Die kurze Geschichte des Terroirs in Franken
 

Es war einmal........

...vor 251 Millionen Jahren. Als die heutigen Kontinente noch zusammen-klebten und noch nicht auseinander-gewandert waren (Kontinentaldrift), befand sich das heutige Weinbaugebiet Franken inmitten eines riesigen flachen Beckens (Germanisches Becken), innerhalb der Kontinentmasse zu der damals noch Nordamerika, Mittel- und Nordeuropa zählten. Zwischen der nördlichen Landmasse und Godwana, der südlichen Landmasse, aus der sich später Südamerika, Afrika, Australien und Asien bilden sollte, befand sich eine große Meeresfläche, das sogenannte Thetysmeer. Es war inselreich und von stark schwankenden Tiefenverhältnissen gekennzeichnet. Die Küstenlinie dieses Meeres pendelte in diesem Zeitraum im Bereich des heutigen Unterfrankens, so dass es immer wieder zu Überflutungen durch das Thetysmeer gekommen ist. Zu diesem Zeitpunkt waren Pflanzen und Tiere auf der ganzen Erde verbreitet. Auf dem Land überwiegen Nadelbäume und Farne, unter den Landtieren die Reptilien (Saurier). In den Binnengewässern finden sich Fische und Amphibien, im Meer Muscheln und Armfüßler (muschelähnliche Tiere). Es erscheinen die ersten Säugetiere. Der Mensch wird erst 224 Mio. Jahre später auftreten!

In dieser erdgeschichtlichen Periode werden für Weinfranken jene Gesteinsserien abgelagert, die heute den weitaus größten Teil der Landoberfläche einnehmen und damit die Geologie, die Landschaft, die Böden und letztendlich den Wein prägen. Diese Periode wird das TRIAS genannt und dauerte ca. 50 Mio. Jahre. TRIAS deshalb, weil in dieser Zeit drei markante und verschiedene Epochen unterschieden werden: Der BUNTSANDSTEIN, der MUSCHELKALK und der KEUPER. Diese Epochen, die geologisch betrachtet wiederum in drei Gesteinsschichten zum Ausdruck gebracht werden, fallen leicht nach Osten ab und bedingen dadurch die Fränkische Schichtstufenlandschaft


Der Buntsandstein ( 251 – 240 Mio. Jahre v.h.)

Aus den Hochgebirgen, die das flache Becken Unterfrankens vor 251 bis 240 Mio. Jahren umgeben - im Osten Frankens die Böhmische Masse, im Süden das Vindelizinische Land, das später durch die Bildung der Alpen verschluckt wird - werden durch Abtragung Verwitterungsprodukte von den Flüssen in das Becken geführt und dort ausgebreitet. Die Ablagerungen der gewaltigen Ströme sind wechselnd grob, feinsandig oder tonig. Diese Sedimentationsfolgen bedingen heute die vielfältigen Schichten des Buntsandsteins. Auf manchen Schichten des oberen Buntsandsteins findet man die versteinerten Fährtenabdrücke des „Handtieres“(Chirotherium), eines raubtierähnlichen Sauriers, dessen Skelett man bis heute noch nicht gefunden hat. Das Klima war zur damaligen Zeit überwiegend trocken und sehr heiß, ähnlich den heutigen Wüstenregionen Innerasiens.
Die Sandsteine des Buntsandsteins, der vielmehr nur rot gefärbt ist, setzen sich überwiegend aus Quarzkörnern zusammen, die von einer Haut aus Eisen - daher die rote Farbe und der Name - oder auch Mangan (schwarz) überzogen sind.


Der Muschelkalk (240 – 232 Mio. Jahre v.h.)

