Presse

17.12.2014

Auseinandersetzen mit eigener Sterblichkeit

Berufsfachschule für Altenpflege der Stiftung Juliusspital Würzburg bot Schülern zweitägiges Seminar zum Thema „Tod und Sterben“ an.

Die Berufsfachschule für Altenpflege der Stiftung Juliusspital Würzburg hat sich zum Ziel gesetzt, den Schülerinnen und Schülern im 3. Ausbildungsjahr die Möglichkeit zu geben, sich mit dem Thema „Tod und Sterben“ tiefergehend auseinander zu setzen und den Grundstein für ein anderes Umgehen mit Sterbenden in ihren Einrichtungen zu legen. Im 3. Ausbildungsjahr haben die Schülerinnen bereits positive wie auch weniger positive Erfahrungen mit diesem grundlegenden Thema in einem Pflegeberuf gesammelt und sind sehr interessiert und aufgeschlossen.


Die Fachlehrer sind zu tiefst überzeugt, dass eine vernünftige Auseinandersetzung mit diesem emotional anspruchsvollen Thema nicht in den Schulräumen und unter den störenden Bedingungen des laufenden Schulbetriebs gelingen kann: Einbindung in den Stundenplan, vorgegebener Tagesplan mit festen Pausenzeiten, Rücksichtnahme auf parallel laufenden Unterricht, emotionale Trennung vom Thema am Unterrichtsende – diese Fakten sprechen dafür, ein Seminar in angemessener Umgebung durchzuführen. Nur so können die Unterrichtsziele erreicht werden.

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Deshalb führte die Altenpflegeschule vom 10.bis 12. November wieder ein Sterbeseminar auf der Benediktushöhe in Retzbach, unter der Leitung der Lehrkräfte Herr Bundschuh und Frau Schreiber-Schanz, durch.

• Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit und der eigenen Einstellung zu Tod und Sterben
• Sterben in der heutigen Gesellschaft
• das Bewusstsein eigener Gefühle in Trauer-und Trennungssituationen
• die Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen
• die Kommunikation mit Sterbenden
• Versorgung Verstorbener, Rituale u. v. m. wurden thematisiert.


Darüber hinaus lernen sich die Teilnehmer von einer ganz anderen Seite kennen und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Klasse wird verstärkt. Es werden Rücksichtnahme, Verständnis für den Mitmenschen, soziale Kompetenzen gefordert und gefördert.
Die Kosten eines solchen Seminars sind sicher gerechtfertigt und eine vernünftige Investition in unsere zukünftigen Pflegefachkräfte.
Wendelin Bundschuh ( Lehrer für  Pflegeberufe)


Sichtweise einer Schülerin

„So ein nebliger Tag, es ist kalt ich friere. Genau die richtige Jahreszeit mit meinen Kurs AP12/15 ein Sterbeseminar zu besuchen. Was wird auf mich zu kommen? Was erwarte ich mir von dem Seminar? All diese Fragen gehen mir durch den Kopf während ich meine Tasche packe. Drei Tage weg von Zuhause. Wird es meiner ‚Tochter (11Jahre) gut gehen ohne mich? Treffpunkt: Retzbach im Haus Benediktushöhe, Blick nach Zellingen über den Main, wie eine weiße Wand liegt der Nebel vor uns…“
Auch dieses Jahr geht der dritte Jahrgang der Berufsfachschule der Stiftung Juliusspital Würzburg zu einem Seminar: „Sterben, Tod und Trauer“. Drei Tage lang, außerhalb der Schule. Die Benediktushöhe bietet uns den perfekten Rahmen für eine solche schulische Veranstaltung.
Mit Übernachtung, Frühstück, Mittagessen und Abendessen wurden wir bestens versorgt. Während des Seminars gab es ausreichend zu trinken (natürlich alkoholfrei). Wir konnten uns richtig auf das Thema Sterben und Tod einlassen.
Wir konnten einfach selbst sein, die Rolle der Mutter, Hausfrau, Schüler usw. abstellen.


Am ersten Tag wurden wir damit konfrontiert uns Gedanken über den eigenen Tod und Sterben zu machen. Es ist gar nicht so leicht, sich damit auseinander zu setzen.


Fragen wie


„Möchte ich unsterblich sein?“
„Will ich alleine sterben?“
„Wo möchte ich sterben?“
waren der Einstieg in die Thematik. Wir tauschten unsere eigenen Erfahrungen mit dem Tod und Sterben aus.
Unsere Dozenten führten uns anschaulich Begegnung mit dem Sterben, Sterbephasen nach Kübler/Ross und Kommunikation mit Sterbenden/Sprache der Sterbenden auf.
Ab 17:00 Uhr war dann Schluss und wir konnten auf unsere Zimmer gehen und dass gemeinsam Abendessen.
Abends trafen wir uns zum Spielen in den Gemeinschaftsräumen und konnten über Erlebtes reden und so den ersten Tag verarbeiten.
Der zweite Tag fing mit einem gemeinsamen Frühstück an und um 9:00 Uhr ging es in den Seminarraum. Mit ruhiger Musik stimmten wir uns ein und konnten mit ernst die folgenden Themen behandeln:


•Sterben in unserer heutigen Gesellschaft;
•Bedürfnisse Sterbender/Pflege und Sterbebegleitung;
•Rechte Sterbender;
•Hilfen für Angehörige in der Sterbebegleitung;
•Anzeichen des nahenden Todes;
•Versorgung des Verstorbenen (in den ersten Stunden).


Es war für einige schwer, da sie an eigene Schicksale denken mussten und es wurden auch einige Tränen vergossen. Da wir nicht alleine waren, konnten wir uns gegenseitig unterstützen und trösten. Abends bot uns die Benediktushöhe die Möglichkeit zu kegeln und wir konnten den Tag gesellig ausklingen lassen.


Am 3.Tag lief das Seminar noch bis 15:00 Uhr; folgende Themen wurden angesprochen:


•Rituale bei der Versorgung Verstorbener
und
•Hilfen für Helfer.


Zum Schluss sahen wir einen Film, über einen Mann, Mitte 40, der an Krebs erkrankte und der dann Abschied nahm vom Leben und seinen Grabstein selbst entwarf.
Hier kamen vielen Teilnehmern die Tränen. Nach der Mittagspause und der abschließenden Reflexion war es vorbei und wir fühlten uns ein bisschen sicherer mit dem Umgang mit Sterbenden.


Ein Rezept gibt es nicht, jeder Tod ist individuell und wie nahe es uns zukünftigen Altenpflegefachkräfte geht, ist auch verschieden.
Wir danken allen Arbeitgebern und den Lehrkräften der Berufsfachschule der Stiftung Juliusspital, dass für unseren Kurs diese Form der Veranstaltung  möglich war.
Wir danken, dass wir diese wertvolle Erfahrung machen konnten, die für jeden von uns eine Bereicherung insbesondere im beruflichen wie auch im privaten Bereich war und nachhaltig wirken wird.

Angelika Gottlieb, Schülerin

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