Presse

16.03.2015

Gärtnerin mit Herz und Seele

Sie liebt ihre Arbeit, bei Wind und Wetter. Pflanzen, Sträucher schneiden, Rasen mähen, dekorieren, aber auch Müll entsorgen, zählen zu ihren täglichen Aufgaben. Eine Momentaufnahme im Arbeitstag von Susanne Marx, Gärtnerin der Stiftung Juliusspital.

Dienstagmorgen, 9.30 Uhr, das Thermometer zeigt zwei Grad über Null. Susanne Marx kehrt an der Pforte der Notfallambulanz am Krankenhaus Juliusspital. Aus der Jackentasche spitzt die Gartenschere, ihr ständiger Begleiter. Die dicke Jacke schützt sie vor der Kälte, ihre Füße stecken in festem Schuhwerk.

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Neben Laub landen unzählige Zigarettenstummel auf der Kehrschaufel. „Traurig“, findet Marx. „Im Ascher liegen nicht so viele, obwohl überall Abfallbehälter stehen.“ Die Tabakreste stammen nicht nur von Patienten und Besuchern. Auch das Personal und die Schüler der Kranken- und Altenpflegeschule hinterlassen viele „Häufchen“, sagt sie. Spricht die nette Gärtnerin Betroffene an, erntet sie oft patzige oder freche Antworten. Trotzdem liebt sie ihren Beruf.

Austausch über Flora und Fauna

Immer wieder fragen Besucher des Juliusspitals nach Namen der Blumen im Park, möchten den Duft bestimmter Kräuterarten erfahren, bitten um Tipps für eigene Gärten zu Hause. „Die Leute freuen sich über ein Gespräch, schenken mir ein Lächeln.“ Ab und zu drückt sie ihnen einen wild gewachsenen Ableger in die Hand. Gerade dieser Austausch bereichert den Alltag der Gärtnerin mit Herz und Seele, gibt ihr Anerkennung und Bestätigung.

Früher rückte Marx dem Laub im Park mit dem Stahlrechen zuleibe. „ Eine zeitaufwändige Tätigkeit, vor allem, wenn ein Windstoß den Arbeitsvorschritt im Nu auf null zurücksetzte“, erinnert sie sich. War das seinerzeit eine einmalige Aktion, wird heute in regelmäßigen Abständen gereinigt. Und heute erleichtern Rasenmäher und Laubbläser die Arbeit.

Anlagen sauber und ordentlich

Deren Lärm stößt jedoch nicht bei allen auf Zustimmung. „Beschwerden gibt es immer wieder“, weiß die Gärtnerin. Auch der Anspruch an Sauberkeit ist heute anders als noch vor 15 Jahren, als die gelernte Zierpflanzengärtnerin ihre Arbeit im Juliusspital aufnahm. „Die Erwartungshaltung ist hoch. Alle Anlagen sollen ordentlich und sauber sein - auch die hinterste Ecke“, weiß Marx.

Auch die im Winter eingelagerten Bänke im Park reinigt sie geduldig. Traurig stimmt sie die Tatsache, dass in den letzten Jahren die Sitzgelegenheiten vermehrt der Zerstörungswut von Parkbesuchern zum Opfer fielen. „Entfernungen von Kritzeleien mit Edding-Stiften sind da noch relativ harmlos“, erklärt sie. Zusammen mit drei Kollegen hält sie den Park der Stiftung Juliusspital sowie die Grünanlagen der zugehörigen Mietshäuser und die Anlagen der Vogelsburg sauber.

Freitags ist Kehrtag

Freitagnachmittags fegt das Gärtnerteam den Park der Stiftung besenrein, ohne Susanne Marx, denn ihre 20-Stunden-Arbeitswoche endet schon am Donnerstag.

Im Seniorenstift kümmern sich Marx und ihr Team um die Pflanzen im Wintergarten. Dort wachsen unter anderem „Pfeifenbutzer“ mit farbenfrohen Blüten. Dazwischen handgearbeitete Metallskulpturen. „Die stören mich manchmal bei der Arbeit.“. Susanne Marx schlüpft am Vogel mit Schirm vorbei, um eine Palme auszuschneiden. Wenn Schädlinge dort ihr Unwesen treiben setzt sie „kleine Tierchen“ aus, „Nützlinge der guten Sorte, die die bösen auffressen“, schmunzelt die Gärtnerin.

Positive Resonanz von Patienten und Besuchern

Für Touristen eine wahre Freude, für die Gärtnerin ein ständiges „Sorgenkind“: der historische Innenhof des Juliusspitals. „Das Kopfsteinpflaster bietet Moosen einen optimalen Nährboden“, erklärt die Fachfrau. Besonders nach Regen besiedelt das Flechtgewächs die Zwischenräume scheinbar explosionsartig. Deshalb sind Marx und ihr Team im Innenhof im Dauereinsatz.

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Im historischen Atrium erfreuen von Mai bis Oktober 30 Oleanderbäumen Besucher und Patienten. Die blühenden Beete um die Brunnen sollen durch eine Landschaft mit Gräsern und Steinen ersetzt werden. „Sehr schade“, findet Marx, da sie und ihre Kollegen gerade aufgrund der Farbenpracht und des Duftes immer wieder Lob ernten. „Patienten bestätigen, dass die Blumenpracht Kraft spendet und Abwechslung im Krankenhausalltag bietet“, erzählt sie.

Bewegung und frische Luft

Im Park spitzen erste Krokusse. Wenn man ganz genau hinsieht, kann man die zarten lilafarbenen Blüten erkennen. Im Frühjahr tauchen sie im Halbkreis ganze Flächen in Farbe. Bald wird Marx die Tröge neu bepflanzen, Beete abrechen.

Wie in jedem Jahr nutzt die Gärtnerin den historischen Auverabrunnen als „Sammelbecken“ für Laubreste, die von dort aus dann zentral in die Müllsäcke wandern. Danach wird der Vier-Flüsse-Brunnen gesäubert und wieder mit Wasser gefüllt. Gräser und Rosen stutzt Marx noch in Form, damit diese sich neu entfalten können. „Wenn das alles erledigt ist geht es hoffentlich im Frühjahr weiter.“

Text und Fotos: Nathalie Dees, Praktikantin im Bereich Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Juliusspital