Zeittafel des fränkischen Weinbaus


?  Römischer Einfluß auf den fränkischen Weinbau nicht nachweisbar
    
8. Jh.  Der Sage nach beginnt der geregelte Weinbau mit der
          Gründung der Benediktinerinnenklöster in Kleinochsenfurt
          und Kitzingen (Ältester Klosterkeller in Kitzingen). Gündung
          des Bistums Würzburg 742 durch den Hl. Bonifatius.
  
770  Aufzeichnungen der ältestens Benediktinerabtei in Fulda
        erwähnen Weinberge bei Münnerstadt im Grabfeld, bei Arnstein,
        zu Holzkirchen, Üttingen und 766 bei Klingenberg
  
777  Der Frankenkönig Karl der Große schenkt der Abtei Fulda das
        Königsgut Hammelburg mit acht Weinbergen (heutiges Schloß
        Saaleck). Der fränkische Weinbau wird durch ihn stark gefördert.
  
779  In einer Gemarkungsbeschreibung Würzburgs findet sich der 
        Hinweis, daß die Würzburger Markungsgrenze durch "Fredhantes
        wingarton“, dem heutigen Alandsgrund der Weinlage Abtsleite
        geht.
        Erste Reben wachsen auch am Würzburger Stein.
  
9. - 11. Jh.  Weinbau breitet sich sehr schnell über das ganze Maintal und
                   seine Nebentäler aus. Auch am Steigerwald (918) und am
                   Obermain (1007) findet sich Weinbau.
  
12. – 16. Jh. Größte Ausdehnung des Weinbaus auf ca. 40.000 ha, zur 
                    damaligen Zeit war Franken das größte zusammenhängende
                    Anbaugebiet Europas. Reben finden sich bei Bayreuth, 
                    Kulmbach und Coburg sowie im Jura bei Eichstätt. Geistliche 
                    und weltliche Grundherren förderten den Weinanbau. Wein 
                    war ein ausgesprochenes Volksgetränk.
  
17. Jh.  1. großer Rückgang des fränkischen Weinbaus
            Der dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) verwüstet ganze Land-
            striche, in Ober- und Mittelfranken kommt der Weinbau fast
            gänzlich zum Erliegen, nur im Kerngebiet kann sich der Wein-
            bau wieder erholen. Daneben verschlechtern sich die klima-
            tischen Erzeugungsbedingungen und das Bier ist als Volks-
            getränk auf dem Vormarsch.

18. Jh.  Erneute Blütezeit des fränkischen Weinbaus, besonders im
            Gebiet des Hochstifts Würzburg. Frankenwein avanciert zum
            "Modewein". Die Landesherrn fördern den Rebanbau, die Reb-
            fläche beträgt ca. 16.500 ha. 
           

19. Jh.  2. großer Rückgang des fränkischen Weinbaus. Durch die
            Säkularisation Auflösung der Klöster. Förderung französischer
            Weine durch Napoleon. Durch Anschluß Frankens zu Bayern 
            werden Pfälzer Weine bevorzugt. Die bayer. Verfassung er- 
            hohe Steuern. Große Not bei den fränischen Häckern, nur  
            noch ca. 10.500 ha Rebfläche.
  
um 1900  3. großer Rückgang des fränkischen Weinbaus. Durch 
                starken wirtschaftlichen Strukturwandel (Industrialisierung)
                Abwanderungen aus der landwirtschaftlichen Erzeugung.
                1880 erstes Auftreten der Personospora, 1894 des Echten Mehl-
                ltaus. 1902 wird in Sickershausen die Reblaus eingeschleppt,
                1904 Auftreten der Reblaus in Iphofen.
                Eine wirtschaftliche Trauben- und Weinerzeugung ist in 
                Franken kaum noch möglich.
  
1959       In Franken nur noch 2360 ha bestockte Rebfläche!
  
1960/70  Beginn des Wiederaufbaus durch Beratung, Flurbereinigung,
                Förderung der Erzeugermeinschaften und Einsatz moderner
                Produktionsmittel (Technik, Rebschutz, Propfrebe, Düngung)
  
heute       Ca. 7.000 Winzerbetriebe bewirtschaften rund 6000 ha
                bestockte Rebfläche. Bei ca. 20. Mill. Literflaschen und
                20 Mill. Bocksbeuteln wird ein Gesamtumsatz von ca.
                176 - 201 Mio € pro Jahr erwirtschaftet.

