Presse

31.07.2018

Sicher für die nächsten Jahrzehnte

Stiftung Juliusspital lässt Natursteingesimse, Steinfiguren und den Glockenturm am denkmalgeschützten Kirchenbau sanieren


Im vergangenen Jahr ließ die Stiftung Juliusspital Würzburg in einem ersten Bauabschnitt die Balustrade und die Steinfiguren am Kirchenbau ihres Fürstenbaus zur Parkseite sanieren. Jetzt ist auch die Sanierung zum Innenhof abgeschlossen und das 22 Meter hohe Gerüst wird wieder abgebaut. Die Arbeiten waren notwendig, um an dem denkmalgeschützten Gebäude das Natursteingesimse mit Balustrade und Skulpturen auch für die nächsten Jahrzehnte dauerhaft zu erhalten.


„Wir wussten schon, dass auf dieser Seite mehr Schäden sind als zum Park“, erklärt Werner Haupt von der Firma Gebrüder Haupt, einer Fachfirma für Denkmalpflege, Restaurierung und Bildhauerarbeiten aus Reichenberg. Das heißt, mehr Schäden durch Feuchtigkeit und auch viel mehr Abplatzungen vom Stein. „Schon der kleinste Riss im Stein bietet Angriffsfläche für Witterungseinflüsse“, erklärt der Steinmetz. Zusammen mit vier Mitarbeitern restaurierte und sanierte er die Steinfiguren und Gesimse am Kirchenbau. Der Kirchenbau bildet den Mittelpunkt zwischen dem östlichen und westlichen Fürstenbau.


Vor den eigentlichen Steinbildhauerarbeiten mussten Balustrade und Figuren gesäubert werden. Dabei kamen die Schäden Stück für Stück zum Vorschein. „Die schadhaften Stellen haben wir entfernt und mit Restauriermörtel wieder ergänzt“, erklärt Haupt. Restauriermörtel, das ist eine Steinersatzmasse, die speziell angemischt und dabei auch farblich auf den Grundton des Natursteins angepasst wird. Damit ergänzen die Steinmetze unter anderem ausgebrochene Fugen und Teile, die sich aus der Balustrade gelöst haben. Das können ganz kleine Risse sein in die man den Mörtel mit einer kleinen Spritze einbringt oder größere Teile, die komplett neu modelliert werden müssen.

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Hatte Thomas Killinger im vergangenen Jahr mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl einer Figur einen neuen, großen Zeh anmodelliert, versuchte sich der Steinmetz diesmal unter anderem als „Gesichtschirurg“. Einer der großen Figuren, die hoch oben majestätisch über Würzburg blicken, fehlte das halbe Gesicht. „Die Figur hatte in den 70er Jahren schon einmal eine Gesichtsbehandlung“, schmunzelt Killinger während er vorsichtig Schicht für Schicht den Mörtel aufträgt. Zuvor hat er mit Dübeln und Klammern gearbeitet um Nase und Wange noch an Ort und Stelle zu fixieren. „Ihr neues Gesicht wird garantiert faltenfrei“, kündigt der Steinmetz an und lacht, „und ein neues Ohr kriegt sie auch noch, sonst hört sie rechts nichts mehr.“ Na, wenn das mal keine Ansage ist, welche Frau hätte nicht gerne ein neues, faltenfreies Gesicht? Obwohl, ob das mit Dübeln im Kopf so prickelnd wäre?


Die meisten Figuren an der Balustrade haben Risse oder Abplatzungen durch Sonne, Wind und Regen. Viele davon, die in den 70er Jahren saniert wurden, sind inzwischen wieder kaputt. „Die Steinmetze damals haben auch ihr Bestes gegeben“, sagt Killinger, „heute haben wir jedoch besseres Material, um die Schäden ausbessern zu können.“ Und der Fachmann weiß: „In dem Moment, wenn er aus dem Bruch kommt, fängt ein Stein an zu verwittern.“

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Eine Figur – sie steht ganz rechts außen am Kirchenbau - im Arm einen Korb voller Steinblüten, ist noch komplett erhalten. Eine Besonderheit. „Sie hat noch alle Arme und Beine und ein hübsches Gesicht noch dazu“, sagt Killinger, der vermutet, dass diese Figur längere Zeit auch im Inneren stand, sonst wäre sie längst nicht mehr so gut erhalten. Hier braucht er nur ein wenig Steinfestiger und sie ist fit für die nächsten Jahrzehnte.

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Die Gesimse und Konsolen waren ziemlich kaputt und mussten fast komplett restauriert werden. Man kann aber auch nicht alles sanieren, sagt Werner Haupt. Vieles muss einfach nur instandgesetzt werden um weitere Schäden zu vermeiden. Heißt, weiteren Wassereintritt zu vermeiden und so auch weitere Abplatzungen. „Alles, was zu größeren Schäden führen kann, muss gemacht werden“, sagt Haupt. „Es geht darum, die Substanz zu erhalten.“

Zum Schluss trugen die Steinbildhauer, Steinfestiger auf die sanierten Bereiche auf und bereiteten sie für den letzten Schritt vor, in dem dann die ausgebesserten Stellen farblich wieder so angepasst werden, dass es am Schluss so aussieht, als wäre nichts gewesen. Die speziellen mineralischen Farben werden auch extra angemischt und mit feinen Pinseln aufgebracht. „Der Fürstenbau muss früher ockerfarbig gewesen sein. Darauf abgestimmt wird die Lasur, die den Stein nach der Sanierung wieder schützt“, sagt Haupt.
„Wenn wir fertig sind, darf keiner sehen, dass wir da waren“, erklärt Thomas Killinger. Denn das größte Lob für einen Steinmetz sei es, wenn „die Leute sagen, ihr habt ja gar nichts gemacht“, lacht Haupt, „denn dann wissen wir, wir haben wir gut gearbeitet.“


Es glänzt und blinkt wieder

Bei den Sanierungsarbeiten am Kirchenbau des Fürstenbaus war diesmal auch der Glockenturm dran. Und auch das vergoldete Kreuz, das in über 50 Metern Höhe über dem denkmalgeschützten Gebäude wacht, wurde aufbereitet. Aufgrund von Undichtigkeiten zwischen Kreuz und Kugel drang nämlich über die Jahre Feuchtigkeit in die Kugel ein und hatte so die bestehende Halterung des Kreuzes stark zerfressen.


Auch die vier Schallläden des Glockenturms wurden erneuert, ihr Holz, der Witterung ausgesetzt, war ebenfalls ziemlich verwittert. In schwindelerregender Höhe von über 40 Metern arbeiteten die Handwerker dort oben, um alles wieder in Ordnung zu bringen.


Das 1,70 Meter hohe schmiedeeiserne Kreuz wurde 1952, nachdem der Wiederaufbau der im 2. Weltkrieg zerstörten Gebäude des Juliusspitals abgeschlossen war, auf dem Glockenturm aufgestellt. Am 16. Juli 1953 hat der damalige Bischof und spätere Kardinal Dr. Julius Döpfner die äußerlich wieder instandgesetzte Kirche eingeweiht.

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Jetzt wurde das Kreuz feingestrahlt, wieder grundiert und erhielt hernach auch eine neue Vergoldung. Nun ist es wieder fest auf der Kugel verankert und trotzt Wind und Wetter. Die Kugel auf der das Kreuz steht, war noch in einem sehr guten Zustand, sie brauchte lediglich eine Generalreinigung. In ihrem Inneren liegt eine Schatulle, in der eine Liste der Firmen und Planer, die an der Sanierung mitgearbeitet haben.

 

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