Presse

05.08.2014

Fair gehandelt und für gut befunden

 

Krankenhaus Juliusspital und Würzburger Partnerkaffee arbeiten zusammen

Seit dem 1. August gibt es im Krankenhaus der Stiftung Juliusspital auf den Stationen Arabica-Kaffee aus Tansania. Die Klinik stellt ab sofort auf den fair gehandelten Kaffee des Vereins Würzburger Partnerkaffee um.

„Das das Juliusspital ist ein Vorzeigeprojekt für uns“, erklärt Karl-Heinz Hein-Rothenbücher, der Vorsitzende des Vereins zufrieden. Das das Krankenhaus Juliusspital ist damit die erste Klinik in Würzburg und Umgebung, die mit Partnerkaffee und einer dezentralen Kaffeeversorgung arbeitet. Was bedeutet, dass der Kaffee in den auf den Stationen zur Verfügung stehenden Maschinen direkt gekocht wird. Die Klinik praktiziert dies seit 2006. Vorteil davon ist die bessere Qualität des Kaffees und das aufbrühen individuell nach Bedarf, verdeutlicht Küchenleiter Bernhard Krieger.

Partnerkaffee beliefert das Krankenhaus mit Kaffeepäckchen zu je 75 Gramm, die extra für die Klinik abgepackt werden. „Ein Päckchen reicht für eine große 2,2 Liter Kanne. Das entspricht unseren Bedürfnissen und unseren Systemen“, sagt Krieger. Getrunken wird auf den Stationen zukünftig der im Berg- und Hochland Tansanias angebaute Arabica-Kaffee mit und ohne Koffein. Bereits Anfang dieses Jahres haben die Patienten im Juliusspital bei einem Probelauf den neuen Kaffee genossen und für gut befunden. „Wir wünschen uns eine gute Partnerschaft auf lange Zeit“, sagt Krankenhausleiter Wolfgang Popp.

Grund für die Umstellung sind der Stiftungsauftrag, die soziale Verantwortung, ein nachhaltiges Wirtschaften und damit ein faires Miteinander nach innen und außen, erklärt Popp. „Wir haben unsere Kaffeeversorgung auf fair gehandelten Kaffee umgestellt, um einen Beitrag zu mehr Handelsgerechtigkeit und Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Kleinbauern und Arbeiter in den benachteiligten Regionen der Welt zu leisten.“

Das Juliusspital benötigt pro Jahr rund zwei Tonnen Kaffee, gemahlen oder als ganze Bohnen. Serviert wird er auf den Stationen, in Cafeteria und Kantine, im Catering sowie in einigen Abteilungen der Stiftung wie beispielsweise in der Palliativakademie, zählt Krieger auf. Auf den Stationen werden in der Woche etwa 380 bis 400 Pott Kaffee getrunken, das entspricht 80 Litern Kaffee pro Tag. Der Tansania-Kaffee aktuell erst auf den Stationen ausgeschenkt. Eine Ausweitung auf die Cafeteria und andere Bereiche soll sukzessive erfolgen, sagt Krieger. In der Cafeteria wird es den Partnerkaffee dann nicht nur zum Trinken sondern auch zum Kaufen geben.

Die Umstellung auf den fair gehandelten Kaffee kostet das Krankenhaus rund 10 000 Euro im Jahr mehr, sagt der Krankenhausleiter. Kosten, die die mit dem fairen Handel von Kaffee verbundenen Ziele und die Wertevorstellungen der Stiftung rechtfertigen. Popp hofft auf viele Nachahmer: „Ich würde mich freuen, wenn der Umstieg des Juliusspitals auf fair gehandelten Kaffee weitere Einrichtungen im Gesundheitswesen oder in der Altenpflege dazu ermuntert es uns nachzutun.“

Klaus Veeh, Geschäftsführer des Vereins Partnerkaffee Würzburg ist zufrieden mit den neuen Geschäftsbeziehungen. Der Handel mit den Partnergebieten in Tansania garantiert diesen eine feste Mindestabnahmemenge mit Preisen über Weltmarktniveau. Das bedeute für die Kleinbauern dort eine langfristige gesicherte Einnahmequelle und eine Verbesserung ihrer Lebenssituation. Außerdem hat Partnerkaffee begonnen, mit den Erlösen in den Partnerregionen ein kleines Krankensystem für die Kaffee-Bauern einzurichten, sagt Veeh.

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BU: Vorkoster für den fair gehandelten Kaffee im Juliusspital (von links) Rüdiger Klein, stellvertretender Küchenleiter Juliusspital, Karl-Heinz Hein-Rothenbücher, Vorsitzender Partnerkaffee Verein Würzburg, Juliusspital-Krankenhausleiter Wolfgang Popp und Klaus Veeh, Geschäftsführer Würzburger Partnerkaffee.  Foto Martina Schneider/Stiftung Juliusspital

Der 1998 gegründete Verein Würzburger Partnerkaffee besteht aus zwölf Mitgliedern und liefert Kaffee aus Tansania. Im dortigen Berg- und Hochland findet der edle Arabica Kaffee optimale Bedingungen vor.

Fast 400.000 kleinbäuerliche Familien bauen auf ihren Feldern mit einer Durchschnittsgröße von einem halben Hektar rund um ihre Hütten über 90 Prozent des tansanischen Kaffees an. Im Vergleich mit anderen Kaffeeerzeugerländern ist ihr Hektarertrag von nur 150 bis200 Kilogramm sehr niedrig. Der Kaffee jedoch ist anerkanntermaßen von höchster Qualität.

Der im 19. Jahrhundert von den Europäern eingeführte Kaffee hat inzwischen eine Schlüsselrolle in der Wirtschaft des Landes, das zu den ärmsten der Welt zählt. Er macht etwa ein Viertel des gesamten Exports aus. Fast jeder zehnte Tansanier lebt direkt oder indirekt vom Kaffee.