ZEITTAF – Beratungsteam Weinbau - 2000


Frankenwein einst und heute

Franken war in alter Zeit ein einziger Rebgarten. Im ausgehenden Mittelalter des frühen 16. Jahrhunderts standen gemäß vorhandener Überlieferungen 40.000 Hektar in 600 Ortschaften von der Rhön bis zum Steigerwald, von der Tauber bis zur Fränkischen Saale in Ertrag, das sind über 40 Prozent der heutigen Ertragsrebfläche des gesamten deutschen Weinbaus. Franken war damit das größte deutsche Weinbaugebiet.

Als Begründer des fränkischen Weinbaus gelten die Mönche des Benediktinerordens seit der Mitte des 8. Jahrhunderts. Mit der Gründung des Bistums Würzburg 742 begann die Verbreitung der Rebkultur auch in Franken. Das älteste erhaltene Dokument bezieht sich auf den Frankenkönig Karl den Großen, welcher der Abtei Fulda im Jahre 777 das Königsgut Hammelburg mit acht Weinbergen schenkte. Nicht viel jünger ist die in deutscher Sprache abgefasste Urkunde von 779 mit einer Würzburger Markungsbeschreibung durch des „Fredthantes wingarton“, also durch den Weingarten eines freien Frankens namens Fredthant. Um diese Zeit wuchsen bereits erste Reben am „Stein“. Sehr bald breitete sich der Weinbau über das ganze Maintal und seine Nebentäler, wie auch an den Hängen des Steigerwaldes und der ihm vorgelagerten Ebenen aus. Der wohl älteste in Franken noch erhaltene Weinkeller in Kitzingen geht auf das 8. Jahrhundert zurück. Auch am Obermain blühte der Weinbau, zumal das Bistum Bamberg 1007 durch Kaiser Heinrich II. gestiftet und reich dotiert war. Seit dieser Zeit sind eine ganze Reihe von Weinjahren mehr oder weniger ausführlich beschrieben. „Weinphilosoph“ Bernhard Weisensee: „Franken ist ein beglücktes Weinland, aber auch ein vielgeprüftes“.

So heißt es beispielsweise in einer Chronik: „Das Jahr 1137 war ein berühmtes Weinjahr, in dem es so viel guten Wein gab, daß die Leute ein gut Teil Trauben an den Stöcken hängen lassen mußten, weil sie nicht genug Fässer hatten“. Im folgenden Jahr aber war das Unglück da und wirkte um so bestürzender, „als die Bauern und die Herren durch eine Reihe bester und reicher Jahrgänge... verwöhnt waren“. 1338 hatten Heuschrecken Weinberge und Felder kahlgefressen.

Die Chronik beschreibt den berühmten „Jahrtausendjahrgang“ 1540 als sehr heißes Jahr. Bereits am ersten Februar war es ungewöhnlich warm, was eine frühzeitige Rebenentwicklung zur Folge hatte. Um Johanni (24. Juni) reiften die Trauben, am 24. August begann die Weinlese. Der Wein war so köstlich und stark, „daß man seit Menschengedenken dergleichen nit gehabt hatt“. In Würz-burg ist das Andenken lebendig, barg doch das legendäre „Schwedenfaß“ von 1684 einst den 1540er Wein. Aus dem gleichen Keller könnte jene gefüllte Flasche 1540er stammen, die heute noch existiert.

1793 hatten die vielen Missjahre die Winzerbevölkerung Frankens nahezu an die äußerste Grenze des Elends gebracht.

