern zeigen an, dass hier der Besitzer sein Feld für die Saat gut vorbereiten wollte. Auf steinigem Boden wächst bekanntlich die Saat nicht besonders. Fruchtbare Böden sind gekennzeichnet durch guten Boden. Welcher Bauer oder Landwirt möchte nicht auf Böden mit hoher Bonität die Saat ausbringen?

Steinhaufen lassen jedoch auch der Fantasie freien Lauf, denn die wahllos aufgehäuften Steine regen an, darüber nachzudenken, mit diesem Material etwas aufzubauen, sei es eine Mauer zum Schutz vor dem Wind oder vor Tieren zu errichten oder ein Fundament für ein neues Gebäude zu schaffen. Die passenden Steine werden dann ausgewählt, um diese für ein Bauwerk zu verwenden.

Im dem weisheitlichen Buch Kohelet, das etwa in der Mitte des 3. Jahrhunderts vor Christus verfasst wurde, wird die Frage nach dem Sinn des Tuns und des Lebens gestellt. Unter dem Gedanken „Alles hat seine Stunde“ werden verschiedene Lebensphasen oder Handlungen des Menschen angesprochen und am Ende wird die Frage gestellt: Welchen Vorteil hat der Mensch aufgrund seines Tuns? So gibt es eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln (3,5). Als Hintergrund für diesen Gedanken können wir annehmen, dass in Kriegszeiten Steine auf den Acker des Feindes geworfen wurden, um dadurch den Boden ungeeignet werden zu lassen für die Feldarbeit. Dadurch wurde die Mühe und die Arbeit der Menschen zerstört, die sich geplagt hatten, Steine vom Feld zu sammeln, um eine gute Ernte zu erreichen.

Die Gedanken des Liedes aus dem Buch Kohelet (3,1-8) können uns in diesen Heiligen Vierzig Tage vor Ostern ansprechen mit der Frage, wie wir selbst unsere Leben wahrnehmen. Ein Leben ohne Schwierigkeiten, ohne Steine, die auf dem Weg ein Hindernis darstellen, wird es nicht geben. Wir wünschen uns ein angenehmes und erfolgreiches Leben ohne Rückschläge und Hindernisse. Wir wünschen uns Gesundheit ohne Krankheit, Geborgenheit und Ruhe ohne Aufregungen, Frieden ohne Gefahren. Verlangen wir da nicht Unmögliches? Wir erwarten im Grunde paradiesische Zustände und wissen, dass es ein Leben ohne Gegensätze nichtgeben wird. Vielleicht dürfen wir auch von Leo Tolstoi ansprechen lassen: „Gerade was uns betrübt und was uns als ein Hindernis erscheint, ist die Aufgabe unseres Lebens.“

Sehr viele Ereignisse prägen unser Leben tagtäglich und beeinflussen unser Denken und Handeln. Da sind wir manchmal froh und bestens gelaunt, dann wieder niedergeschlagen und traurig, manchmal sind wir mit unserem Leben zufrieden, dann wieder können wir es kaum ertragen, oder wir erleben uns angespornt und dann wieder demotiviert.

Die Heiligen Vierzig Tage wollen eine Ermutigung darstellen, über die eigenen Lebensperspektiven nachzudenken und Kraft schenken, mache Steine aus dem Weg zu räumen.

Gesegnete Tage der vorösterlichen Zeit!                              
Ihr Bernhard Stühler, Pfarrer