Presse

06.11.2014

Hospize für ein Leben in Würde – bis zuletzt

Arbeitsgemeinschaft der stationären Hospize in Bayern (ARGE) bezieht Stellung zum Thema: „Sterbewunsch und assistierter Suizid“

In Bayern gibt es zurzeit 16 stationäre Hospize mit insgesamt 162 Betten (Stand April 2014) die in der Arbeitsgemeinschaft der stationären Hospize in Bayern (ARGE) zusammengeschlossen sind. Mitglieder der ARGE sind sowohl Vertreter der Hospiz-Träger als auch Pflegevertreter. Repräsentanten nach außen sind die Sprecher Leonhard Wagner, Christophorus Hospiz,  und Gregor Linnemann, St. Johannes Hospiz, beide München.

Bei regelmäßigen Tagungen erörtern die Verantwortlichen der bayerischen Hospize aktuelle Themen und stellen Weichen für die zukünftige Hospizarbeit. Am Donnerstag, 6. November trafen sich die 30 Teilnehmer erstmals in der Stiftung Juliusspital, die seit 2013 ein stationäres Hospiz im Würzburger Stadtteil Sanderau betreibt, und seit 2012 der ARGE angehört.

Für die Träger der Hospize steht aktuell das Bemühen im Fokus, auf Politik und Kassen so einzuwirken, dass der Wille des Gesetzgebers erfüllt wird. „Das bedeutet, dass der Träger eines Hospizes zehn Prozent der Betriebskosten schultert und nicht 20 bis 25 Prozent wie es der tatsächlichen Situation in den meisten Hospizen entspricht“, erklärt ARGE-Sprecher Leonhard Wagner.

Im Bereich Pflege befassten sich die Verantwortlichen mit konkreten Fragen des Tagesbetriebs im Hospiz, mit Fragestellungen in Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen, mit organisatorischen und personellen Aspekten.

Ein wichtiger Punkt der aktuellen Tagesordnung war der Standpunkt der Hospize zur aktuellen Debatte über Sterbewunsch und assistiertem Suizid. Die stationären Hospize verstehen sich als Beispiel dafür, wie eine würdevolle Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen aussehen kann. Basierend auf der Haltung, diesen Menschen mit den Mitteln und der Haltung hospizlicher und palliativer Zuwendung ein Höchstmaß an Menschlichkeit, an notwendiger Medizin und Pflege und an psychosozialer Unterstützung zukommen zu lassen, kann in der letzten Phase des Lebens noch eine wertvolle Zeit entstehen.

In aller Deutlichkeit distanzieren sich die Mitglieder hier von der Wortwahl in den derzeit laufenden politischen Diskussionen, in denen von „qualvollem Sterben“ der Menschen die Rede ist. „Wir erfahren in unserer Arbeit in den stationären Hospizen das Gegenteil, da wir für die Menschen in ihrer letzten Lebensphase sehr viel tun können“, betonen die ARGE-Sprecher Leonhard Wagner  und Gregor Linnemann. „Vielmehr erleben wir hier, wie wertvoll die Zuwendung für Patienten und Angehörige ist.“
 
Daher ist es aus Sicht der ARGE wichtig, vorrangig eine Hospiz- und Palliativversorgung in ausreichender Qualität für die Menschen sicherzustellen. „Von optimalen Strukturen sind wir derzeit noch weit entfernt“, macht Wagner deutlich. Die ARGE fordert deshalb, dass die Politik zuerst die Voraussetzungen für eine ausreichende Hospiz- und Palliativversorgung der Menschen schafft. „Bevor dies nicht erreicht ist, kann aus unserer Sicht eine ethisch so schwierige Frage wie Beihilfe zum Suizid gar nicht diskutiert werden“, fügt Linnemann hinzu.

Bei ihrer Tagung am Donnerstag befassten sich die ARGE-Mitglieder auch mit dem vom Expertenkreis „Palliativmedizin und Hospizarbeit“ erarbeiteten Konzept für eine „Bedarfsplanung für stationäre Hospize in Bayern“ mit dem Ziel, ein flächendeckendes Versorgungsangebot durch einen bedarfsgerechten Ausbau mit stationären Hospizplätzen zu erreichen. Das Konzept setzt Impulse für die Errichtung stationärer Hospize in bislang unversorgten Regionen.

Im Freistaat gibt es derzeit vier stationäre Hospize in Oberbayern, eines in Niederbayern, je zwei in Ober- und Unterfranken, drei in Mittelfranken, eines in der Oberpfalz und drei in Schwaben. In Unterfranken fehlen rechnerisch noch vier Hospizplätze. Ein stationäres Kinderhospiz in Bad Grönenbach verfügt über acht Plätze.

Stationäre Hospize sind Lebensorte und ein besonderes Angebot für schwerstkranke und sterbende Menschen. Sie sind selbstständige und kleine Einrichtungen mit familiärem Charakter, die Menschen mit unheilbaren Krankheiten in der letzten Lebensphase begleiten und versorgen. Sie bieten psychische, soziale und spirituelle Begleitung und eine palliativmedizinische und palliativpflegerische Versorgung. Dabei gehen sie auf die individuellen Bedürfnisse der Gäste ein und gestalten auf Wunsch auch die Begleitung der Hinterbliebenen mit.

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