In einem Bericht des Kitzinger Weinhändlers Johann Adam Kleinschroth aus dem Jahre 1825 lesen wir: „Der 15. Mai war Sonntag, ein sehr schöner Frühlingstag. Ich fuhr mit meinem Nachbarn, dem Bürgermeister Grübel, nach Großlangheim, wo sich in dem Wirtshaus das Gespräch auf die schöne Witterung in diesem Frühjahr ergab. Die dortigen Bauern verkündigten schon im voraus ein Hauptweinjahr, daher offerierten mir einige ihren 1824er Wein, den großen Eimer um 2 Gulden, 42 Kreuzer. Habe auch mit mehreren den Kauf abgeschlossen. Abends, beim Nachhausefahren, zogen ich und mein Nachbar die Röcke aus, die Hitze war noch groß. Am nächsten Morgen, dem 16. Mai, um 7 Uhr, war der Wein in fast ganz Franken erfroren“.

Kleinschroth hatte hinterher große Schwierigkeiten, die in Großlangheim per Handschlag billig gekauften Weine zu bekommen und musste sogar den Amtsrichter bemühen. Einige Weinbauern behaupteten, er habe mit dem Teufel im Bund gesteckt und deshalb die Frostnacht vorausgewusst. Missernten trafen die Bevölkerung hart, war doch der Frankenwein bereits damals ein wahres Volksgetränk. Zentren der Gastlichkeit waren die Klöster. Häufig zeichneten sich die Mönche selbst durch Trinkfreudigkeit aus, während von Enthaltsamkeit selten die Rede ist. Man bewegte sich also in biblischer Tradition.

Der Rückgang des fränkischen Weinbaus begann mit den Verwüstungen und Plünderungen des Bauernkrieges (1525) und des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), als Franken ab 1631 unter schwedischer Besetzung litt. Neue Trinkgewohnheiten entwickelten sich aufgrund von Privilegien für Bier und Kaffee, die Vereinigung der Pfalz mit Bayern (1777), die Eroberungen Napoleons mit der Einschleusung französischer Weine nach Bayern und der Aufhebung der Hochstifte und Klöster (1803).

Sortenbeschränkungen und eine große Anzahl an Missjahren machten dem fränkischen Weinbau ebenso zu schaffen wie neuartige Rebschädlinge und Rebkrankheiten. So ging die Anbaufläche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dramatisch zurück.

Die positive Wende erfolgte in den Jahrzehnten nach 1954 mit der Neuordnung der Rebflächen in Franken durch eine planmäßige Weinbergflurbereinigung unter Pflanzung durch die Rebenzüchtung und Klonenselektion entwickelter standortgerechter Rebsorten, der Melioration des Weinbergsgeländes in Franken über befestigte Wirtschaftswege und Wasserabflusskanäle zur Beseitigung der Gefahren nach Starkregen, durch die Neuausrichtung der Weinberge zugunsten des Landschaftsschutzes und der Naherholung. Einher ging auch in den Winzerdörfern eine Strukturverbesserung zur Entwicklung des ländlichen Raums.

110 Flurbereinigungsverfahren seit 1954 brachten eine Neuordnung von 3.200 Hektar Rebfläche. Die Kosten beliefen sich auf ca. 210 Mio. €, das entspricht dem Produktionswert eines einzigen aktuellen Frankenwein-Jahrgangs. Mit wieder anwachsender Zahl der Winzer und Rebflächen wurden leistungsfähige Erzeugergemeinschaften und Winzergenossenschaften ins Leben gerufen, während die selbstausbauenden und -vermarktenden Weingüter und Selbstvermarkter aus eigener Kraft als Unternehmer voranmarschierten.

 

------------------------------------------------------------------------------------------

Auszüge aus Terroir- Broschüre – Bayer. StMLF / Beratungsteam Weinbau

 


