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Johann Lukas Schönlein

Einer der renommiertesten in Würzburg tätigen Ärzte des 19. Jahrhunderts war Johann Lukas Schönlein, geb. 1793 in Bamberg. Nach dem Studium in Landshut ging er 1813 nach Würzburg und promovierte dort 1816 mit einer Disertationsschrift über die Hirnmetamorphose. Bereits im Jahre 1817 wurde Schönlein mit 24 Jahren zum Privatdozenten für pathologische Anatomie ernannt; schon 2 Jahre später wurde ihm die provisorische Leitung der Medizinischen Klinik im Würzburger Julius Hospital übertragen. Im Jahre 1824 erhielt er das Lehrfach der Therapie und die Leitung der Inneren Klinik. Schönlein führte am Juliusspital ein strenges Regime ein: zweimal täglich Krankenvisite (abends zwischen 18 und 19 Uhr), Anfertigung eines Aufnahmebefundes und von Verlaufsberichten, Übergabe an den Chefarzt, der die monatlichen Krankenstatistik führte.

Schönleins Bedeutung bestand u. a. darin, dass er als erster in Deutschland die Untersuchungstechniken der Auskultation und Perkussion einführte. Daneben beschrieb er ein Krankheitsbild, welches mit Hautblutungen, Durchfällen, Bauchschmerzen und Teerstuhl einherging; wir kennen dieses heute als Purpura Schönlein-Henoch.

Johann Lukas Schönlein (1793-1864)
Bildnachweis: Deutsche mykologische GesellschafT

Auf Grund seiner demokratisch-republikanischen Gesinnung musste Schönlein im Jahre 1833 Würzburg verlassen und wurde Direktor der neu gegründeten Medizinischen Poliklinik und Klinik in Zürich. Im Jahre 1838 erhielt er den ehrenvollen Ruf als ordentlicher Professor der Pathologie und Therapie sowie Direktor der Medizinischen Klinik der Charité Berlin, an der er bis 1859 tätig war. Schönlein zog sich in seine Heimatstadt Bamberg zurück und verstarb dort im Jahre 1864.

Johann Lukas Schönlein erwarb sich in der Würzburger, Züricher und Berliner Zeit einen legendären Ruf als Internist und wurde von vielen hochgestellten Persönlichkeiten seiner Epoche, darunter den preußischen Königen, konsultiert. Zu seinen Schülern zählten Rudolf Virchow, Theodor Billroth, Ernst von Leyden und Eduard Henoch.

W. Scheppach 5/09
Text nach Keitel W.: Johann Lukas Schönlein (1793-1864).
Zeitschrift für Rheumatologie 2007; 66: 716-724