Jahrgangsbericht 2011

Auf einen eher milden Winter, der nur im Dezember etwas Schnee und tiefere Temperaturen zeigte, folgte ein ungewöhnlich mildes und trockenes Frühjahr mit einem äußerst frühen Aus-trieb bereits Mitte bis Ende April. Nur vereinzelt waren in unseren Lagen Winterfrostschäden an den Reben zu erkennen.

Die günstigen Aussichten drehten sich jedoch schlagartig in den frühen Morgenstunden des 4. Mai und machten alle Hoffnungen auf ein gutes Weinjahr zunichte. Die bis zum 5-Blatt-Stadium entwickelten Triebe (10 bis 15 cm lang) waren den Frosttemperaturen von bis zu minus 3,7° C nicht gewachsen. Nach einem ersten Überblick und weit bis in den Sommer hinein musste man mit einem Ernteausfall von rund 50 % in den Weinbergen des Juliusspitals rechnen. Besonders starke Schäden zeigten sich im Maintal mit seinen Nebentälern. Unsere klassischen Weinbergslagen am Steilhang und der Schwanberg waren nicht oder weniger betroffen.

Auf  dieses „Generationsereignis im fränkischen Weinbau“ mussten wir reagieren, alle erhal-tenen Triebe sichern und außerdem unsere Hoffnungen auf die sog. Beiaugen setzen.

Zum Glück waren die erst spät gepflanzten Jungreben unserer Wiederanpflanzungen am Würzburger Pfaffenberg und am Iphöfer Kronsberg noch nicht so weit ausgetrieben.

Der weitere Witterungsverlauf in den fränkischen Weinbergen war in den Monaten Juni und Juli von überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen geprägt. Die in der vorausgegangenen Frühjahrstrockenheit reduzierten Bodenwasserkapazitäten wurden wieder gut aufgefüllt. Die Temperaturen schwankten überdurchschnittlich. Kritische Winzer befürchteten bereits eine Wiederholung des feuchten und schwierigen Vorjahressommers 2010. Durch den recht-zeitigen Regen im Juni und Juli entwickelten sich andererseits die sogenannten Beiaugen, die schlafenden Augen aus dem Altholz der Rebstämme, sowie die Trauben der dritten Ge-neration (Geiztriebtrauben) recht gut. Dies verführte zu einem kuriosen Erscheinungsbild in den Weinbergen mit z. T. drei unterschiedlichen Entwicklungsstadien an einem Rebstock. Damit war die Vorlage für eine sehr arbeitsaufwändige und mehrmalige selektive Lese gege-ben.

In unserem Volkacher Karthäuser an der Mainschleife ereilte uns gleich zwei Hagelschläge mit zusätzliche Schäden um die 50 % bei den verbliebenen Augen. Selbst das sollte die Hoffnungen auf einen vielleicht doch noch auskömmlichen Weinherbst im Juliusspital nicht trüben, schließlich galt die Parole: „Alle unsere Anstrengungen gelten der Sicherung jeder einzelnen guten Traube“.

Obwohl der Juli durchschnittlich um rund 2° C kühler ausfiel als der langjährige Durchschnitt, kamen die Reben gut voran. Bereits Ende Juli wurden Beeren von Frühsorten wie Bacchus und Müller-Thurgau weich, „gingen in den Wein“, und die ersten Rotweinsorten färbten sich schon; ein deutliches Signal für eine sehr frühe Weinlese.

Ab Mitte August beschleunigte eine durchwegs trockene und warme Witterung die weitere Entwicklung an Reben und Trauben. Somit war die Aussicht auf einen mengenmäßig zwar immer noch reduzierten, aber in der Qualität ausgezeichneten Jahrgang sehr günstig. Dank der moderaten Niederschlagsmengen und der Abtrocknung in den Weinbergen blieb ein Be-fall mit Botrytis aus. Die Lese im Weingut Juliusspital startete schließlich am 12. September und ein „goldene September“ wurde von einem brillanten Oktober noch einmal übertroffen.

Die Frühsorten lieferten im gehobenen Qualitätsweinbereich und im unteren Prädikatswein-bereich sehr gesunde, filigrane und duftige Weine für ein frisches Einstiegssortiment. Die Säurewerte lagen im optimalen Bereich.

Die Ernte der Rotweinsorten setzte schließlich am 19. September bei sehr gesundem Lesegut und ordentlichen Mostgewichten ein. Es folgten eine gute Woche später Sorten wie Silvaner, Burgunder, Traminer und andere.

Mitte September fielen zwar noch einmal leichte Regenmengen zwischen 15 und 30 mm/m², aber diese sollten den weiteren Verlauf der Weinlese nicht nachteilig beeinflussen. Die nächsten zweieinhalb Wochen waren von angenehmen bis sehr warmen Temperaturen um 20° bis 25° C geprägt.

Die Weinberge am Schwanberg, die klassischen Steillagen und vor allen Dingen der Silvaner waren die Gewinner der Ernte 2011 im Weingut Juliusspital. Bei durchweg gesundem Lesegut ernteten wir dort ausschließlich Prädikatsweine. Die Mostgewichte lagen häufig über 90° und zum Teil sogar über 100° Oechsle. Riesling, Weißer Burgunder, Traminer u.v.a. Rebsorten wollten nicht viel hinten anstehen.

Der trockene Herbst bot natürlich auch ideale Voraussetzungen für Spezialitäten wie Beeren- und Trockenbeerenauslesen in guter Sortierung über die Rebsorten Silvaner, Riesling, Weißer Burgunder und Rieslaner. Eine weitere Besonderheit des Jahres 2011 war die schließlich reduzierte, aber erstmalige Lese der Trauben aus der sog. „2. Generation“. Durch die hervorragende Entwicklung im Oktober gelang es, selbst mit diesen Trauben ordentliche Mostgewichte bei gesundem Lesegut zu ernten. Am 18. Oktober schließlich fuhr am Iphöfer Julius-Echter-Berg die hoch gefeierte „letzte Fuhre“ Silvaner ins Kelterhaus nach Würzburg.

Und somit reichte die Palette der Mostgewichte von 75° Oechsle für einen Müller-Thurgau im Einstiegsbereich von 75° Oechsle bis 196° Oechsle für einen Rieslaner trocken Beerenaus-lese aus unserem Randersackerer Pfülben.

Die 2011er Jungweine präsentieren sich sehr frisch, ungemein reintönig, fruchtig mit einem harmonischen Säurespiel.

Bei Silvaner, Weißem Burgunder und Riesling können sich die Weinfreunde auf schöne, fein-fruchtige Kabinett- und Spätleseweine freuen. Sie zeigen eine sehr schöne Balance auf Zun-ge und Gaumen. Die ersten werden schon Anfang nächsten Jahres zur Verfügung stehen.

Selbstverständlich haben wir wieder aussichtsreiche Kandidaten für unsere Großen Ge-wächse des Jahrgangs 2011. Eine hohe physiologische Reife, niedrige Erträge und ein idea-les Analysenbild der Weininhaltsstoffe bestätigen die euphorischen Einschätzungen unserer Kellermeister für die Großen Gewächse der Rebsorten Silvaner, Riesling und Weißer Bur-gunder.

Mit kleinen Mengen, sozusagen als Sortimentsschmücker, gibt es auch bei Traminer und Muskateller sehr feingliedriges, fruchtiges und aromatisches mit einem Hauch von Exotik.

Nach einem erschreckenden Auftakt also fand der Weinjahrgang 2011 im Juliusspital ein in der Qualität hervorragendes und in der Menge noch versöhnliches Ende.