Presse

25.11.2013

26.02.2013 Fairer Lohn für gute Arbeit

Juliusspital unterstützt Petition für eine faire Krankenhausfinanzierung.

Berlin/Würzburg - Das Juliusspital setzt sich für eine faire Krankenhausfinanzierung ein. „Es geht uns darum, die Politiker auf die aktuell verschärfte Situation in den Krankenhäusern aufmerksam zu machen“, erklärt Wolfgang Popp, Krankenhausleiter und Personalchef des Juliusspitals, der zusammen mit Stiftungsleiter Walter Herberth und Pflegedirektorin Katharina Gütlein am Krankenhausgipfel der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in Berlin teilnahm, auf dem eine Petition an den Bundestag verabschiedet wurde, um die Zukunft der Krankenhäuser zu sichern.

„Rote Zahlen stellen nicht nur ein Problem Einzelner dar, es sind davon immer mehr Kliniken betroffen, erklärte DKG-Präsident Alfred Dänzer, der für 2013 prognostiziert, dass jedes zweite deutsche Krankenhaus mit einem negativen wirtschaftlichen Ergebnis abschließen wird. Die Ursache hierfür sieht Dänzer bei den „gesetzlich gedeckelten Versorgungspreisen“, also Fallpauschalen, die die Politik vor rund zehn Jahren eingeführt hat. Danach werden ärztliche und pflegerische Leistungen nicht mehr nach der Behandlungsdauer und dem Aufwand vergütet, sondern pauschal nach Diagnose. Dies sei oft nicht kostendeckend.

Hauptproblem der Kliniken ist zudem die immer größer werdende Lücke zwischen den steigenden Kosten, vor allem durch höhere Tariflöhne, und diesen gedeckelten Versorgungspreisen. Seit 2006 stiegen die Tariflöhne um knapp 16 Prozent, die Vergütungen für Klinikleistungen aber nur um 8,7 Prozent. Hinzu kommen gesetzliche Preiskürzungen von rund einer Milliarde Euro innerhalb der letzten zwei Jahre. Weitere Kürzungen von rund 750 Millionen Euro seien für die nächsten zwei Jahre geplant, sagt Dänzer.

Auch der massive Anstieg der Haftpflichtversicherungsprämien, der Anstieg der Umlagen für Energieeinspeisungen sowie die hohen Mehrkosten für Vermeidungsmaßnahmen von Infektionen werden nicht mehr gegenfinanziert.

Für Stiftungsleiter Walter Herberth ist die wirtschaftliche Stabilität des Stiftungskrankenhauses essentiell für alle weiteren Aktivitäten der Stiftung. „Wenn die Leistungen des Krankenhauses von den Krankenkassen hinreichend vergütet werden, kann sich die Stiftung der Vielzahl ihrer sonstigen sozialen Aufgaben widmen, ob im Bereich der Seniorenpflege und der Bildungseinrichtungen, in der Epilepsieberatung oder im Palliativ- und Hospizzentrum.“ Herberth weiter: „Wenn wir aber Defizite im Krankenhaus finanzieren müssten – was Gott lob nicht der Fall ist – könnten wir unseren Stiftungsauftrag nicht mit der gewohnten Intensität erfüllen. Die Balance zwischen Kosten und Erlösen im Krankenhaus ist aber stark in Gefahr.“
 
Für Wolfgang Popp ist hierbei wichtig, dass die Personalkosten von den Krankenkassen voll finanziert werden. „Die zwischen den Tarifparteien vereinbarten Lohnsteigerungen gönnen wir unseren Mitarbeitern uneingeschränkt, denn sie leisten hervorragende Arbeit und machen nicht nur ihren Job, sondern erbringen einen wertvollen Dienst an den Patienten“, erklärt er. „Wenn die Gehaltssteigerungen aber von den Kostenträgern nicht finanziert werden, dann stimmt etwas nicht im System der Krankenhausfinanzierung.“

Das Krankenhaus der Stiftung Juliusspital ist seit 2006 Mitglied im CLINOTEL-Krankenhausverbund, einer Vereinigung wirtschaftlich stabiler Krankenhäuser in freigemeinnütziger oder öffentlicher Trägerschaft. „Der Verbund arbeitet nach dem Motto „Zu den Besten gehören – Von den Besten lernen“ und ist wegen des Austausches auf allen Fachebenen wichtig, um die Qualität der Patientenversorgung stets sicherzustellen. Wir sind froh, dass wir als wirtschaftlich stabiles Haus im Jahr 2006 im Verbund aufgenommen worden sind. Das soll auch so bleiben“ , sagt Krankenhausleiter Wolfgang Popp.

Den unzureichenden Erlösen steht die demografische Entwicklung gegenüber, die eine ständige Steigerung der medizinischen und pflegerischen Leistungen verursacht. „Dazu braucht das Gesundheitswesen hoch qualifiziertes und engagiertes Personal“, erklärt Pflegedirektorin Katharina Gütlein. Doch bleiben alle Initiativen, junge Menschen für die Ausbildung im Gesundheitswesen zu begeistern ohne Erfolg wenn den Beschäftigten in den Krankenhäusern die Teilhabe an der allgemeinen Einkommensentwicklung durch die restriktiven Finanzierungsregelungen verwehrt wird und Lohnsteigerungen durch Arbeitsverdichtung und Personaleinsparungen aufgefangen werden müssen.

Die Petition, in diesen die konkreten Forderungen und Problemstellen skizziert sind, haben alle Beteiligten unterschrieben und an die Politik überreicht.

Die am Krankenhausgipfel teilnehmenden gesundheitspolitischen Sprecher aller Bundestagsfraktionen signalisierten Verständnis für die Argumente der Krankenhäuser und stellten kurzfristige Hilfe in Aussicht. Eine finanzielle Größenordnung und die konkrete Form der Finanzhilfe nannten sie nicht, sondern verwiesen auf die derzeit laufenden oder vorgesehenen Gespräche in den einzelnen Fraktionen. Teilweise wurde betont, dass mit einer finanziellen Hilfe auch Strukturveränderungen sowie eine deutliche verbesserte Investitionsfinanzierung der Bundesländer einher gehen müssten.