Presse

07.04.2014

Revolutionärer und fortschrittlicher Mediziner

Zum 150. Todestag von Dr. Johann Lukas Schönlein

Mit einem Empfang zum 150. Todestages von Dr. Johann Lukas Schönlein gedachten die Verantwortlichen der Stiftung Juliusspital zusammen mit Gästen aus Politik und Medizin am Donnerstag einem Arzt, der die Medizinische Klinik des Juliusspitals 1824 innerhalb kürzester Zeit zur fortschrittlichsten Klinik Deutschlands machte und „Würzburg zu einem Wallfahrtsort für die deutschen Ärzte“. Welcher Rahmen bot sich da besser an als der Gartenpavillon des Juliusspitals,  als ehemaliger Anatomiesaal auch Schönleins damalige Wirkungsstätte.

Prof. Dr. med. Johannes Dietl, Ärztlicher Direktor der Frauenklinik der Universität Würzburg, hielt zu Ehren des 1830 ernannten Ehrenbürgers der Stadt Würzburg einen Festvortrag zum Thema „Johannes Lukas Schönlein: Wegbereiter des naturwissenschaftlichen Denkens in der Medizin“.

140403_KH_Schoenlein_Todestag_0115Schönlein war einer der renommiertesten in Würzburg tätigen Ärzte des 19. Jahrhunderts. Er reformierte und modernisierte grundlegend die deutsche Medizin durch die Einführung naturwissenschaftlicher Methoden in der Diagnostik. Sein medizinisches Verständnis: „Nicht allein die praktische Ausbildung der Studenten und die Behandlung der Kranken sei Zweck der Klinik sondern auch die Beförderung der Wissenschaft“, sagte Prof. Dietl. Dazu habe Schönlein die Studenten angehalten, die Kranken täglich zu besuchen und den Verlauf der Krankheit genauestens zu beobachten und aufzuschreiben.

Selbst war er jedoch „einer der schreibfaulsten großen Ärzte der Geschichte“ und seine Verdienste für die Nachwelt schwer zu erfassen, denn „Schönlein publizierte nichts“. Das taten für ihn – und gegen seinen Willen - die Studenten, die seine Vorlesungen besuchten und deren Aufzeichnungen darüber reißenden Absatz fanden, berichtete Dietl.

Schönlein, eher der Pragmatiker, wurde 26-jährig im Jahr 1819 zum stellvertretenden und fünf  Jahre später zum Leiter des Krankenhauses Juliusspitals bestimmt. Sein Credo: Krankheit ist ein organgebundener Prozess und Fieber Zeichen der allgemeinen Reaktion des Körpers.

Selbstredend hatte Schönlein nicht nur Freunde, denn um 1840 herrschte noch vielfach die Meinung, dass die Medizin mit der Heilslehre der katholischen Kirche verbunden werden müsse. Schönlein wurde des gottlosen Liberalismus und der Naturanbeterei beschuldigt. Auf Grund seiner demokratisch-republikanischen Gesinnung musste der Arzt im Jahr 1833 Würzburg verlassen und wurde Direktor der neu gegründeten Medizinischen Poliklinik und Klinik in Zürich.

Im Jahre 1838 erhielt er den ehrenvollen Ruf als ordentlicher Professor der Pathologie und Therapie sowie Direktor der Medizinischen Klinik der Charité Berlin, an der er bis 1859 tätig war.  Schönlein starb am 23. Januar 1864 im Alter von 70 Jahren in seiner Heimatstadt Bamberg.