Presse

26.11.2013

28.06.2013 Alter würdig gestalten

Festakt zum 50jährigen Bestehen der Berufsfachschule für Altenpflege im Gartenpavillon der Stiftung Juliusspital.

„Jeder möchte ewig leben aber keiner alt werden.“ In ihrer Festrede zum 50jährigen Bestehen der Berufsfachschule für Altenpflege der Stiftung Juliusspital brachte Barbara Stamm das Thema „Alt-Werden und Alt-Sein“ mit diesem Zitat auf den Punkt. Doch leider, so die Präsidentin des Bayerischen Landtags, gibt es keine Alternative zum Alt-Werden, keinen Jungbrunnen sondern nur die wichtige Erkenntnis: „Wir müssen dem Alter einen Raum geben und es würdig gestalten.“

Dazu brauche es Mitarbeiter in der Altenpflege die sich engagieren und Schulen, die die sich in den vergangenen Jahren veränderten Aufgaben in der Altenpflege fachlich begleiten und die Pflegekräfte „psychologisch“ auf die Praxis vorbereiten. „Nicht jeder, der sich für die Ausbildung entscheidet, hat das mit realistischen Vorstellungen von den Anforderungen und auch der Härte des Berufs getan“, erklärte Stamm beim Festakt am Freitag im Gartenpavillon der Stiftung Juliusspital.

„Wir dürfen in unserer Gesellschaft den Menschen nicht daran festmachen, was darf er kosten sondern müssen die Würde des Menschen gewährleisten“, sagte Stamm unter dem Applaus der 100 Gäste. „Unsere Aufgabe ist, das Alt-Werden und Alt-Sein so zu gestalten, wie es einer menschlichen und christlich-abendländischen Gesellschaft würdig ist.“

Natürlich weiß auch die Politikerin, dass die Rahmenbedingungen der Altenpflege alles andere sind als ideal. Beispielhaft dafür nannte sie die Bezahlung der Pflegekräfte, die Finanzierung der Ausbildung und den sich abzeichnenden Fachkräftemangel. „Pflege hat ihren Wert – nicht nur bei der gesellschaftlichen Anerkennung sondern auch bei der Bezahlung“, sprach Stamm deutliche Worte. „Da sind wir alle gefordert.“

Der Berufsfachschule des Juliusspitals komme – als Ausbildungseinrichtung - dabei besondere Bedeutung zu. „Sie sind mit der Zeit gegangen, haben Herausforderungen angenommen, mitgestaltet und bieten den Schülern ein festes fachliches und ideelles Gerüst und eine überzeugende Perspektive auch in den nächsten 50 Jahren“, lobte Stamm.

Als „sehr weitsichtig“ bezeichnete Walter Herberth, der Leiter der Stiftung Juliusspital, die Entscheidung der damaligen Stiftungsleitung vor 50 Jahren diese Berufsfachschule zu gründen. Sie ging am 15. April 1963 unter Leitung der Oberzeller Franziskanerinn Sr. Ehrenfrieda Wich als deutschlandweit dritte Schule dieser Art an den Start. „Die Schulgründung erfolgte voll und ganz im Sinne des juliusspitälischen Stiftungsauftrages, immer den jeweiligen Mangel der Zeit zu spüren und diesen nach Möglichkeit zu beheben“, sagte der Oberpflegamtsdirektor. 

Zu Anfang an die bereits seit 1921 bestehende Krankenpflegeschule angegliedert, entwickelte sich die Berufsfachschule für Altenpflege mit den Jahren zur eigenständigen Bildungseinrichtung und unterrichtet heute rund 80 Schülerinnen und Schüler in drei Jahrgängen. Gerade mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel lege die Stiftung mehr denn je Wert auf eine gute Aus-, Fort- und Weiterbildung, erklärte Herberth. Neben den beiden Berufsfachschulen unterhält das Juliusspital eine Weiterbildungsstätte für Intensivpflege und Anästhesie sowie eine von vier Palliativakademien in Bayern.

Die Auswirkungen der 2010 beschlossenen Kürzungen des staatlichen Schulgeldausgleiches um 50 Prozent seien kontraproduktiv gewesen zu den nahezu zeitlich angestellten Bemühungen, die Anzahl der Auszubildenden zu steigern, machte Herberth deutlich. Erfreulicherweise sei die Kürzung bereits 2011 teilweise revidiert und eine Neuregelung in Aussicht gestellt worden. Beim Thema Finanzierung der Altenpflegeausbildung unterstrich Herberth den Beschluss der Stiftung, kein Schulgeld zu erheben und betonte, man werde an dieser Grundsatzentscheidung festhalten, denn „uns ist wichtig, das zarte Pflänzchen Nachwuchsförderung nicht zu gefährden.“ Eine „vorbildliche Entscheidung“ wie Stamm betonte.

Dass die Festakte der Stiftung Juliusspital nicht nur aus Reden und Zuhören bestehen bestätigte einmal mehr das Rahmenprogramm der Veranstaltung, das die Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule für Altenpflege gestaltet hatten. Markus Thume und Martin Zimmermann setzten mit ihren Liedern einfühlsame musikalische Zeichen und die „Theatergruppe“ der Schule zeigte mit dem Stück „Das zweite Leben“, angelehnt an Berthold Brechts „Die unwürdige Greisin“, das Leben einer alten Frau, die die langen Jahre der Knechtschaft ertragen und die kurzen Jahre der Freiheit ausgekostet hatte. An den Festakt an schloss sich ein Sektempfang im Gartenpavillon der Zeit bot für Austausch und Gespräche.

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Oberpflegamtsdirektor Walter Herberth hob beim Festakt zum 50jährigen Bestehen der Berufsfachschule für Altenpflege die Wichtigkeit der Nachwuchsförderung in der Altenpflege heraus.

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Landtagspräsidentin Barbara Stamm hielt die Festrede beim Festakt zum 50jährigen Bestehen der Berufsfachschule für Altenpflege im Gartenpavillon der Stiftung Juliusspital.

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Beim Stück „Das zweite Leben“ zeigten Schülerinnen der Berufsfachschule für Altenpflege das Leben einer alten Frau, die die langen Jahre der Knechtschaft ertragen und die kurzen Jahre der Freiheit ausgekostet hatte.