Presse

26.11.2013

12.07.2013 Ein Ort der Menschenwürde

Juliusspital Hospiz Würzburg in der Friedrich-Spee-Straße 28 feierlich eingeweiht.

Juliusspital eröffnet erstes stationäres Hospiz für die Region in der Sanderau

hospizteam

Juliusspital Hospiz Würzburg: Schüsselübergabe bei der Einweihung des ersten stationären Hospizes für die Region am Freitag (von links) Franz Josef Steingasser, Leiter Seniorenstift und Schulen der Stiftung Juliusspital, Franz Ebert Projektleiter der Stiftung Juliusspital, Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, Norbert Geisel, GKP Architekten GmbH, Walter Herberth, Leiter der Stiftung Juliusspital, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Weihbischof Ulrich Bohm, Dr. Rainer Schäfer, Chefarzt Anästhesie und Palliativmedizin am Juliusspital, Sibylla Baumann, Leiterin des Juliusspital Hospiz Würzburg, Wolfgang Engert, Hospizverein Würzburg, Sr. Rita-Maria Käß, Generaloberin der Ritaschwestern, Stefan Dobhan, Malteser-Diözesangeschäftsführer und Pfarrer Bernhard Stühler.

Es ist geschafft: Nach nur 15 Monaten Bauzeit eröffnete die Stiftung Juliusspital am Freitag ihr stationäres Hospiz für die Region. Mit dem viereinhalb Millionen Projekt in der Friedrich-Spee-Straße 28 in Würzburg vervollständigt das Juliusspital sein bereits vorhandenes Angebot um die spezielle Pflege und Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen und erfüllt ganz aktuell den über 437 Jahre alten Auftrag ihres Stifters Julius Echter, den jeweiligen Mangel der Zeit zu erkennen und zu beheben.

Bei allen Entscheidungen von der Planung über die Realisierung bis zur Einweihung des Hospizes habe stets der Bedürftige im Mittelpunkt gestanden, erklärte Walter Herberth den Gästen beim Festakt. „Es ging uns stets darum, das Hospiz so zu gestalten, dass sich unsere Gäste bei allen körperlichen und sonstigen Beeinträchtigungen wohlfühlen können.“ Man habe „nicht billig gebaut“, sagte Herberth mit Blick auf die Investition, sondern mit dem Ziel, „das häusliche Umfeld der Gäste bestmöglich zu erreichen“.

Der Leiter der Stiftung Juliusspital beschrieb den Weg des Hospizes von der ersten Idee über die Planung und Realisierung bis heute. Er dankte den Ritaschwestern für das Erbbaurecht des Areals auf dem nun das erste stationäre Hospiz in Würzburg steht. Und er dankte den Ordensfrauen für das Mitbegleiten und auch das Mittragen in Zukunft. „Sie waren nicht nur beispielhafte Vertragspartner sondern auch die guten Seelen der Baustelle – ohne Durchhänger.“

Bei der finanziellen Größenordnung des Projekts sei die Stiftung dankbar um jede Spende und Unterstützung, sagte Herberth und bedankte sich bei allen Spendern und Unterstützern. In Zukunft wird auch ein „eigenes Gewächs“ das Hospiz mittragen: Der Hospizbocksbeutel, ein 2012 Silvaner vom Würzburger Stein, von dessen Verkaufserlös ein Teil in die Hospizkasse fließen wird. „Dies verdeutlicht einmal mehr unsere Stiftungsarbeit: Die Wirtschaftsbetriebe erzielen Erlöse, die für die Erfüllung sozialer Aufgaben verwendet werden“, sagte Herberth bei der Präsentation des neuen Weins. Bei der Einweihung des Hospizes fand dieser besondere Silvaner bereits reißenden Absatz.

Der Oberpflegamtsdirektor der Stiftung verhehlte in seiner Festrede jedoch nicht, dass er „deutlichen Korrekturbedarf“ sehe bei den Vorgaben der Kassen, den gesetzgeberischen Willen korrekt umzusetzen. Dieser hatte für den Träger eines Hospizes einen zehnprozentigen Anteil der laufenden Betriebskosten festgelegt. Tatsächlich liege dieser Anteil jedoch realistisch zwischen 20 und 25 Prozent, klärte Herberth auf.
 