Nach 10-15 Mio. Jahren, strömt auf die abgelagerten Sandsteinschichten das Thetysmeeer in das flache Becken des heutigen Unterfrankens hinein. Unterfranken dürfte damals an der tiefsten Stelle des Beckens gelegen haben. Die Überflutung durch das Meer ist mal wechselnd flach oder tief ausgeprägt. Gleichzeitig änderte sich das Klima, es wurde trocken und warm, vergleichbar mit den heutigen Bedingungen des südlichen Mittelmeeres. Dadurch konnte sich eine reichhaltige Flora und Fauna entwickeln. Das Meer war voller Kalkalgen, Seelilien, Armfüßler (Terebrateln), Muscheln, Austern und Kopffüßlern (Ceratiten). Haie kamen, wie die zahlreichen Funde an versteinerten Haifischzähnen zeigen, in großer Anzahl vor. Selbst Saurier belebten in großen Mengen das Meer!
Durch den Wechsel zwischen Überflutungen und Austrocknungsphasen bildeten sich die zahlreichen Sedimentationsschichten des Muschelkalkes heraus. Man unterscheidet drei Hauptabteilungen: den Wellenkalk, den mittleren Muschelkalk und den Hauptmuschelkalk. Die Gesteine des Muschelkalkes sind tonhaltige Kalksteine.


Der Keuper (232 – 208 Mio.Jahre v.h.)

Verbunden mit einer erneuten klimatischen Veränderung zu feucht warmen (subtropisch) bis ariden (wüstenähnlichen) Bedingungen, beginnt nach weiteren 10-15 Mio. Jahren die Epoche des Keupers. Das Becken in dem Unterfranken liegt, ist durch die Sedimentation des Buntsandsteins und des Muschelkalkes nicht mehr so tief. Ein ständiger Wechsel von Meer, Brackwasser, Watt, Lagune, Sumpf, Delta und Flüssen kennzeichnet die Entstehung des Keupers. Die Pflanzenwelt ist üppig und vielfältig. Schachtelhalme, Farne, Palmfarne und Koniferen bedecken in großen Vegetationsgürteln des Becken. Bei den Tieren herrschen Insekten und Muscheln in großen Massen vor. Haie, Lungenfische und der Quastenflosser dominieren im Meer. An Land Echsensaurier, Lurchsaurier und Dinosaurier. In Abhängigkeit dieser vielfältigen Bedingungen lagern sich durch Eintrag, absterbende Pflanzen oder Verdunstung sehr viele Sedimentationsschichten und damit Gesteine ab. Auch hier unterscheidet man wie im Muschelkalk drei Abteilungen: den unteren Keuper, auch Lettenkeuper genannt, den mittleren und oberen Keuper.
Im Keuper überwiegen an Gesteinen Tonsteine, Tone und Tonmergel, diese werden im feuchten Zustand auch „Letten“ genannt. Daneben kommen in großen Mengen Gips- und Sandsteine vor. Der Name des Keupers soll sich aus den alten Bezeichnungen „Köper“ für bunten Stoff, „Küpper“ für Töpferton oder „Kipper“ für Abraum und Grus ableiten.


Wie unsere Landschaft in Form gebracht wurde.....

Im TRIAS wurden die Gesteinsschichten überwiegend horizontal abgelagert. Das heutige Landschaftsbild wurde erst 170 Mio. Jahre später, also heute vor 30 Mio. Jahren geformt. Zu dieser Zeit setzen große tektonische Bewegungen der Erdkruste ein. Durch die Absenkung bzw. den Einbruch des heutigen Ober-rheingrabens um 2000 Meter im Westen Frankens, wurden die Schichtenpakete des Trias schräg aufgestellt, zum Teil gekippt und verbogen. Diese Anhebung betrug im Bereich des Spessarts 1000 Meter, im Raum Würzburg 500 Meter und im Steigerwald immerhin noch 200 Meter. Daraus resultiert die von West nach Ost abfallende Schrägstellung der Schichtstufenlandschaft Weinfrankens. Im Osten wurde dieser Prozess durch das Heraustreten des Thüringer Waldes, des Frankenwaldes und des Fichtelgebirges begrenzt. Der Motor dieser massiven Bewegungen der Erdkruste war die Auffaltung der Alpen im Süden dieser riesigen Erdscholle.

