Presse

28.01.2015

Was leistet Palliativ- und Hospizarbeit heute?

MdB Alexander Hoffmann besucht Palliativ- und Hospizzentrum der Stiftung Juliusspital

Bei seinem Besuch des Palliativ- und Hospizzentrums der Stiftung Juliusspital informierte sich der Bundestagsabgeordnete Alexander Hoffmann im Gespräch mit Dr. Rainer Schäfer, dem Chefarzt für Anästhesie und Palliativmedizin und dem Leiter der Stiftung Juliusspital, Walter Herberth, über das Thema Palliativmedizin und Hospizarbeit.

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Im Rahmen der aktuellen Sterbehilfediskussion befinde er sich zurzeit noch in der „Meinungsbildung“, berichtete der Bundestagsabgeordnete. Daher informiere er sich vor Ort und im Gespräch mit den Verantwortlichen.  Was kann Palliativmedizin und Hospizbegleitung heute leisten? „Palliativmedizin ist eher die Hilfe zum Leben“, erklärte Dr. Schäfer. Die Palliativakademie der Stiftung Juliusspital helfe zudem seit 2001, die Theorie in die Praxis zu tragen. „Das führt dazu, dass viele Ärzte und Pflegekräfte heute Schmerztherapien durchführen können.“

Der Ruf nach Sterbehilfe fuße nicht unbedingt auf dem Nichtaushalten von Schmerzen oder Übelkeit, berichtete Dr. Schäfer, der die Palliativmedizin im Juliusspital maßgeblich geprägt hat, sondern sei in der Regel  durch die Angst vor  Autonomieverlust des Einzelnen hervorgerufen. „Wer  glaubt, ein Schwerstkranker sei völlig autonom, der irrt“, machte der Mediziner unumwunden deutlich.

Es bedeutet aber nicht, dem kranken  Menschen den Rest seiner noch vorhandenen Autonomie abzusprechen, sagte Dr. Schäfer. Allerdings sei Autonomie nicht mit der Würde des Menschen gleichzusetzen. „Da würde man sonst den Schwerstkranken die Würde absprechen.“

Bei der Finanzierung der Palliativmedizin liefen die Krankenkassen in den vergangenen Jahren immer hinterher. „Palliativmedizin braucht Personal und Zeit und dieses bildet sich im aktuellen DRG-System leider nicht ab“, machte Dr. Schäfer unumwunden deutlich. „Der bayerische Sonderweg über einen tagesgleichen Pflegesatz in der Palliativstation ist für uns der richtige Ansatz. Die Finanzierung der Palliativmedizin im Juliusspital über eine Fallpauschale ist definitiv nicht auskömmlich“, bekräftigte  Stiftungsleiter Walter Herberth.

Nicht nur in der Palliativmedizin klafft die Kostenschere immer weiter auseinander. Beim 2013 eröffneten stationären Hospiz sei die Stiftung als Trägerin per Gesetz verpflichtet, zehn Prozent der laufenden Betriebskosten selbst zu tragen. „Tatsächlich sind es jedoch 20 bis 25  Prozent“, berichtete Herberth, „und damit wird ein Stückweit die Gutmütigkeit des Trägers ausgenutzt. Leider stimmen hier der gute Wille des Gesetzgebers einerseits und die Handhabung durch die Kranken- und Pflegekassen andererseits nicht überein.“
 

Hoffmann war zufrieden, sich vor Ort ein Bild gemacht und Eindrücke gesammelt zu haben und versprach, diese auch in die Politik zu tragen. Für das Juliusspital fasste Herberth zusammen, dass – bei allen wirtschaftlichen Schwierigkeiten die  Palliativmedizin betreffend – die Stiftung mit dem Thema ihr Profil geschärft habe und damit die Wichtigkeit des Themas unterstreiche.