1 Landschaft – die Topographie des Weines
Die Reben und der Himmel über Weinfranken sind es, die dieser Landschaft ihr unverwechselbares Gesicht geben. Sie verleihen dem Land seine Heiterkeit und Harmonie. Oft ist es erst der zweite Blick, eine besondere, ganz bestimmte Stelle, die uns diese Landschaft erschließt und einen nach-haltigen Eindruck in uns hinterlässt. Es lohnt, die vielfältigen Strukturen der Weinregionen Fran-kens selbst zu erleben. Man lernt, in dieser von Menschen und Reben geschaffenen Kulturland-schaft zu lesen. Der steile Aufstieg in einen von Mauern und Treppen durchzogenen Weinberg im Buntsandstein, das weite Panorama der Stufenlandschaft um den Schwanberg, oder der atembe-raubende Blick von den steil aufragenden Muschelkalkfelsen auf das behäbige Fließen des Maines. Die Mauern der Weinberge, Dörfer und Häuser erzählen uns die Geschichte vom Wein und Stein. Es sind die weitverbreiteten Bildstöcke des fränkischen Weinlandes, die nicht nur ihre eigene Ge-schichte darstellen, sondern die uns auch sagen, auf welchem Stein der Wein hier wächst. Es sind die berühmten Bauwerke und Kulturdenkmale, die, unabhängig von ihrer Entstehungsgeschichte oder ihrer Epoche den Stein zeigen aus dem sie gebaut wurden. Es ist auch immer der Stein des fränkischen Weines. Plötzlich spürt man in sich das Verständnis für die dort wachsenden Weine entstehen.

Wein und Landschaft – Landschaft und Weine. Sie bilden ein Paar, das ohne einander nicht leben kann. Die Landschaft gibt den Reben ihr Leben, der Wein verleiht der Landschaft ihre Seele.

In diesem Zusammenhang wird zunehmend der Begriff des Terroirs verwendet und dessen große Bedeutung für den Wein betont. Der Begriff klingt verheißungsvoll und lässt in der Welt des Weines große Gefühle entstehen. Eine exakte Übersetzung oder Beschreibung des Begriffs Terroir ist schwierig. Im engsten Sinn bedeutet es wohl Boden, im weiteren Sinn und in der Sprache des Wei-nes beinhaltet es jedoch weit mehr. Heute steht der Begriff in erster Linie für große herausragende und trockene Weine, zunehmend aber auch für Eigenständigkeit und Individualität. Wer daher die großen und trocken Weine Frankens verstehen will, sollte die Elemente und die Konzeption des fränkischen Terroirs begreifen! Denn erst das spezifische Terroir lässt Weine gedeihen, die an ei-nem anderen Ort nicht reproduziert werden können. Im Zusammenhang mit der Globalisierung und Internationalisierung des Weines und damit einer nahezu ungezügelten Standardisierung des Wei-nes bekommt der Begriff Terroir und dessen Bedeutung eine neue Dimension und einen anderen Stellenwert

Nachfolgend möchte Ihnen unser kleines Lesebuch zum Fränkischen Terroir dabei eine kleine Hilfe sein, oder ganz einfach die Frage beantworten: Woher kommen die großen und  trockenen Weine Frankes?

 

2. TRIAS – Eine Weinlandschaft entsteht
    - Die spannende Geschichte der fränkischen Weinlandschaft
Stellen Sie sich vor! Vor 240 bis 250 Mio. Jahre Jahren lag Franken in der Nähe des Äquators. Die Kontinente begannen, ausgehend von zwei großen Landmassen auseinander zu driften. Es war eine riesige flache Schüssel, das Germanische Becken, in das von den umliegenden Gebirgen durch breite Flüsse sandiges Material eingetragen wurde. Das Klima war heiß, sehr heiß, wüstenähnlich. Die feinen Quarzkörner wurden mit einer roten Eisenhaut (Hämatit) überzogen. Der Buntsandstein war entstanden.
Dann, ca. 10 Mio. Jahre später: Das Klima änderte sich, das Becken öffnete sich und wurde vom Meer, dessen Reste das heutige Mittelmeer bilden, überflutet. Es war angenehm warm und trocken, mediterran eben. Land und Meer waren sehr fruchtbar. Manchmal zog sich das Meer zurück und das Land trocknete aus. Massenhaft abgestorbene Muscheln und andere Meeresbewohner wurden an Riffen zusammengeschwemmt, bildeten riesige Ablagerungen. Über dem Buntsandstein war der Muschelkalk entstanden.
Etwa 10 Mio. Jahre danach setzte eine erneute Klimaveränderung ein. Es wurde tropisch feucht, dann trocken, dann wieder feucht. Unser Becken war voller geworden und damit auch flacher, es gab Inseln, nicht alles wurde vom Meer überflutet. Wenn wir uns eine Deltalandschaft vorstellen, kommen wir der damaligen Situation sehr nahe. Am Land wuchs eine üppige Vegetation aus Far-nen und riesigen Schachtelhalmbäumen heran. Diese Wälder wurden bei Überflutungen zerstört, die Rückstände lagerten sich ab. Bei Trockenphasen erstarb das Leben im Meer. Massenhaft kleine Muscheln und Krebse wurden abgelagert. Die fast unzähligen und verschiedenartigsten Ablage-rungsschichten dieser wechselhaften Periode bilden heute den Keuper .