Auf diese schräggestellten Schichtenpakete der TRIAS konnten nun die physikalischen und chemischen Prozesse der Verwitterung einwirken. In einer Zeit von 65 bis 2,4 Mio. Jahren vor heute, in der Phase des TERTIÄRS, herrschte ein feuchtwarmes Klima (chem. Verwitterung). Es entstand dadurch feines Verwitterungsmaterial, das durch das Oberflächenwasser abgetragen wurde. Dies führte zu einer flächenhaften Abtragung der Gesteinschichten. Danach, 2,4 Mio. Jahre bis heute, im QUARTÄR, der Phase von Eis- und Warmzeiten, führte die physikalische Verwitterung (z.B. Frostsprengung) zur Bildung groben Gesteinsschutts, der durch Flüsse abtransportiert wurde, was wiederum zur Bildung von Tälern führte

Auf diese Weise sind also große Mengen der ehemaligen Sedimentationsschichten Muschelkalk und Keuper abgeschält worden. Dies erklärt dann auch, warum im Spessart der Buntsandstein als unterstes Schichtpaket ansteht und der Muschelkalk und Keuper fehlt - er wurde durch die Verwitterung zerkleinert und durch das Wasser in südlicher Richtung abtransportiert. Unterschiedlich harte Gesteinsschichten widerstanden der Verwitterung einmal mehr oder weniger, so dass dies zu den charakteristischen Verebnungsflächen (Gäuflächen) oder Steilanstiegen (Steigerwald) führte, die das typische Landschaftsbild Weinfrankens heute beherrschen.


Eine geologische Besonderheit in Weinfranken

Das TRIAS mit seinen charakteristischen Weinbergsböden prägt nicht ausnahmslos den fränkischen Weinbau. Ganz im Westen, nördlich von Aschaffenburg an der Grenze zu Hessen stehen die Reben auf den ältesten Gesteinen Weinfrankens, dem sogenannten kristallinen Grundgebirge. Es ist vor ca. 1000 bis 3500 Mio. Jahren (PRÄKAMBRIUM) aus der erkalteten Erdrinde entstanden. Die vorherrschenden Gesteine sind Quarsite und Glimmerschiefer.

 

Und dann ist da noch die Lebensader Main....

Bisher wurde die unterfränkische Region zum Süden, zur Donau hin entwässert. Die Geschichte des Maines setzt erst spät, vor ca. 2 Mio. Jahren ein. Im Zusammenhang mit den letzten großen tektonischen Bewegungen der Kontinentalplatten, wird die ursprüngliche südliche Fließrichtung umgedreht in eine westliche, hin zum Rhein. Durch das mitgeführte Erosionsmaterial gräbt sich der Main immer tiefer, zwischen 80 und 100 Meter in die Land-schaft ein und schafft als Flusslauf die zentrale prägende Struktur der heutigen Tallandschaft mit den für den Weinbau so entscheidenden Prall- und Gleithängen. Gleichzeitig führt er Material wie Sande und Schotter mit, die er in den Flussterrassen ablagert.

TERROIR - zusammengestellt von Dr. Hermann Kolesch, Beratungsteam Weinbau - 2003

 

W Ü R Z B U R G

STEIN

Der Würzburger Stein ist eine nach Süden geöffnete Lage, die sich muschel-förmig am Main entlang zieht und einen wunderbaren Blick auf die Stadt bietet. Er liegt auf einer Höhe von 210 bis 250 m über NN. Der schmale Bergrücken fällt an der Rückseite steil ab. Der Weinberg selber ist geschützt vor den wärmeentführenden Westwinden, sowie vor Nord- und Ostwinden. Der Name Stein wird abgeleitet von dem sonnendurchglühten, sehr steilen Kalksteilhang. Beim Boden handelt es sich um Verwitterungen des Muschelkalks, in den stellenweise Lehm- und Tonschichten eingelagert sind. Mineralische, rauchige Aromanoten bei hohem Fruchtpotenzial und strukturierter Dichte zeichnen diese Weine aus.

INNERE LEISTE

Diese Steillage liegt auf Würzburgs linker Mainseite in einem kleinen Tal-einschnitt auf der Südseite der Festung Marienberg. Die Lage ist ein typisches Beispiel für den großen Einfluss des Mikroklimas auf das Terroir einer Weinbergslage. Einerseits reicht der hitzige Charakter des Würzburger Talkessels hinein, andererseits wird sie ausreichend vor der Kaltluft des Nordens geschützt. Das Ausgangsmaterial für den Weinbergsboden der Inneren Leiste ist der mittlere Muschelkalk, eine Sedimentsschicht aus Kalkalgen und Muscheln. Die über Jahrmillionen gebildeten tonhaltigen Kalksteine tragen mit dazu bei, dass der Boden eine gute Wärmespeicherung besitzt. Der steinige, schwach tonige Lehm ist tiefgründig und hat eine gute Humusversorgung. Dies führt zu einer ausgewogenen Nährstoffverfügbarkeit für die Reben, welche Weine mit üppigen, reifen Aromen und weicher Säure liefern.

