Rudolf Ludwig Karl Virchow (1821-1902) war einer der größten deutschen Mediziner aller Zeiten. Infolge seines Konzeptes der Zellularpathologie gilt er als Mitbegründer der modernen Pathologie. Daneben leistete er Bedeutendes auf dem Gebiet der Seuchenbekämpfung und Hygiene und setzte sich als Politiker im Reichstag für eine medizinische Grundversorgung der Bevölkerung ein.
Die Berliner Charité war die wesentliche Wirkungsstätte dieses Großen der Medizingeschichte. Virchows politische Betätigung in der Märzrevolution 1848 brachte es jedoch mit sich, dass er sich zum Verlassen Berlins gezwungen sah und somit für die Dauer sieben wissenschaftlich fruchtbarer Jahre (1849-1856) an die Universität Würzburg berufen wurde. Parallel zu Würzburg hatte Virchow auch mit den Universitäten in Gießen und Zürich verhandelt. Für Würzburg sprachen die größere Attraktivität der verjüngten Medizinischen Fakultät sowie das staatliche Juliusspital, eines großen Krankenhauses mit hoher Sektionsfrequenz.

Rudolf Virchow (1821-1902) in seiner Würzburger Zeit
Bildnachweis: Pathologisches Institut der Universität Würzburg
In Würzburg leitete Virchow als zweiter Amtsinhaber das Pathologische Institut, das räumlich im Gartenpavillon des Juliusspitals untergebracht war. Virchows bahnbrechende Erkenntnis, dass "omnis cellula e cellula" hervorgeht, leitete sich aus seiner Würzburger Schaffenperiode ab.
Nach seiner Ankunft führte Virchow in Würzburg zunächst seine Berliner Forschungen weiter (z.B. zur Embolie). In der Folgezeit widmete er sich immer stärker der mikroskopischen Anatomie und Pathologie und erforschte eine Vielzahl von Themen, für die er in der Zellularpathologie einen gemeinsamen Nenner fand.
Zu den zahlreichen publizierten Forschungsthemen seiner Würzburger Jahre gehören u.a. Embolie, Hämatoidin, Amyloid, Myelin, Entzündung, Bindegewebe, Schädelwachstum, Rachitis und Osteomalacie, Knochen- und Knorpelkörperchen, Echinococcus, Papillome und Cancroid.
Im Jahr 1856 kehrte Rudolf Virchow wieder an seine alte Wirkungsstätte an der Berliner Charité zurück. Er war mittlerweile so berühmt, dass er die Konkurrenz um den vakanten Lehrstuhl für Pathologie für sich entscheiden konnte. Mit der Konzeption der Zellularpathologie hatte er seine pathologische Forschung zum krönenden Abschluss gebracht. Was er jetzt brauchte, war eine große Bühne zu ihrer Verkündung. Dafür eignete sich die kommende Weltstadt Berlin besser als die Würzburger Provinz. Am 6. Oktober 1856 reiste Virchow mit der Bahn von Würzburg nach Berlin, wo er in den folgenden 46 Jahren eine herausragende Rolle in Medizin, Anthropologie und Politik spielen sollte.
Auszüge aus Textpassagen des Pathologischen Instituts der Universität Würzburg
http://www.pathologie.uni-wuerzburg.de/