250 bis 205 Mio. Jahren vor unserer Zeit. Das geologische Ausgangsmaterial für unsere Böden und Weinberge - Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper- war entstanden! Heute nennen wir diesen erdgeschichtliche Periode TRIAS.

Und wie ging es weiter? Wo ist der Keuper und der Muschelkalk hingekommen, der über dem Bunt-sandstein des Spessarts liegt?
Nun, als der Rheingraben mit der Auffaltung der Alpen vor ca. 30 Mio. Jahren einbrach, wurde auf die Schichten der TRIAS ein enormer Druck ausgeübt, der das Schichtenpaket von West nach Ost schräg aufstellte. Die gewaltigen Kräfte der Verwitterung und Erosion trugen dann dazu bei, dass die Gesteinschichten unterschiedlich stark oder gar vollständig abgetragen wurden. So entstanden Verebnungsflächen (Gäuflächen), oder durch unterschiedlich hartes Gesteinsmaterial die Steilan-stiege des Steigerwaldes.

Der Main grub sich erst vor ca. 2. Mio. Jahren mit seinem heutigen Verlauf ein. Er modulierte durch seine Kraft und das mitgeführte Gesteinsmaterial die heutige, so charakteristische Tallandschaft heraus. Zwischen 80 und 100 Meter hat sich der Main bis heute eingegraben und schuf damit die für den Weinbau so entscheidenden Prallhänge, die heute so berühmte Namen von Weinbergslagen tragen, wie der Würzburger Stein, der Escherndorfer Lump oder der Homburger Kallmuth. Gegen-über den Prallhängen am Gleithang wurde durch den Main feines, sandiges Material abgelagert. Hier entstanden in Verbindung mit der weiteren Ablagerung von Flugsanden und Löß die fruchtba-ren Böden für den Obst- und Gemüseanbau, die an der Mainschleife auch Reben tragen. Die An-stiege des Steigerwaldes dagegen, Lagen wie der Iphöfer Julius Echter Berg, der Rödelseer Kü-chenmeister oder der Casteller Schlossberg sind durch die Kraft des Meeres und der unterschiedli-chen Härte bzw. Widerstandskraft der einzelnen Keuperschichten entstanden.

An dieser Stelle muss noch von einer geologischen Besonderheit Frankens berichtet werden: Das TRIAS mit seinen charakteristischen Weinbergsböden prägt nicht ausnahmslos den fränkischen Weinbau. Ganz im Westen Frankes stehen die Reben auf den ältesten Gesteinen Weinfrankens, dem sogenannten kristallinen Grundgebirge,. Es ist vor ca. 1000 bis 35000 Mio. Jahren  aus der erkalteten Erdrinde entstanden. Die vorherrschenden Gesteine, die die Weinbergsböden gebildet haben sind Gneis und Glimmerschiefer

 

 

3. Die Lage – Der besondere Grund für große Weine
Die Geologie bildet die Grundlage unsere Weinbergsböden. In Verbindung mit der Beschaffenheit (Ausprägung, Gestalt?) der Lage entsteht das besondere Kleinklima für das Wachstum der Reben und damit letztendlich für besondere Weine. Die Ausrichtung = Exposition zur Sonne und die Steil-heit = Inklination sind maßgeblich für die Einstrahlungsenergie der Sonne verantwortlich. Die Ge-ländeform der Lage- besonders gute Lagen am Main haben die Form eines Hohlspiegels- sorgt für einen hohen Nutzungsgrad der einfallenden Strahlung. Der Main, als Wärmespeicher puffert extre-me Witterungsbedingungen ab. Der dichte Waldsaum über den Rebhängen am Steigerwald bedeu-tet Schutz bei kalten Winden und abgleitender Kaltluft.

