Julius-Blog

05.12.2018

Ein Fass aus juliusspitälischer Eiche

Dafür wurden ein paar 250 Jahre alte Eichenstämme in der Waldabteilung "Eichenruh" gefällt

In fünf Jahren bekommt unser Weingut ein neues, 2400-Liter-Weinfass. Warum erzählen wir jetzt schon davon? Fünf Jahre sind doch eine lange Zeit und bis dahin fließt noch viel guter Wein in die historischen Fässer in unserem Weinkeller.

Ganz einfach, das neue Fass wird etwas Besonderes. Es wird nämlich nicht aus „irgendeinem“ Fassholz gefertigt, sondern aus unserem eigenen, Eichenholz aus juliuspitälischen Wäldern. Dafür hat unser Forstbetriebsleiter Matthias Wallrapp auch einige 250 Jahre alte Eichenstämme fällen lassen.

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Vor Ort nahm der Daubenhauerexterner Link Christian Müller-Schick diese am 28. November kritisch unter die Lupe. Mit dabei in der einer der ältesten Waldabteilungen des Juliusspitals, der Waldabteilung „Eichenruh“ im Gräfendorfer Forst, auch die Mitglieder unseres Oberpflegamtes Walter Herberth, Pfarrer Bernhard Stühler und Dr. Rainer Schäfer sowie Weingutsleiter Horst Kolesch und Kellermeister Nicolas Frauer, der schon ganz gespannt ist auf den neuen „Zuwachs“ im Holzfasskeller des Spitals. Und Ralf Mattern von der gleichnamigen Holzmanufaktur aus Deidesheim, der schon im vergangenen Jahr das Franconia-Fass, das bisher größte Fass im juliusspitälischen Holzfasskeller, neu gemacht und den dazugehörigen Fassboden fachgerecht restauriert hatte. Böttchermeister Mattern wird auch das neue Fass fürs Juliusspital bauen.

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Doch zuvor muss das passende Holz dafür ausgesucht werden. Daubenhauer Christian Müller-Schick umrundet fachmännisch die altehrwürdigen Eichenstämme, klopft den Stamm, streicht Rinde beiseite, untersucht Astlöcher und versucht mit seinem „Röntgenblick“ bis ins Innere des Stamms vorzudringen. Natürlich hat der Fachmann einen Blick für die Qualität des Holzes und kann schon viel von der äußeren Erscheinung ableiten aber alles kann auch er nicht auf einem Blick erfassen. „Wichtig ist ein geradewüchsiger Stamm“, erklärt er, „damit die Dauben beim Biegen nicht brechen.“

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Typisches Daubenholz sind vor allem mehr als zweihundertjährige Eichen von Standorten, an denen die Bäume langsam wachsen. Das ist bei unseren Eichen der Fall, denn sie sind fein gewachsen und haben durch den nährstoffarmen Boden und ihr langsames Wachstum ganz feine Jahresringe. Um 1768 wurden sie gepflanzt. Zu jener Zeit trat Carl Caspar von Siebold (1736-1807) seinen Dienst als Oberwundarzt (Chirurg) im Juliusspital an.

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Rund 19 Festmeter Holz hat Christian Müller-Schick sich für das neue Fass im juliusspitälischen Wald ausgesucht. Geliefert nach Kaiserslauten bekommt er die schweren Eichenstämme im Januar. Dann teilt sich der Daubenhauer das Holz auf die Länge ein und spaltet es. „Wenn ich es dann vor mir liegen habe, sehe ich, wie ich es schneiden werde“, erklärt er. Geschnitten werden die Dauben in einer Stärke von sechseinhalb Zentimetern und auf einer Länge von 1,85 Metern.

Wenn der Daubenhauer die Hölzer geschnitten hat, gehen sie direkt zur Fassmanufaktur Mattern in Deidesheim. Dort trocknet das Holz dann draußen bei Wind und Wetter, wobei bittere Gerbstoffe von Regen und Schnee ausgewaschen werden. So erreicht das Holz die optimale Reife. Die Lagerzeit richtet sich nach der Stärke des geschnittenen Holzes „Ein Zentimeter lagert normalerweise ein Jahr“, erklärt Ralf Mattern. In unserem Fall lagert das Holz also zwischen fünf und sechs Jahre. In seinem Lager hortet Mattern auch 25 Jahre altes Holz.

Wird das Fass auch wirklich aus unserem Holz hergestellt? wollen die Juliusspitäler von Mattern wissen. „Selbstverständlich“, verspricht ihnen dieser. „Das Holz wird erfasst, beschriftet und nummeriert, da kommt nichts von weg und nichts dazu.“

 

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