450 Jahre Stiftung Juliusspital Würzburg
Mit einem Festakt im Gartenpavillon feierte die Stiftung Juliusspital Würzburg am 20. März 2026 ihr 450-jähriges Jubiläum. Zahlreiche hochrangige Gäste aus Politik, Kirche, Wissenschaft und Gesellschaft begleiteten die Feierlichkeiten und würdigten damit die Bedeutung der Stiftung Juliusspital für Würzburg und die Region.
Bereits am Vormittag setzte der Pontifikalgottesdienst mit Bischof Dr. Franz Jung in der Stiftungskirche St. Kilian einen eindrucksvollen Auftakt. Unter dem Leitwort „Caritas urget – die Liebe fordert uns“ erinnerte er an den Antrieb des Stiftungsgründers Julius Echter: christliche Nächstenliebe, verbunden mit visionärer Weitsicht und Entschlossenheit. Zugleich richtete der Bischof den Blick auf aktuelle Herausforderungen in Pflege und Gesundheitswesen: Pflege brauche Vertrauen und müsse für alle bezahlbar bleiben. Julius Echter habe bewusst gegen ein Zweiklassensystem in Medizin und Pflege gehandelt – ein Anspruch, der auch heute Orientierung geben müsse.
Dank an Wegbegleiter und Partner
Oberpflegamtsdirektor Karsten Eck stellte in seiner Begrüßungsrede die Menschen und das Netzwerk der Stiftung in den Mittelpunkt. Er machte deutlich, dass die Stiftung ihren Auftrag nicht allein erfüllen könne, sondern auf Vertrauen, Zusammenarbeit und verlässliche Partnerschaften angewiesen sei.
Unter den Gästen waren unter anderem Bischof Dr. Franz Jung, Regierungspräsidentin Dr. Susanne Weizendörfer, Bezirkstagspräsident Stefan Funk, Landrat Thomas Eberth, Bürgermeisterin Judith Roth-Jörg sowie Universitätspräsident Prof. Dr. Paul Pauli. Auch der Stiftung eng verbundene Unterstützer, langjährige Geschäftspartner und Mitglieder des Würzburger Stiftungsnetzwerks waren Teil der Festgemeinde.
„Sie alle sind Teil unseres Netzwerks. Sie alle tragen – auf ganz unterschiedliche Weise – dazu bei, dass unser Stiftungsauftrag auch heute lebendig ist“, betonte Karsten Eck die Verbundenheit mit den anwesenden Gästen. Zugleich erinnerte er an den Stiftungsauftrag, der seit der Gründung im Jahr 1576 gilt: Menschen helfen. Kranke heilen. Für andere da sein. Und betonte: „Was sich über die Jahrhunderte verändert hat, sind die Rahmenbedingungen – nicht aber unser Selbstverständnis.“ Dabei machte er deutlich, dass sich die Stiftung kontinuierlich weiterentwickelt, um ihrem Auftrag auch unter veränderten Bedingungen gerecht zu werden. Anhand aktueller Beispiele zeigte der Stiftungsleiter Herausforderungen und Investitionen in die Zukunft auf – etwa den Ausbau der Pflegeausbildung, die Weiterentwicklung medizinischer Versorgungsangebote im Klinikum oder Investitionen in Infrastruktur und nachhaltige Bewirtschaftung.
Tradition bedeute im Juliusspital keinen Stillstand, sondern Verantwortung, die Zukunft mitzugestalten – auf Grundlage der eigenen Werte: Nächstenliebe, Fürsorge, Verantwortung, Nachhaltigkeit und Respekt vor der Würde jedes einzelnen.
Festrede mit Heimatbezug
Für den ursprünglich vorgesehenen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder sprang kurzfristig Dr. Rainer Hutka, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention, als Festredner ein.
In seiner Rede würdigte der gebürtige Würzburger die Stiftung als wichtigen Pfeiler der Gesundheits- und Sozialversorgung sowie als bedeutenden Arbeitgeber in der Region. Zugleich stellte er Würzburg als „Stiftungsstadt“ mit deutschlandweit einzigartiger Dichte an Stiftungen heraus.