Die Böden selbst spielen dabei eine große bedeutende Rolle. Aus dem geologischen Ausgangsmate-rial der Trias sind sie im Lauf der Zeit durch die Verwitterung und den Einfluss des Menschen ent-standen. Man sagt, dass es ca. 100 Jahre dauert bis 1 cm Boden gebildet hat. Die mineralische und organische Zusammensetzung, das Bodengefüge, der Wassergehalt und der Steinanteil sind die wichtigsten Faktoren zur Beschreibung eines Weinbergbodens.

So erwärmen sich die flachgründigen, feinen Böden des Buntsandsteins besonders schnell. Zu-sammen mit dem hohen Steinanteil kennzeichnet sie ein „hitziger“ Charakter. Das benötigen Rot-weine, damit Sie Feuer und Farbe bekommen.

Muschelkalkböden sind sehr steinhaltig aber fruchtbar. Die Rebwurzeln können in den Klüften des Gesteins tief wurzeln. Dies verleiht den Weinen einerseits Frucht und Mineralität.

Ohne die feingrusigen Tonplättchen der Keuperböden wäre ein Weinbau am Steigerwald nicht mög-lich. Kein wärmespeichernder Main, die östlichste Region, die größte Höhe über dem Meeresspie-gel! Es sind die unzähligen Tonplättchen, die zusammen eine enorme innere Oberfläche des Bodens bilden, sich durch die Sonne aufheizen, die Wärme speichern und in der Nacht wieder an die Reben abstrahlen 


4. Der Silvaner – Unsere Fränkische Identität
Alle berühmten Weinbauregionen der Welt leiten ihre Identität von einer oder nur wenigen, ganz bestimmten Rebsorten ab. Was in Burgund der Pinot ist, im Barolo die Nebbiolo-Traube, oder im Rheingau der Riesling, ist in Franken der Silvaner. In einem, mittlerweile nahezu 350 Jahre andau-ernden Evolutionsprozess, ist er mit der Geologie und den Böden der Trias eine wunderbare, ja fast einmalige Verbindung eingegangen. Eine Verbindung, die große unverwechselbare Weines hervor-bringt und die Franken, seine Landschaft, seine Kultur und seine Menschen auf so eindrucksvolle Weise charakterisieren.

Die Herkunft des Silvaners lag lange Zeit im Dunkeln und hat somit manches „Geschichtchen“ über dieser Rebsorte hervorgebracht. Vom düsteren Transsylvanien, einer römische Kaisertochter als Namensgeberin über den Waldgott Silvanus, abgebildet mit einem Rebmesser, bis hin zu einem kleinasiatischen Ort namens Silvan reichten die verschiedenen Interpretationen seiner Herkunft. Dank moderner genetischer Analyseverfahren ist heute klar, dass der Silvaner aus einer Kreuzung vom Traminer, einer der ältesten Rebsorten der Welt und „Österreichisch Weiß“ entstanden ist. Der alte Namen für den Silvaner „Österreicher“ hat also durchaus seine Berechtigung.

Durch eine konsequente Ausrichtung des Weinbaus an der Qualität, einem schonenden, aber zeit-gemäßen Ausbau der Weine sowie einer gehörigen Portion Leidenschaft der fränkischen Winzer, gibt es heute Silvaner- Weine von höchstem Niveau. Unverwechselbar aber absolut gleichwertig mit den größten Weißweinen der Welt:

Der frische, lebendige Silvaner-Wein, herrlich unkompliziert mit einer feinen Frucht und jugendli-chem Charakter – der Silvaner für jeden Tag und fast jeden Anlass.

Der große Silvaner- Wein, die Silvaner Spätlese trocken. Frucht von reifen weißen Früchten, unter-legt mit mineralischen, vom Terroir geprägten Komponenten, dicht, mit einer seidigen komplexen Struktur und langem Finale. Großes Reifepotenzial

Der noble Silvaner- Wein, die edelsüßen Spitzenweine aus den besten Lagen Frankens. Der Natur und dem Boden abgerungene Köstlichkeiten. Aromen vom Honig und Dörrobst, bisweilen zarter Karamel. Getragen von einer feinen aber wuchtigen Süße erhalten diese Weine einen opulenten, ja fast barocken Charakter.


