Presse

02.12.2013

Mutiges Bekenntnis zur Vergangenheit

Stiftung Juliusspital enthüllt Historischen Gedenkpunkt im Innenhof - Erinnerung an den jüdischen Friedhof.

„Es ist es gar nicht so schwer, gerecht zu sein zur eigenen Vergangenheit, wenn wir uns mutig und aufrichtig mit ihr befassen“, resümierte Oberpflegamtsdirektor Walter Herberth am Freitag bei der Enthüllung des Historischen Gedenkpunktes im Innenhof der Stiftung Juliusspital.

Im April hatte der Leiter der Stiftung Juliusspital - im Rahmen des Radioabends des BR im Interview mit Eberhard Schellenberger - angekündigt, auf dem Juliusspital-Gelände einen Ort des Erinnerns an den jüdischen Friedhof zu schaffen. Die Mitglieder des Oberpflegamts der Stiftung Juliusspital fassten den Beschluss, diese historische Tatsache an zentraler Stelle sichtbar zu machen. „Wir sind der Ansicht, dass es gerade für eine Institution nicht zu schwer sein darf, sich zur Vergangenheit zu bekennen“, sagte Herberth.

„Der Gedenkpunkt soll erinnern an die Nutzung des Geländes ab dem Jahr 1147 als jüdische Begräbnisstätte, an die Entscheidung Julius Echters, das Gelände ungeachtet des religiösen Ewigkeitskontextes im jüdischen Glauben als Baugrundstück für sein „Julier-Spital“ heranzuziehen und das Stiftungshauptgebäude in der Zeit von 1576 bis 1580 errichten zu lassen. Und er soll die vielen Passanten und Besucher informieren, dass die Stiftung bis heute ihren im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelten sozialen Auftrag an dieser Stelle erfüllt“, erläuterte der Leiter der Stiftung Juliusspital.

Dr. Josef Schuster dankte den Verantwortlichen der Stiftung Juliusspital für diese Erinnerung und dieses Zeichen an den ehemaligen jüdischen Friedhof. „Mit diesem Gedenkpunkt wird Geschichte in Würzburg sichtbar, erkennbar und deutlich“, erklärte der der Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken.

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Der Bildhauer Kurt Grimm aus Kleinrinderfeld hat diesen Intentionen aufgegriffen und eine Skulptur aus Cortenstahl geschaffen. Er beschreibt sie wie folgt:

„Der Quader – wenn auch nur auf einer Spitze balancierend – ist Basis der Skulptur. Er steht für das historische Gebäude der Stiftung Juliusspital.

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Der Ring gilt als markantes Zeichen im Familienwappen des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn, dem Gründer der Stiftung.

Die Stele – tief eingeschnitten in den Quader – symbolisiert die Grabsteine des Jüdischen Friedhofs, die - ohne Beachtung des religiösen Ewigkeitskontextes - dem Spitalbau weichen mussten.

Die Verbindung und unlösbare Verknüpfung dieser drei Elemente bringt ihre wechselseitige Bedingtheit zum Ausdruck.“

http://www.ein-blick-ins-leben.tv/von-uns/film/skulptur-erinnert-geschichteexterner Link