Die Stadt stehe seit Jahrhunderten für Kultur, Medizin und Wissenschaft – geprägt nicht zuletzt durch Julius Echter, der auch die Universität wiederbelebte. Diese Verbindung brachte er prägnant auf den Punkt: „Man kann es mit vier W zusammenfassen: Wein, Wohltat, Wissenschaft, Würzburg.“
Mit Blick auf die Geschichte erinnerte Hutka an die Zeit Julius Echters, die von Umbrüchen, sozialen Nöten und fehlender medizinischer Versorgung geprägt war. Krankheit habe damals oft Armut und Ausgrenzung bedeutet – gute Versorgung sei nur gegen Bezahlung möglich gewesen. Die Idee, Menschen unabhängig von Herkunft und finanziellen Mitteln zu helfen, sei daher „für diese Zeit revolutionär“ gewesen.
Zugleich spannte er den Bogen in die Gegenwart: Das Juliusspital stehe heute nicht nur für soziale Verantwortung, sondern auch für wirtschaftliche Stärke und Qualität – etwa mit seinem Weingut von internationalem Rang, ausgezeichnet unter anderem mit 19 Bayerischen Staatsehrenpreisen, dem „Bayerischen Weinoskar“, oder dem Klinikum als zentralem Versorger der Region.
Krankenhäuser gehörten, so Hutka, zu den komplexesten und anspruchsvollsten Einrichtungen unserer Zeit – eine Herausforderung, die sich auch in den aktuellen Reformdiskussionen widerspiegele. Umso mehr sei es anzuerkennen, wenn sich Einrichtungen wie das Juliusspital dieser Aufgabe mit Verantwortung, fachlicher Kompetenz und einem klaren Wertekompass stellen.
Hutka versicherte: Der Freistaat Bayern stehe fest an der Seite der Krankenhäuser und investiere weiterhin auf hohem Niveau in deren Zukunft. Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen unterstrich er die Notwendigkeit einer praxistauglichen Krankenhausreform und verwies auf das Engagement Bayerns, die Rahmenbedingungen aktiv mitzugestalten und die Einrichtungen bei anstehenden Umstrukturierungen zu unterstützen.
Abschließend dankte er den Mitarbeitenden aller Bereiche – von Medizin und Pflege über Verwaltung, Technik und Küche bis hin zum Weingut – und würdigte ihren Einsatz: Sie seien „Herz und Seele der Stiftung“ und unverzichtbar für das Gemeinwesen sowie eine tragende Säule der sozialen Infrastruktur.
Geschichte, die verbindet
Einen besonderen Akzent setzte das Grußwort von Marie Antoinette Gräfin von Ingelheim, Echterin von und zu Mespelbrunn. Als direkte Nachfahrin Julius Echters erinnerte sie an die enge Verbindung zwischen Stiftung und Familie. „Die Geschichte der Stiftung Juliusspital und die meiner Familie sind auf besondere Weise miteinander verbunden“, betonte sie und verwies auf die gemeinsamen Wurzeln im Hause Echter. Sie spannte den Bogen von den Ursprüngen im 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart und griff dabei auch eine überlieferte Geschichte aus der Familie auf.
Zugleich würdigte sie die Stiftung als „Leuchtturm“, der seit Jahrhunderten für das Gemeinwohl wirkt, und dankte den Verantwortlichen und Mitarbeitenden für ihr Engagement.
Ein besonderer Überraschungsgast
Für einen ebenso überraschenden wie unterhaltsamen Abschluss sorgte schließlich ein besonderer Gast: Julius Echter persönlich – dargestellt von einem Schauspieler aus dem aktuellen Theaterstück „Der Schatz des Julius Echter“ im Theater Chambinzky.
Die Begegnung wurde von vielen Gästen für Erinnerungsfotos genutzt und setzte einen besonderen Akzent zum Ausklang der Veranstaltung.
Sowohl der Pontifikalgottesdienst als auch der anschließende Festakt wurden musikalisch von den „Spitalgeistern“ begleitet – dem Chor aus Mitarbeitenden der Stiftung und des Klinikums. Mit ihren Beiträgen gaben sie der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen.
Im Anschluss bot ein gemeinsames Mittagessen aus der hauseigenen Küche Gelegenheit zum Austausch.
Titelbild:
Gruppenbild mit „Julius Echter“: v.l. Judith Roth-Jörg, Barbara Becker, Dr. Andrea Behr, Stefan Funk, Dr. Susanne Weizendörfer, Walter Nussel, Dr. Rainer Hutka, Weinkönigin Angelina Seiler, Karsten Eck, Marie Antoinette Gräfin von Ingelheim, Björn Jungbauer, Pfarrer Bernhard Stühler, Schauspieler Alejandro Magén Kübel und Christian Irwin, Bischof Dr. Franz Jung, Patrick Friedl, Volkmar Halbleib, Felix von Zobel (Foto: Michael Koch)
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