5. Der Winzer – Die persönliche Handschrift unserer Weine (oder : Jeder Wein hat sein Gesicht)
Der Winzer verleiht durch seine Arbeit im Weinberg und Keller den Weinen seinen ganz persönli-chen Fingerabdruck. Grundlage dessen ist die eigene Philosophie, der eigene Stil des Winzers. Die-se resultiert wiederum aus einer langjährigen Erfahrung mit den Böden, dem Kleinklima und den geeigneten Rebsorten, gepaart mit der ständigen Herausforderung, die Qualität des Weines zu steigern.

Mehr und mehr findet dabei wieder das Verständnis von Geologie, Boden, Lage und Rebsorte Ein-gang in die Qualitätsphilosophie der Winzer. Erst diese Kenntnis um das Terroir verleiht dem Wein-berg seine Identität.
Es ist die höchste Kunst des „Weinmachens“, wie man heute sagt, den Charakter einer Lage, den Charakter eines besonderen Terroirs durch einen großen Wein zum Ausdruck zu bringen, ja leben-dig werden zu lassen. Gerade Frankens große trockene Spätlesen der Rebsorten Silvaner, Riesling oder Burgunder verkörpern dies auf eindrucksvolle Weise.

Im Weinberg zählen dazu die der Lage und dem Boden am besten geeignete Rebsorte und ihre Unterlage auszuwählen. Die unter den gegeben kleinklimatischen Bedingungen richtige Bodenpfle-ge, verbunden mit dem Ziel, dass die Wurzeln der Reben tief in den Boden eindringen, um den Charakter des geologischen Ausgangsmaterial im Wein zum Ausdruck zu bringen. Eine umwelt-schonende Pflege der Rebstöcke und konsequente ertragsregulierende Maßnahmen um gesunde und reife Trauben zu ernten. Der Rebstock selbst soll möglichst lange, 30 bis 40 Jahre vital und gesund bleiben, denn gerade die alten Rebstöcke geben oftmals den Terroircharakter am besten wider.

Die Arbeit im Keller soll dem Wein dienen und die im Weinberg gewachsene Qualität erhalten. Es ist wiederum das Fingerspitzengefühl des Winzers oder Kellermeisters die dem Wein am besten gerecht werdende Stilistik herauszufinden, um den Lagen- oder Terroircharakter im Wein für die Nase und den Gaumen sichtbar zu machen. Dies kann im Edelstahltank, im großen Holzfass oder auch zunehmend, dem kleinen Holzfass, dem Barrique geschehen. Manchmal ist auch eine Kombi-nation von Edelstahl- und Holzfasslagerung ratsam.

So entstehen individuelle Weine höchster Qualität, die sehr viel Freude und großen Genuss ver-sprechen. Weine, die sich vielfältig zur heutigen Speise- und Küchenkultur kombinieren lassen, aber auch Weine über die man ganz vortrefflich mit anderen Menschen reden kann.


6. Terroir – Die Summe des Ganzen
Unser Lesebuch neigt sich, wie jeder gute Bocksbeutel, wie jedes gute Glas Wein einmal dem Ende zu. Übrig bleibt eine Frage: Was ist nun eigentlich das berühmte Terroir ?. Diese Frage beantwortet sich jetzt, nach einem hoffentlich unterhaltsam und spannendem Studium unseres Lesebuches, eigentlich ganz von selbst.

Es sind letztendlich diese überaus komplexen, oft wissenschaftlich nicht eindeutig erklärbaren Wechselwirkungen, oder besser gesagt, das Ineinandergreifen von Geologie, Boden, Klima, La-ge, Rebsorte und Winzer. Also die Synergie von physischen und mentalen Faktoren einer Wein-region und ihren Menschen, die daraus große und unverwechselbare Weine entstehen lässt.

Vielfach wird der Komplex des Terroirs durch weitere freiwillige oder rechtliche Rahmenbedingun-gen gestützt. Dies können die ausschließliche Verwendung bestimmter Lagen oder Rebsorten, das Alter der Rebstöcke, die Beschränkung des Ertrages oder auch Vermarktungsbedingungen sein. Das nennt man dann eine Klassifizierung oder auch Appellation.

