Spannende zweite Halbzeit in den Weinbergen des Juliusspitals. Stiftungsweingut erntet ausschließlich prädikatsweingeeignete Trauben.Die strategische Planung der Weinqualität im Juliusspital hat in den letzten fünf Jahren enorme Fortschritte gemacht. Die wechselhaften Witterungsabschnitte des Weinbaujahres 2006 bewiesen ganz besonders die Notwendigkeit dieses kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Nach einem langen und schneereichen, aber eher milden Winter genossen unsere Winzer und Reben gleichermaßen die ersten warmen Tage im April. Die Temperaturen kletterten des öfteren in Bereiche zwischen 15° und 20° C und sorgten dann doch noch für einen termingerechten Austrieb um die Monatswende April/Mai. Auf einen zügigen und sehr gleichmäßigen Austrieb folgten schließlich in der zweiten Maihälfte und in die erste Juniwoche hinein kühle Temperaturen mit teilweise hohen Niederschlagsmengen, die zwar die bis dahin knappen Bodenwasservorräte auffüllten, die aber auch leider das Rebenwachstum stark bremsten.
Durch ein geschicktes Bodenmanagement, mit viel organischer Substanz und natürlicher Verbauung des Bodengefüges mit viel Begrünung hellte die Chlorose (Vergilbung der Reben) nur kurzzeitig unsere Weinberge auf. Vielmehr sorgten die über 100 mm zählenden Niederschläge Ende Mai/Juni zusammen mit dem Hochdruckeinfluss im Juni für einen enormen Wachstumsschub der Reben, bzw. Fruchtansätze. Eine rasante Blüte vom 15. bis 22. Juni und enorme Wuchsleistungen, mit zwangsläufig sehr viel Laub- und Gipfelarbeiten, folgten. Ein tolles Weinjahr nahm seinen Lauf.
Jetzt waren umfangreiche Ausdünnungs- und Entblätterungsmaßnahmen zur Qualitätsverbesserung unter geradezu tropischen Verhältnissen notwendig. Der Großraum Würzburg profitierte mit unseren Weinbergen von Retzstadt bis nach Randersacker von günstigen, aber eben nur lokalen und sehr unterschiedlichen Niederschlägen, während der Steigerwald sich wie schon in den letzten Jahren erneut als „Trockengebiet“ hervortat. Zum Glück streifte nur ein kleiner Hagelstreifen im Iphöfer Julius-Echter-Berg unsere Weinberge. Ende Juli waren die meisten unserer Weinberge noch ausreichend mit Wasser versorgt, sieht man einmal von den 2-4jährigen Anlagen oder in den obersten Zügen am Schwanberg ab.
Im Bereich des Pflanzenschutzes gab es 2006 relativ wenig Probleme. Lediglich der Peronospora-Pilz konnte sich vor allem dort ein wenig ausbreiten, wo im Juli starke Gewitterniederschläge gefallen waren und der Pflanzenschutz durch feuchte Bodenverhältnisse zur echten Herausforderung wurde. Eine besondere Erscheinung des Weinbaujahres 2006 waren zweifellos die außerordentlich vielen Geiztrauben, die von den Haupttrauben kaum zu unterscheiden waren und die unsere Winzerinnen und Winzer im Weinberg noch ordentlich fordern sollten.
Ein kühler und regnerischer August machte schließlich alle Spekulationen auf einen vorzeitigen Lesebeginn zunichte. Das Beerenwachstum stagnierte. Nur unsere flächendeckend eingesäten Begrünungen fühlten sich prächtig.
Bei optimalen Bodenwasserverhältnissen schürten zum Glück die hochsommerlichen Temperaturen Anfang September noch einmal ordentlich ein. Erneut rückte eine frühe Weinlese in den Vordergrund. 
Im sonnigen September reiften schließlich die Trauben enorm schnell heran. Die Mostgewichte schnellten in die Höhe. Sorge bereiteten uns dagegen die zurückgehenden Ertragserwartungen durch die anhaltende Trockenheit im September. Ein vollständig gesundes Lesegut und phantastische Mostgewichte trösteten uns ein wenig darüber hinweg.
Am 25. September starteten wir mit den ersten frühen Sorten wie Bacchus und Müller-Thurgau, um schon einen Tag später vom üppigen Niederschlag von 40-55 mm im Raum Würzburg gebremst zu werden. Der Regen und die zunächst angesagte ungünstige Großwetterlage waren der Start für einen wahrhaft heißen Herbst mit einer geradezu dramatischen Lesegeschwindigkeit und enormen Anstrengungen für die Winzer im Weinberg und unser Team im Weinkeller.
Einmal mehr bewährte sich die hervorragende Leseorganisation und die Zusammenarbeit unserer vier Weinbergsgruppen. Auf unsere schlagkräftige und schonende Traubenverarbeitung auf höchstem Niveau im Kelterhaus war ohnehin Verlass. Kellermeister Benedikt Then zur Lesehalbzeit: „Die ausgeschlagene Tresterschnecke geht nicht kaputt, weil sie nicht kaputt gehen darf“. So hatten wir bereits am 2. Oktober alle Frühsorten, die meisten Rotweintrauben und schon den ersten Silvaner im Keller, bevor der frustrierende Dauerregen am Tag der Deutschen Einheit uns stoppte.
Aber nicht nur die Niederschläge, sondern auch die hohen Tages- und Nachttemperaturen Ende September und Anfang Oktober sorgten für weiter anhaltenden Druck im Lesegeschehen. Jetzt mussten wir Prioritäten setzen!
Zunächst sicherten wir die wertvollen Premium-Silvaner, die auch wieder zu Großen Gewächsen gekürt werden sollen. Anschließend kamen die Lagenweine an die Reihe, um schließlich mit unserem berühmten Premium-Weißen Burgunder hohe Mostgewichte bei gesundem Lesegut zu sichern. Zu guter Letzt folgten die Rieslinge, die zwar schon deutliche Reifesymptome bei schließlich doch noch überraschend hohen Mostgewichten zeigten.
Die hohen Mostgewichte und der hohe Reifegrad unseres Lesegutes forderten unsere Önologen Benedikt Then und Helmut Klüpfel mit ihrem Kellerteam im Tag-Nacht-Schichtwechsel und die ganzen Wochenenden hindurch. Stress und Anstrengungen zeichneten die Kellergesichter.
Ende gut (am 17. Oktober), alles gut! Mit einer strategischen Qualitätsplanung, einer hervorragenden Leseorganisation und hoher Schlagkraft im Keller haben wir ausschließlich prädikatsweingeeignete Moste einlagern können. Natürlich kommen viele davon auch als knackig-frische Gutsweine ab Anfang 2007. Eine differenzierte Lese, sehr schöne Mostgewichte und eine 100%ige Kellerwirtschaft bringen bei einem durchschnittlichen Ertrag von ca. 68 hl/ha Juliusspitalweine, welche auch im kommenden Jahr keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Öchsle-Spitzenreiter ist mit 164 ° Oechsle eine Silvaner Beerenauslese aus unserem Hausberg in Iphofen, dem Julius Echter Berg.
Weingutsleiter Horst Kolesch (Oktober 2006)