Von Herrn Michael Balling aus Würzburg-Heidingsfeld erreichten uns folgender Bericht und das Bild der Kellertreppe am Probenraum Dettelbacher Berg Rondell:

"Am 15. März 1945, einen Tag vor der schrecklichen Bombennacht auf Würzburg
war ich ein kleiner Bub mit drei Jahren. Mein Vater, Landwirt und
Winzer im Stadtteil Heidingsfeld hatte im Hof seine Rösser, zwei rassige
"Friesen" eingespannt. Ohne dass mein Vater etwas bemerkte, ging ich
zu den Pferden. Plötzlich stieg die "Wilde Fanni",  eines der Pferde, hoch und
schleuderte mich ungefähr fünf Meter durch die Luft an einen Hasenstall.

Was war geschehen? Mein Vater erzählte immer, ich sei vermutlich mit meinen
Fingern in die Nüstern des Pferdes gelangt und hatte es so erschreckt. Es
stieg vorne hoch und dabei hatte es mich mit einem Huf unterhalb meines
Kinns am Pullover erwischt, der dort danach ein Loch hatte. Mein rechtes
Bein war jedenfalls gebrochen

Da für normale Autos Fahrverbot bestand wurde ich mit einem Möbelwagen
ins Juliusspital gebracht.

Ständig gingen in der Stadt die Alarmsirenen  und meine 44 jährige Mutter
trug mich viele Male eine schmale, steile, weiß verputzte Treppe in den
Luftschutzraum hinunter  und dann wieder hoch in den Operationsraum. Einige Stunden müssen vergangen sein bis ich endlich versorgt war. Das Bild dieser Treppe habe ich bis heute in meinem Gedächtnis behalten.

Während meines Lebens hoffte ich immer wieder, einmal diesen Ort zu finden.
Weil für mich damals der Weg vom Operationssaal in den Luftschutzkeller sehr weit
erschien, glaubte ich nicht so recht daran, dass er im Juliusspital sei.

Dieses Jahr war ich am 19. März mit meinen Vereinskolleginnen und -kollegen der
„Bauhütte Heidingsfeld“  zum Dankgottesdienst und zur Kellerbesichtigung im
Juliusspital. Während dieser Führung standen wir bei unserer Weinverkostung ausgerechnet am richtigen Ort. Ich schaute zurück, - zur Treppe, die ich vor 65 Jahren und 4 Tagen zuletzt gesehen hatte, -zurück in meine Lebensgeschichte.“