Die Konzeption des Terroirs kann dabei in den Weinbauregionen der Erde jeweils eine unterschied-liche, ja ganz spezifische sein. So betont, zum Beispiel die französische Konzeption im Bordeaux bei einer eher flachen Ausprägung der Landschaft sehr stark den Boden mit seinem unterschiedli-chen Ton- und Wassergehalt. In den Regionen der Neuen Welt ist es eine einzelne, ganz besondere Rebfläche ( single vinyard). In Franken ist es die Geologie der TRIAS, verbunden mit den Lagen, ihren spezifischen Mikroklimaten und der Rebsorte Silvaner. Das Terroir ist also die Summe aus vielen Dingen, möglicherweise kennen wir sie in ihrer Gesamtheit noch gar nicht. Es liegt an uns, an den Freunden des Weines sie näher und immer wieder zu ergründen. Dies zu tun ist ein überaus spannender Prozess, der viel Genuss und Freude verspricht, denn die Winzer Fran-kens werden nicht nachlassen, mit Leidenschaft und Beharrlichkeit, die Qualität des Frankenweines zu steigern.

Wer sich jetzt in vom Fränkischen Terroir und seinen Weinen verzaubern lassen möchte, der sollte die vielfältigen Angebote zu einem Besuch Frankens, zu einer Führung durch Landschaft und Wein-berge mit einer anschließenden Verkostung feiner Frankenweine wahrnehmen. Denn für den Gast und Besucher des Fränkischen Anbaugebietes erschließen sich über das Terroir auch die Natur, Kultur und Geschichte Frankens. Das eigene Fühlen, Sehen, Riechen und Schmecken einer Wein-bergslage und ihrer Weine machen den Besuch in Franken zu einem ganz persönlichen und unver-gesslichen Erlebnis.


7. Geologischie
Der Schnitt durch die Geologie des Fränkischen Weinbaugebietes macht deutlich, warum man zu Recht auch von der Fränkischen Schichtstufenlandschaft spricht. In dieser Karte begrenzt auf das schräg aufgestellte Schichtenpaket der erdgeschichtlichen Periode der TRIAS. Ganz im Westen ragt der Spessart empor, darunter wird das kristalline Grundgebirge sichtbar, das besondere Terroir des Weinbaus im Raum Alzenau-Hörstein. Der von Ost nach West immer tiefer werdende Einschnitt des Maines gibt mit den bekannten Weinorten und Weinlagen Orientierung. Der Weinbau auf dem Buntsandstein hat seinen Schwerpunkt in den steilen, von einem schier unendlichen Netz aus Mau-ern durchzogenen Terrassenanlagen um Klingenberg und Miltenberg. Hier beeinflusst noch der Oberrheingraben das Klima Der Muschelkalk nimmt, bezogen auf den Wein die größte flächenmäßi-ge Ausdehnung ein. Im Würzburger Raum, am Maindreieck und rund um die Mainschleife bei Vol-kach stehen die Reben auf den Schichten des unteren, mittleren und oberen Muschelkalkes. Hier schlägt das Herz des fränkischen Weinbaus. Auch in den Seitentälern des Mains stehen die Reben in der Regel auf Muschelkalk. An den markanten Anstiegen oder, wie man sagt Steigen der Keu-perstufe, daher auch der Name Steigerwald, hat der Fränkische Weinbau die größte Ausdehnung von Norden nach Süden. Von den Weinberge um Zeil am Main über den Falkenstein, den Schwan-berg, den Frankenberg bis hin zu den klein strukturierten mittelfränkischen Weinbergen auf den sanften Gipskeuperhügeln reicht hier die Verbreitung der Reben. Charakteristisch für die Keu-perstufe ist die aus Sandsteinen bestehende sog. Abdachung. Sie ist mit Mischwald bewachsen und bietet den darunter liegenden Weinbergen Schutz vor Frost und kühlen Winden.


8. Kontakt und weitere Infos

  • Gebietsweinwerbung Franken
  • Fränkisches Weinland
  • Gästeführer Weinerlebnis Franken

 

Kitzingen im Juli 2002, Dr. Kolesch, Beratungsteam Weinbau