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Terroir und Charakter
Terroir – ein geheimnisvolles Wort für ein altes Wissen, das über Generationen hinweg von den Winzern gepflegt wurde. Die Weinlage ist mit ihren spezifischen Eigenschaften, wie Geologie und Boden, Topographie, Sonneneinstrahlung, Mikroklima und die Beziehung der Rebsorte zum Standort, eine wesentliche Voraussetzung für den unverwechselbaren Charakter eines großen Weines. Erst im Zusammenspiel dieser natürlichen Faktoren mit dem Können des Winzers entsteht ein außergewöhnlicher Wein. In Franken verfügen wir über ein einzigartiges Potenzial großer, „Erster Lagen“: Würzburger Stein, Würzburger Innere Leiste, Randersackerer Pfülben, Iphöfer Julius-Echter-Berg, Escherndorfer Lump, Rödelseer Küchenmeister, Volkacher Karthäuser Die Spitzenweingüter des VDP stellen intern und in Selbstkontrolle, strenge Kriterien für die großen, trockenen Spätlesen auf. Nur Weine klassischer Rebsorten – Silvaner, Riesling, Weißer Burgunder und Spätburgunder – aus ersten Lagen dürfen dieses Logo führen, das sie äußerlich als „Große Gewächse“ erkennbar macht. Wie die großen, trockenen Spätlesen gehören auch unsere edelsüßen Weine zu den Topweinen der Welt. Einst begründeten sie den Weltruf deutscher Weine, heute beeindrucken sie durch komplexe, feine Fruchtaromen, eine enorme Geschmacksfülle und ein nahezu unbegrenztes Reifepotenzial. Einige Weinbergslagen des Juliusspitals W Ü R Z B U R G STEIN
Der Würzburger Stein ist eine nach Süden geöffnete Lage, die sich muschelförmig am Main entlang zieht und einen wunderbaren Blick auf die Stadt bietet. Er liegt auf einer Höhe von 210 bis 250 m über NN. Der schmale Bergrücken fällt an der Rückseite steil ab. Der Weinberg selber ist geschützt vor den wärmeentführenden Westwinden, sowie vor Nord- und Ostwinden. Der Name Stein wird abgeleitet von dem sonnendurchglühten, sehr steilen Kalksteilhang. Beim Boden handelt es sich um Verwitterungen des Muschelkalks, in den stellenweise Lehm- und Tonschichten eingelagert sind. Mineralische, rauchige Aromanoten bei hohem Fruchtpotenzial und strukturierter Dichte zeichnen diese Weine aus. INNERE LEISTE
Diese Steillage liegt auf Würzburgs linker Mainseite in einem kleinen Taleinschnitt auf der Südseite der Festung Marienberg. Die Lage ist ein typisches Beispiel für den großen Einfluss des Mikroklimas auf das Terroir einer Weinbergslage. Einerseits reicht der hitzige Charakter des Würzburger Talkessels hinein, andererseits wird sie ausreichend vor der Kaltluft des Nordens geschützt. Das Ausgangsmaterial für den Weinbergsboden der Inneren Leiste ist der mittlere Muschelkalk, eine Sedimentsschicht aus Kalkalgen und Muscheln. Die über Jahrmillionen gebildeten tonhaltigen Kalksteine tragen mit dazu bei, dass der Boden eine gute Wärmespeicherung besitzt. Der steinige, schwach tonige Lehm ist tiefgründig und hat eine gute Humusversorgung. Dies führt zu einer ausgewogenen Nährstoffverfügbarkeit für die Reben, welche Weine mit üppigen, reifen Aromen und weicher Säure liefern.
I P H O F E N JULIUS-ECHTER-BERG
Der südlich exponierte Steilhang liegt in einer Kessellage des Steigerwaldes, am Fuß 280 m, am Oberhang 380 m über NN. Oberhalb der Weinberge befindet sich ein Waldgürtel, der die Lage vor kalten Nord- und Ostwinden schützt. Es herrschen so optimale kleinklimatische Bedingungen in dieser Lage, deren Steigung zwischen 20 und 60 % beträgt. Der graubraune Keuperboden strahlt eine enorme Hitze aus und setzt ungeahnte, wilde Düfte frei. Den hohen Extrakt und die mineralische Würze erhalten die Weine aus einem einzigartigen Sediment von grünem Schilfsandstein. Die dichten, aromatischen Weine, häufig mit Feuersteinnoten, gelten als besonders langlebig.
