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19.03.2010 „Stiftsschöpple im Juspi“ – Demenzkranke helfen im Weinberg mit –

Ein soziales Projekt des Seniorenstifts und des Weinguts der Stiftung Juliusspital

Das Seniorenstift der Stiftung Juliusspital bringt in Zusammenarbeit mit dem Weingut Juliusspital das Projekt „Stiftschöpple im Juspi - Bewohner des beschützenden Wohnbereichs helfen im Weinberg“ auf den Weg. Dabei helfen Demenzkranke über ein ganzes Jahr hinweg bei der Ausführung leichterer Weinbergsarbeiten in der Paradelage Würzburger Stein mit,  pflegerisch betreut von Fachkräften des Seniorenstifts und fachlich angeleitet durch Mitarbeiter des Weingutes. Frau Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat die Patenschaft für dieses Projekt übernommen.

 

Das integrative Projekt findet im Rahmen der gerontopsychiatrischen Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner im beschützenden Wohnbereich des Seniorenstifts der Stiftung Juliusspital statt.
Im Vordergrund steht hier – soweit möglich – die Normalität des alltäglichen Lebens. Die besonderen und nachhaltigen Erlebnisse sollen wesentlich zum Erhalt und zur Förderung der noch vorhandenen Leistungsfähigkeit beitragen und zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls und Wohlbefindens der Teilnehmer führen.

Ziel des Projektes ist es, den alten und kranken Menschen dort abzuholen, wo er gefühlsmäßig gerade steht, also meist aus seiner persönlichen Vergangenheit, und ihm trotz seiner Erkrankung die gebotene Würde, Sicherheit und Lebensqualität zu vermitteln. Ein wichtiger Bestandteil guter Betreuung ist die Durchführung von Aktivitäten mit den Senioren auch außerhalb der Einrichtung in der freien Natur– nehmen sie wie wir die Umgebung doch mit den verschiedensten Sinnen wahr.

Das Seniorenstift der Stiftung Juliusspital Würzburg ist bekannt für besondere Aktivitäten, die alljährlich mit den Bewohnern unternommen werden und diesen stets große Freude bereiten.Die Arbeit des Seniorenstifts baut darauf auf, dem dementen Menschen mit Vertrauen, Respekt und Anerkennung zu begegnen. Zu den wichtigsten Prinzipien gehören das gemeinsame Erleben, das spielerische Tun sowie das sinnliche Wahrnehmen. Die Bewohner werden ein Teil der Weinbergsgruppe und erfahren hierdurch Teilhabe und Anerkennung in der „normalen  Welt“. Das Körperbewusstsein der Bewohner kann somit durch die Aktivitäten im Weinberg angeregt und verstärkt werden. Grob- und Feinmotorik, Kraft- und Tastsinn werden beispielsweise durch das Schneiden mit der Weinbergsschere sowie durch die Balance beim Bewegen zwischen den Rebstöcken angesprochen.
Und der Zusatznutzen für die Mitarbeiter im Weingut:
Den „Wirtschaftern“ im Weinberg und in der Kellerei des Weingutes Ju-liusspital vermittelt das Projekt das Bewusstsein für die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit und trägt zum Abbau der Distanz zu Pfle-gebedürftigen in der Familie und im weiteren sozialen Umfeld bei. Die soziale Kompetenz gewinnt!


Demenz – mehr als nur eine Gedächtnisstörung
„Weg vom Geist“ bzw. „ohne Geist“ – so lautet die wörtliche Übersetzung des Begriffs „Demenz“ aus dem Lateinischen. Umgangssprachlich wird „Demenz“ gerne mit den Eigenschaften „verwirrt“, „vergesslich“, „desorientiert“ oder gar „gestört“. belegt. Aber „Demenz“ ist mehr als nur eine „einfache“ Gedächtnisstörung. Sie zieht das ganze „Sein“ des Menschen in Mitleidenschaft, seine Wahrnehmung, sein Verhalten und sein Erleben.

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
Etwa zwei Drittel der heute in Pflegeeinrichtungen lebenden Bewohner sind demenzkrank. Neben der direkten Pflege spielt für die Lebensqualität gerade dieser Bewohner die soziale Betreuung eine herausragende Rolle. Nicht Ausgrenzung und Absonderung der an Demenz Erkrankten darf die Folge sein. Vielmehr gilt es, diese Personen trotz oder gerade wegen ihrer Beeinträchtigungen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen und alle Möglichkeiten zu nutzen, ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie als Mensch einen Wert besitzen, der nie verloren gehen wird. Ganz im Sinne der Frage eines Bewohners: „Wann werde ich gebraucht?“

 

Betätigung wird zum Erlebnis
Aus diesem Wissen heraus entstand bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Juliusspitals die Idee, das gemeinsame Projekt „Stiftsschöpple im Juspi“ mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Seniorenstifts und des Weingutes aus der Taufe zu heben.
Die gemeinsame Betätigung unserer Seniorenheim-Bewohner das ganze Jahr über mit den Beschäftigten des Weingutes und des Seniorenstifts soll für alle zu einem unvergesslichen Erlebnis werden und allen Beteiligten neue Sichtweisen und Perspektiven eröffnen. Die Gruppeneinsätze reichen von den ersten Frühjahrsarbeiten im Weinberg, über die Traubenentwicklung im Sommer und die Weinlese im Herbst bis hin zur Abfüllung und Ausstattung des „Stiftschöpples“ in der Kellerei im darauffolgenden Jahr.


Ausgangspunkt für das Projekt ist der grundsätzliche Stiftungsauftrag.  Am 12. März 1576 legte Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn den Grundstein für ein Spital vor den Toren Würzburgs und zwar ein „Spital für allerhandt Sortten Arme, Krancke, unvermugliche, auch schadhaffte Leuth, die wundt und anderer Artzney nottürffttig sein…“. Kritisch analysierte der Stifter die vorherrschenden gesellschaftlichen, politischen und sozialen Verhältnisse seiner Zeit und trug der Stiftung auf, den jeweiligen Mangel der Zeit zu spüren und zu beheben. Als modernes Dienstleistungs-unternehmen mit humanitärem Auftrag folgt das Juliusspital Würzburg dem Willen des Stifters bis heute in seinen aktuellen Projekten.