„Wir haben uns als Juliusspital sehenden Auges darauf eingelassen, das das vom Gesetzgeber vorgegebene Defizit zu schultern. Aber es ist ein Unterschied, ob dieses bei realistischen Betriebskosten von einer Million Euro pro Jahr 100000 Euro beträgt oder – aufgrund eines zu niedrigen Tagessatzes –zwischen 200000 und 250000 Euro.“

„In unserem Gesundheitssystem hat die Sterbebegleitung offensichtlich noch nicht den Platz bekommen, der ihr zustehen müsste“, hakte Barbara Stamm ein. In diesem Punkt müsse ein Umdenken einsetzen. „Die Bereitschaft der Träger, den zehnprozentigen Eigenanteil zu finanzieren darf nicht ausgenutzt werden mit der Konsequenz, dass die Kosten steigen und der Anteil der Träger schleichend steigt“, machte die Landtagspräsidentin in ihrer Festansprache unumwunden deutlich. Sie werde ihre Schirmherrschaft für das Hospiz des Juliusspitals sehr ernst nehmen, kündigte Stamm an und bot Herberth unter großem Applaus an: „Nehmen Sie mich ruhig mit zu den nächsten Pflegesatzverhandlungen!“

Die Wandlungen der Familienstrukturen, fortschreitende Individualisierung und starke berufliche Eingebundenheit lassen die Pflege von sterbenden Angehörigen heute kaum noch zu, sagte Stamm. „Wir brauchen keine Hilfe zum Sterben sondern Hilfe beim Sterben durch Zuwendung, menschliche Hilfeleistung, Verbundenheit, Verständnis und Nähe.“ Genau dies leisteten die Hospize.

Die Fürsorge der Hospizhelfer ende nicht mit dem Tod des Menschen, den man gepflegt hat; sie gelte auch den Angehörigen, weiß Stamm. Der Dienst beim Sterbenden verlange eine enorme körperliche und psychische Belastbarkeit, Geduld, Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt eine tiefe Liebe zu den Mitmenschen. „Es ist eine Aufgabe, die kein Staat, keine Verwaltung, kein Unternehmen und keine noch so moderne Technik leisten kann“, betonte die Staatsministerin und mahnte alle Politiker, für entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen „Rahmenbedingungen, die die Fortführung des Erreichten möglich machen“.

„Sie haben so unendlich viel geleistet“, sagte Schwester Rita-Maria Käß. Die Generaloberin der Ritaschwestern beschrieb das neue Hospiz als „Ort, an dem alles sein darf und jeder Mensch in seiner Einmaligkeit ernstgenommen wird“. Franz Engert (Hospizverein Würzburg) und Hans Georg von Mallinckrodt (Malteser Hilfsdienst) freuten sich über diese stationäre Einrichtung im Raum Würzburg und sagten dem Juliusspital Hospiz Würzburg ihre uneingeschränkte Kooperationsbereitschaft zu. Die 30 ehrenamtlichen Helfer beider Institutionen werden die hauptamtlichen Mitarbeiter des Hospizes unterstützen. „Wir werden uns für die Menschen in der Region im Hospiz für die Region engagieren“, kündigte Engert an.

Bereits beim Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Kilian hatte Weihbischof Ulrich Boom das neue stationäre Hospiz der Stiftung Juliusspital als einen Ort beschrieben, an dem die Würde des Menschen geachtet wird.

Die „Spitalgeister“, der Chor des Juliusspitals und Diözesanmusikdirektor Gregor Frede (Orgel) umrahmten den Gottesdienst und den anschließenden Festakt musikalisch. 

hospizbocksbeutel
Hospizbocksbeutel: Sonderedition Silvaner vom Würzburger Stein für das Juliusspital Hospiz Würzburg (von links) Walter Herberth, Leiter der Stiftung Juliusspital, Weihbischof Ulrich Boom, Landtagspräsidentin Barbara Stamm.