Presse

04.08.2014

"Wir legen Wert auf Fachkräfte"

Berufsfachschule für Altenpflege feiert 50-jähriges Jubiläum

Sie ist eine der ältesten Schulen auf ihrem Gebiet und feiert in diesen Tagen ein rundes Jubiläum: Am 15. April 1963 startete die Berufsfachschule für Altenpflege der Stiftung Juliusspital mit fünf Schülerinnen unter Leitung der inzwischen verstorbenen Oberzeller Franziskanerin Schwester Ehrenfrieda Wich. Die Altenpflegeschule des Juliusspitals war damals die dritte Schule dieser Art in der gesamten Bundesrepublik Deutschland.

Heute unterrichten die Dozenten der Berufsfachschule während der dreijährigen Ausbildung rund 80 Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Jahrgangsstufen. Außerdem veranstaltet die Berufsfachschule zusätzliche Fortbildungen für Pflegepersonal von Altenhilfeeinrichtungen.

fachkraefte

In den vergangenen 50 Jahren hat sich das Berufsbild des Altenpflegers verändert. „Die fachlichen Anforderungen an die Altenpflege sind enorm gestiegen“, erklärt Franz-Josef Steingasser, Leiter des Geschäftsbereichs Seniorenstift, Hospiz und Bildungseinrichtungen der Stiftung Juliusspital. Die Kontrollen durch Heimaufsicht und Medizinischem Dienst der Krankenkassen sind gestiegen, Qualitätsstandards wurden eingeführt und die Dokumentationserfordernisse wuchsen um ein Vielfaches an.

Die Menschen werden erfreulicherweise immer älter, was andererseits immer mehr multimorbide Krankheitsbilder mit sich bringt, erklärt Steingasser. Diese Mehrfacherkrankungen erfordern eine immer professionellere Pflege. „Das Durchschnittsalter für den Eintritt ins Seniorenstift liegt heute bei 85 Jahren“, sagt Steingasser.

Die zunehmende Anzahl von an Demenz erkrankten Personen im hohen Alter ist eine weitere Herausforderung für die Altenpflege, weiß der Leiter des Seniorenstifts. Zudem kommen in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in die Pflege was bedeutet, dass einem wachsenden Bedarf an Pflegebedürftigen ein geringerer Anteil an Nachwuchskräften gegenüber steht. Das Juliusspital hat – aufgrund der hauseigenen Berufsfachschule – ein hohes Potenzial an eigenem Pflegenachwuchs, zum Glück wie Steingasser sagt, denn „wir legen unverändert großen Wert auf einen hohen Anteil an Fachkräften“.

Die Verantwortlichen des Juliusspitals sind stolz auf ihre Berufsfachschule, die über die Grenzen Würzburgs hinaus bekannt und angesehen ist. Anfangs wurden die Schülerinnen und Schüler der Altenpflegeschule auch in Krankenpflege unterrichtet. Die Ausbildung dauerte damals ein Jahr. Heute sind es drei Jahre, die sich gliedern in 2100 Stunden Theorie und 2500 Stunden Praxis. Die praktische Ausbildung erfolgt in verschiedenen Einrichtungen der Altenpflege sowohl stationär als auch ambulant. 
 
Im Jahr 2006 widmete sich die Altenpflegeschule der Zertifizierung und Einführung eines Qualitätsmanagements, berichtet Schulleiterin Ursula Mangold. Dies stellt sicher, dass auch in Zukunft Umschüler für die Altenpflegeausbildung gewonnen werden können. 

Ein weiteres Betätigungsfeld tat sich durch die Reform der Pflegeversicherung im Jahr 2008 auf. Neben weiteren Leistungsverbesserungen für pflegebedürftige Menschen kommen jetzt auch Menschen mit einer so genannten „eingeschränkten Alltagskompetenz“ in den Genuss von zusätzlichen Betreuungsleistungen, wenn ein entsprechender Hilfebedarf festgestellt wird. Stationäre Pflegeeinrichtungen stellen hierfür zusätzliche und qualifizierte Betreuungskräfte ein. Seit April 2009 vermittelt die Berufsfachschule neben der Altenpflegeausbildung in Kooperation mit einer weiteren Berufsfachschule in Würzburg  auch diese Qualifikation und wurde im Frühjahr 2009 zertifiziert.

„Sehr weitsichtig war die Entscheidung der Stiftungsleitung im Jahr 1963, eine Berufsfachschule für Altenpflege zu gründen“, lobt Stiftungsleiter Walter Herberth die Entscheidung seiner Vorgänger. Die Schulgründung steht voll und ganz im Sinne des juliusspitälischen Stiftungsauftrages immer den jeweiligen Mangel der Zeit zu spüren und diesen nach Möglichkeit zu beheben. „Das ist der Auftrag, den der Stifter Julius Echter von Mespelbrunn seiner Stiftung ins Stammbuch geschrieben hat“, sagt Oberpflegamtsdirektor Herberth. „Und die Verantwortlichen in den 1960iger Jahren haben erkannt, dass die Ausbildung von Altenpflegekräften die besonderen Anforderungen des Alters und der alten Menschen berücksichtigen muss.“ Die daraufhin gegründete Berufsfachschule für Altenpflege war pädagogisch zunächst angebunden an die bereits seit 1921 bestehende Krankenpflegeschule der Stiftung und entwickelte sich sukzessive zu einer eigenständigen Bildungseinrichtung.

Heute legt die Stiftung - nicht zuletzt mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel - mehr denn je Wert auf eine gute Aus-, Fort und Weiterbildung und bietet neben den genannten Pflegefachschulen eine Weiterbildungsstätte für Intensivpflege und Anästhesie sowie eine von vier Palliativakademien in Bayern.

„Altenpflege ist ein Beruf mit Zukunft“, stellte die damalige Staatsministerin im Bayerischen Sozialministerium, Frau Barbara Stamm bei ihrer Festrede zur 35-Jahr-Feier im April 1998 fest. Auch zur 50-Jahr-Feier der Berufsfachschule für Altenpflege wird die heutige Landtagspräsidentin am 28. Juni im Juliusspital die Festrede halten.