I P H O F E N

JULIUS-ECHTER-BERG

Der südlich exponierte Steilhang liegt in einer Kessellage des Steigerwaldes, am Fuß 280 m, am Oberhang 380 m über NN. Oberhalb der Weinberge befindet sich ein Waldgürtel, der die Lage vor kalten Nord- und Ostwinden schützt. Es herrschen so optimale kleinklimatische Bedingungen in dieser Lage, deren Steigung zwischen 20 und 60 % beträgt. Der graubraune Keuperboden strahlt eine enorme Hitze aus und setzt ungeahnte, wilde Düfte frei. Den hohen Extrakt und die mineralische Würze erhalten die Weine aus einem einzigartigen Sediment von grünem Schilfsandstein. Die dichten, aromatischen Weine, häufig mit Feuersteinnoten, gelten als besonders langlebig.

V O L K A C H

KARTHÄUSER

Der Volkacher Karthäuser geht zurück auf das nur einen Steinwurf vom Weinberg entfernt liegende Karthäuserkloster, das im Jahr 1409 von Ritter Erkinger von Seinsheim gestiftet wurde. Die Lage ist ein leicht sichelförmiger, windgeschützter Weinberg mit Lehmböden, in denen sich Schwemm-sande des Mains mit Muschelkalk und Lettenkeuper mischen. Die Böden besitzen ein sehr gutes Wasserspeichervermögen und eine sehr gute Wärmespeicherung als Grundlage eines warmen Kleinklimas. Daher bietet dieser Standort besonders günstige Voraussetzungen für die Burgunder-rebe. Die Weine besitzen eine ausladende Duftaromatik, weiche Säure und dichten Körper.

E S C H E R N D O R F

LUMP

Den Lump prägt ein individuelles Kleinklima, das den Weinbau in dieser Lage seit mehr als tausend Jahren bestimmt. Im weiten Bogen umschließt der Bergrücken den Weinort Escherndorf und öffnet sich nach Süden. Diese außergewöhnliche Lage schützt die Reben im Winter vor kalten Nord- und Ostwinden und fängt im Sommer und Herbst die Sonnenstrahlen wie ein Hohlspiegel ein. 1797 schreibt der ansässige Pfarrer Andreas Friedrich über die Lage: „Der Boden des oberen Muschelkalkes, die Hangneigung und die Sonneneinstrahlung haben sich hier zu einer einmaligen Komposition zusammengefunden: zu einem glühenden Kessel von ungekühlten Sonnenstrahlen.“ Der Muschelkalk und die Lettenkeupereinlagen bringen Weine mit unverwechselbarer rauchiger, konzentrierter Frucht und bekömmlicher Säure sowie hoher Lebensdauer hervor.

R A N D E R S A C K E R

Pfülben

Wie ein prall gefülltes Kopfkissen, beidseits abgegrenzt durch steile Seitentäler, schiebt sich der Randersackerer Pfülben direkt über dem berühmten Weinort Randersacker in das Maintal hinein. So steht auch der Name „Pfülben“ im Mittelhochdeutschen für Kopfkissen.

Auf den steil mit bis zu 60 % nach Süd und Südwest abfallenden Hängen wachsen auf skelettreichen Muschelkalkmergeln in einer Höhe von 220 bis ca. 280 m über NN Riesling- und Silvanerweine. Weit schiebt sich der Berg an das Flussufer heran und profitiert somit von der Licht- und Wärmereflexion des Maines. Die flachgründigen, humosen und leicht erwärmbaren Muschelkalkmergel sind Garanten für eine schnelle Erwärmung und eine ausgezeichnete Wärmespeicherkapazität der Spit-zenweinberge am Pfülben. Ausgeglichene Niederschläge des Maintales perfektionieren das aufge-heizte und somit nur wenig der Tag-Nacht-Temperaturschwankung ausgesetzte Klima. So entstehen im Pfülben sehr markante, gut strukturierte, würzige Rieslinge und kräftige, stoffige und mineralisch geprägte Silvaner.

 

Weitere Ergänzungen aus VDP, Große Gewächs-Lagen und ggf. Weißensee