Presse

30.01.2014

Grabungen an historischer Stelle

Vor Baubeginn: Fachfirma für Ausgrabungen und Dokumentation untersucht Untergrund auf der Vogelsburg

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Die Stiftung Juliusspital Würzburg hat Ende letzten Jahres auf der Basis eines ganzheitlichen Gastronomie-, Hotellerie- und Tagungskonzeptes mit der umfassenden Sanierung der Vogelsburg bei Volkach begonnen. Der seit 2011 im Besitz der Stiftung befindliche Gebäudekomplex soll aufwändig generalsaniert und zeitgemäß ausgebaut werden.

Bevor jedoch die eigentlichen Bauarbeiten beginnen können, sind Mitarbeiter einer Fachfirma für Ausgrabungen und Dokumentation seit November 2013 damit beschäftigt, im Untergrund nach den Resten der Vergangenheit zu forschen und die archäologischen Funde zu sichern.

„Die Vogelsburg ist eine der bedeutendsten vor- und frühgeschichtlichen Siedlungs- und Befestigungsanlagen Unterfrankens“, erklärt Dr. Michael Hoppe, Referatsleiter Praktische Bodendenkmalpflege vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Weil es sich dabei um ein sogenanntes Bodendenkmal handelt, ist die Erwartung hoch, dass Funde auftauchen. Der Berg war bereits in der späten Jungsteinzeit (ca. 3000-2000 v. Chr.) besiedelt und wurde schon in der späten Bronze- und Eisenzeit (ca. 900-400 v. Chr.) befestigt. Die Burganlage wurde erstmals 874 urkundlich erwähnt. Die Gemeinschaft der Augustinusschwestern siedelte sich 1957 an dem historischen Ort an, baute die Burganlage in den Jahrzehnten seit 1957 auf- und aus und übertrug sie am 1. Januar 2011 auf die Stiftung Juliusspital.

„Alle Baumaßnahmen, die ein Bodendenkmal gefährden können, bedürfen nach dem Denkmalschutzgesetz einer gesonderten Erlaubnis. Die Relikte aus der Vergangenheit müssen durch archäologische Grabungen gesichert werden“, macht Dr. Hoppe deutlich. Jedoch werde nur in den Bereichen gegraben, in denen auch Eingriffe in den Boden stattfinden sollen, wo also zum Beispiel Fundamente für Gebäude ausgehoben werden. Dort arbeiten sich die Facharbeiter dann auch bis in 2,30 Meter Tiefe vor.

Einiges haben sie bei ihren Grabungen schon freigelegt, so beispielsweise Mauern, die einer Burganlage aus dem Hochmittelalter zugeordnet werden konnten. Diese Burganlage wurde in den Bauernkriegen im 16. Jahrhundert niedergebrannt, eine entsprechende Brandschicht haben die Ausgrabungen ebenfalls zutage gebracht. In einem rund 90 Quadratmeter großen Areal im vorderen Bereich der Vogelsburg legten die Mitarbeiter ehemalige Feuerstellen und Spuren von Holzgebäuden frei, die von älteren Siedlungen stammen.

„Auf der Vogelsburg wurden bisher noch keine systematischen Grabungen durchgeführt“, erklärt Dr. Hoppe. Die archäologischen Befunde werden mit allen Fundsachen dokumentiert und archiviert. Die Funde gehören dem Eigentümer des Areals, also der Stiftung Juliusspital, sagt Dr. Hoppe. Die Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege kontrollieren und protokollieren die Ausgrabungen in regelmäßigen Abständen.

Wenn die Witterung die Ausgrabungen weiterhin begünstigt, sollen die Arbeiten im Laufe des Frühjahrs abgeschlossen sein. Dann beginnen die Sanierungsarbeiten im Gaststättengebäude. Dieses Haus aus den 1960iger Jahren wird auf den neuesten Stand der Technik gebracht und erhält einen kleinen Anbau für die Küchenlogistik. Der Gastraum wird vergrößert und nach der Sanierung rund 130 Innen-Sitzplätze aufweisen.

Nach der Sanierung wird sich auch der Weingarten der Vogelsburg deutlich vergrößert präsentieren. Von den 250 Außensitzplätzen wird ein Teil überdacht sein, denn ein auf Säulen errichteter Zwischenbau soll künftig Gaststätte und Burggebäude verbinden. Dieser zurückhaltend gestaltete neue Baukörper beherbergt im Obergeschoss Hotelzimmer sowie einen rund 50 Quadratmeter großen Tagungsraum mit traumhafter Aussicht auf das Maintal.

Oberpflegamtsdirektor Walter Herberth legt als Leiter der Stiftung Wert darauf, dass das Juliusspital zur eingegangenen Verpflichtung steht, die Vogelsburg als Einheit aus Begegnungsstätte, Kirche und ökologischem Weinbau zu erhalten und in eine gute Zukunft zu führen. Zu dieser übernommenen Verantwortung gehört es auch, zur Geschichte des Areals zu stehen und die erforderliche Zeit und die Kosten für die Grabungsarbeiten einzuplanen. „Wir freuen uns insoweit über das milde Wetter, das unseren ehrgeizigen Zeitplan aktuell nicht gefährdet. Und wir freuen uns noch mehr, wenn das Motto auf der Vogelsburg nach einem hoffentlich guten Bauverlauf ab Mai 2015 wieder lauten wird: Einkehren, Besinnen, Genießen.“ blickt Herberth in die Zukunft.

Beitrag von TV-Touring zur Vogelsburgexterner Link