Home | Impressum | deutsch | english | japanese
 

Philipp Franz von Siebold

Der berühmteste Vertreter der Würzburger Familiendynastie war der Enkel des Karl Kaspar, Philipp Franz von Siebold (1796-1866). Er studierte ab 1815 an der Würzburger Universität Medizin und beschäftigte sich früh mit Naturwissenschaften, Länder- und Völkerkunde.

Im Jahre 1822 zog es ihn in die Ferne: Er trat in die niederländisch-indische Armee ein und gelangte über Batavia nach Nagasaki, wo er die holländische Faktorei auf der künstlich angelegten Insel Deshima ärztlich versorgte. Schon bald erwarb er sich großes Ansehen bei den vielfach hochgestellten japanischen Patienten, die er während seines ersten Aufenthalts von 1823-1829 unentgeltlich medizinisch betreute. Schon bald durfte er regelmäßig die Insel Deshima verlassen und auf dem japanischen Festland eine Schule einrichten, in der er in niederländischer Sprache westliche Natur- und Heilkunde lehrte.

Philipp Franz von Siebold lebte auf Deshima zusammen mit seiner japanischen Lebensgefährtin Kusumoto Taki, im Jahre 1827 wurde ihre Tochter Ine geboren. Ine wurde später Ärztin für Geburts- und Frauenheilkunde und erhielt den ehrenvollen Ruf als kaiserliche Leibärztin.

Philipp Franz von Siebold (1796-1866)
Bildnachweis: Botanischer Garten der Universität Würzburg

Philipp Franz von Siebold nutzte die ihm von den japanischen Gastgebern entgegen gebrachte Freundschaft, um eine umfangreiche Sammlung der japanischen Flora und Fauna anzulegen. Hofreisen des Faktoreileiters waren für ihn eine Gelegenheit, das Landesinnere Japans kennen zu lernen. Sein Forscherdrang brachte ihn jedoch in Konflikt mit den damaligen japanischen Gesetzen, die eine „Auskundschaftung des Landes“ bei strenger Strafe untersagten. So kam es im Jahr 1828 zur sog. „Siebold-Affäre“, als offenkundig wurde, dass der in niederländischen Diensten stehende Arzt Landkarten außer Landes bringen wollte. Siebold musste Japan unter Trennung von Lebensgefährtin und Tochter verlassen und konnte erst 30 Jahre später zurückkehren. Inzwischen hatte eine US-amerikanische Flotte die Öffnung der japanischen Häfen erzwungen. Während seiner zweiten Japanreise (1859-1862) konnte von Siebold an seine große Popularität anknüpfen, vorübergehend war er sogar als Berater der japanischen Regierung tätig.

Hortensie aus Japan, gezeichnet von Philipp Franz von Siebold
Bildnachweis: Kyoto University Library

Philipp Franz von Siebold ist als großer Japanforscher in die Geschichte eingegangen; sein wissenschaftlicher Beitrag lässt sich mit demjenigen anderer Forschungsreisender (z.B. Alexander von Humboldt) vergleichen. Ferner hat von Siebold wesentlich zum anhaltend hohen Ansehen der deutschen Medizin in Japan beigetragen. Sein Erbe wird heute vom deutschen und japanischen Zweig der Siebold-Gesellschaft gepflegt, das Siebold-Museum in der ehemaligen Direktionsvilla der Bürgerbräu AG (Würzburg-Zellerau) wurde 1995 als deutsch-japanische Begegnungsstätte gegründet.

W. Scheppach 8/09