V O L K A C H KARTHÄUSER Der Volkacher Karthäuser geht zurück auf das nur einen Steinwurf vom Weinberg entfernt liegende Karthäuserkloster, das im Jahr 1409 von Ritter Erkinger von Seinsheim gestiftet wurde. Die Lage ist ein leicht sichelförmiger, windgeschützter Weinberg mit Lehmböden, in denen sich Schwemmsande des Mains mit Muschelkalk und Lettenkeuper mischen. Die Böden besitzen ein sehr gutes Wasserspeichervermögen und eine sehr gute Wärmespeicherung als Grundlage eines warmen Kleinklimas. Daher bietet dieser Standort besonders günstige Voraussetzungen für die Burgunderrebe. Die Weine besitzen eine ausladendes Duft-Aromatik, weiche Säure und dichten Körper. E S C H E R N D O R F LUMP
Den Lump prägt ein individuelles Kleinklima, das den Weinbau in dieser Lage seit mehr als tausend Jahren bestimmt. Im weiten Bogen umschließt der Bergrücken den Weinort Escherndorf und öffnet sich nach Süden. Diese außergewöhnliche Lage schützt die Reben im Winter vor kalten Nord- und Ostwinden und fängt im Sommer und Herbst die Sonnenstrahlen wie ein Hohlspiegel ein. 1797 schreibt der ansässige Pfarrer Andreas Friedrich über die Lage: „Der Boden des oberen Muschelkalkes, die Hangneigung und die Sonneneinstrahlung haben sich hier zu einer einmaligen Komposition zusammengefunden: zu einem glühenden Kessel von ungekühlten Sonnenstrahlen.“ Der Muschelkalk und die Lettenkeupereinlagen bringen Weine mit unverwechselbarer rauchiger, konzentrierter Frucht und bekömmlicher Säure sowie hoher Lebensdauer hervor. R A N D E R S A C K E R Pfülben Wie ein prall gefülltes Kopfkissen, beidseits abgegrenzt durch steile Seitentäler, schiebt sich der Randersackerer Pfülben direkt über dem berühmten Weinort Randersacker in das Maintal hinein. So steht auch der Name „Pfülben“ im Mittelhochdeutschen für Kopfkissen. Auf den steil mit bis zu 60 % nach Süd und Südwest abfallenden Hängen wachsen auf skelettreichen Muschelkalkmergeln in einer Höhe von 220 bis ca. 280 m über NN Riesling- und Silvanerweine. Weit schiebt sich der Berg an das Flussufer heran und profitiert somit von der Licht- und Wärmereflexion des Maines. Die flachgründigen, humosen und leicht erwärmbaren Muschelkalk-mergel sind Garanten für eine schnelle Erwärmung und eine ausgezeichnete Wärmespeicherkapazität der Spitzenweinberge am Pfülben. Ausgeglichene Niederschläge des Maintales perfektionieren das aufgeheizte und somit nur wenig der Tag-Nacht-Temperaturschwankung ausgesetzte Klima. So entstehen im Pfülben sehr markante, gut strukturierte, würzige Rieslinge und kräftige, stoffige und mineralisch geprägte Silvaner.
Unsere Individualisten - die Lagenweine Weine, die von ihrer fränkischen Herkunft erzählen
Wir bewirtschaften Weinlagen in allen Bereichen des fränkischen Weinbaugebietes, das sich innerhalb der fränkischen Schichtstufenlandschaft über beinahe 100 km von Ost nach West erstreckt. In unseren Weinen spiegeln sich genau diese Unterschiede hinsichtlich des Bodens und des Klimas. Der Keuper: Auf tiefgründigen, bunten, feingrusigen Gipskeuperböden um Iphofen und Rödelsee wachsen stoffige Weine mit belebendem Charakter und langer Lebensdauer. Der Muschelkalk: Die Weine von unseren Lagen in Würzburg, Randersacker, Thüngersheim, Volkach und Escherndorf sind vom mittleren und oberen Muschelkalk geprägt. Sie sind elegant, fein-fruchtig und haben mineralische Komponenten. Der Buntsandstein: Bei Bürgstadt am Untermain sind die Böden flachgründig und weisen einen sehr hohen Steinanteil auf. Sie werden als „hitzig“ charakterisiert. Fruchtige, elegante Rotweine mit einer angenehmen Tanninstruktur sind hier zu Hause. Im Wissen um die ausgeprägten Vorlieben der Weinrebe achten wir darauf, an jedem Standort die am besten geeignete Sorte zu pflanzen. Wir kultivieren Silvaner, Riesling und Rieslaner, Weißen und Grauen Burgunder, Müller-Thurgau, Bacchus und Scheurebe, Rotweinsorten wie Spätburgunder, Domina und Schwarzriesling, aber auch autochthone Reben wie Traminer und Muskateller. |