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Jahrgangsbericht 2009 des Weingutes Juliusspital Würzburg Fest im Griff hatte Väterchen Frost Franken in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres. Die Thermometer zeigten in unseren Weinbergen Temperaturen zwischen minus 18° C und minus 22° C an. Dies wird in der Regel von den Reben bis zu minus 18° C ohne nennenswerte Schäden vertragen. Allerdings ist die Rebsorte, der Wuchs- und der Reservezustand des Stocks ebenso von Bedeutung wie die Schnelligkeit und die Feuchtigkeit mit der die Kälte auf die „Augen“, also die Rebenknospen, einwirkt. Erste Augenschnitte gaben ein sehr unterschiedliches Bild: Von keinen Schäden bis hin zu 30 % an den Hauptaugen berichteten unsere Weinbergsmeister. Lange mussten unsere Winzerinnen und Winzer draußen in den Weinbergen auf eine günstige Witterung für die mit Beginn des Frühjahrs anstehenden Arbeiten warten. Sogar der März blieb mit tiefen Nachttemperaturen und nur ganz wenig frühlingshaften Tagestemperaturen hinter den Erwartungen zurück. Das Blatt wendete sich jedoch schlagartig am 01. April und eine sonnige, milde bis teilweise sehr warme Großwetterlage ließ die Weinberge ergrünen. Temperaturen zwischen 20°-25° C bescherten uns nicht nur ein wunderschönes Osterwetter, sondern den Reben auch eine zügige Entwicklung. Die reichlichen Niederschläge zwischen 30 bis 45 l/m² füllten die Bodenwasservorräte wieder gut und reichten unter unseren Begrünungen lange aus. Die meisten unserer Rebanlagen befanden sich Anfang Mai bereits im Drei-Blatt-Stadium, und "schimmerten" grün aus den Weinbergen. Das ist schon immer ein gutes Zeichen für einen ausgezeichneten Jahrgang gewesen! Der Knospenaustrieb zeigte, dass die angenommenen Schädigungen durch den Winterfrost doch nicht so stark waren, wie wir ursprünglich befürchteten. Das freute uns natürlich. Anfang Mai hatten die Reben einen mächtigen Satz nach vorne gemacht. Mittlerweile entfalteten sich je vier bis sieben Blätter an den jungen Trieben. Die Niederschläge der vorangegangenen Woche hätten ruhig etwas ergiebiger sein dürfen, aber wir waren auch nicht unzufrieden. Weiterhin war mit einem zügigen Wachstum zu rechnen. Etwas sorgenvoll schauten wir jeden Tag unsere jungen Triebe an. Wir fürchteten, dass die im Vorjahr aufgetretenen massiven Chloroseschäden (Vergilbung der Blätter und Triebe) erneut greifen könnten. Gerade den Silvaner hatte es im letzten Jahr, insbesondere auf unseren Muschelkalk-Standorten kräftig erwischt. Deshalb ließen wir jetzt gerne unsere Begrünungen etwas höher wachsen, denn die Wurzeln dieser sog. Gründüngung sorgten gleichzeitig als Grobporenvolumen für eine spätere gute Durchlüftung des Bodens. Das Konzept ging voll auf und unsere Weinberge dankten es mit einer großen Vitalität. Die kühle Witterung der ersten Maiwochen hatte das Wachstum zwar verlangsamt aber kräftigen Niederschläge füllten die Böden gut auf. Angenehme Temperaturen in den letzten Maitagen brachten unsere Reben gut voran und an ganz besonders warmen Standorten waren Mitte Mai die ersten Blütenkäppchen schon abgeworfen. Die endlich wärmeren Temperaturen Mitte Juni beschleunigten den Fortgang der Blüte bzw. die Beerenentwicklung, teilweise hatten die Beeren schon die Größe von Stecknadelköpfen. Die Blüte zog sich durch die verhaltene Witterung ziemlich lange hin. Dies wirkte sich positiv auf die Entwicklung der Trauben aus. Wir verzeichneten nur leichte Traubenverrieselungen, die uns keine gravierenden Ertragsverluste, sondern nur eine lockere und damit gesündere Traube während der Reifephase versprachen. Der Juni verabschiedete sich mit schwül-warmer Witterung. Diese sehr wuchsfreudigen Bedingungen sorgten für eine schnelle Beerenentwicklung und ein kräftiges Geiztriebwachstum. In unserer Paradelage, dem Würzburger Stein, hatten wir in den heißesten Standorten schon Anfang Juli den Beginn des Traubenschlusses. Das ist der Zeitpunkt, an dem die Beeren schon so groß sind, dass sie dicht beieinander liegen und das Stielgerüst nicht mehr zu sehen ist. Am 21. Juli waren wir für die ersten konkreten Ertragsberechnungen in den Weinbergen. Die Herren Kellermeister begleiteten uns gerne - um ja nichts anbrennen zu lassen. Mit sensationellen 80 -100 Litern Regen pro m² im Juli wurden die Böden weiterhin gut durchfeuchtet. Die Reben wuchsen zügig weiter obwohl die Temperaturen nicht immer dem Kalender entsprachen. Die Trauben waren gleichmäßig in der Laubwand verteilt und unsere Weinbergsmeister hatten die Traubenzone bereits schön entblättern lassen. Dies hatte den Vorteil, dass die Trauben gegen Botrytis-Pilz, Essigfäule und sonstige Attacken gut abhärten konnten. Bei guter Witterung bekamen unsere Weinberge auch wieder richtig schön Farbe, nachdem die Chlorose einige Wochen vorher noch etwas zu sehen war. Mit großen Schritten näherten wir uns Ende Juli dem Reifebeginn. Erste weiche Beeren waren bei den frühen Sorten, wie z.B. dem Müller-Thurgau, zu finden. Frühburgunder und Regent färbten sich bereits. Der Reifevorsprung gegenüber dem langjährigen Mittel betrug immerhin ca. 11-12 Tage. Dies entsprach in etwa dem Vorsprung der letzten Jahre. Im Vergleich mit dem 10 Jahres-Durchschnitt waren wir voll dabei - und die waren ja bekanntlich auch „nicht schlecht“. In den letzten Augustwochen hatten wir einen geradezu rasanten Reifezuwachs der Beeren. Das sprach für eine frühe Lese. Die Entwicklung in den Weinbergen zeigte sich Mitte September sehr erfreulich. Da wir auch weiterhin eine stabile Wetterlage und nur ganz kleine Störungen erwarteten, war ein überstürztes Handeln nicht notwendig. Der Gesundheitszustand unserer Trauben war sehr gut bis ausgezeichnet und die frühen Sorten kamen langsam, aber sicher in die Vollreife. Einen Wermutstropfen gab es jedoch: Durch die geringen Niederschläge in den vorausgegangenen Wochen waren die Beeren noch relativ trocken und die Fruchtfleischauflösung erfolgte nur sehr zögerlich. Das bedeutete für uns zwar sehr gute Qualitäten, aber eben auch einen geringeren Ertrag. Letztendlich waren wir zuversichtlich. Selten hatten wir eine so schöne, einheitliche Reife und so gesunde Trauben in dieser Bandbreite gesehen. Knall auf Fall begannen wir am Dienstag, dem 22. September mit der Ernte. Aufgrund der anhaltend trockenen und stabilen Schönwetterlage ging die Weinlese auch mit schnellen Schritten voran. Silvanerweine gab es nicht unter 88° Oechsle und mit steigender Tendenz zu höheren Qualitäten. Die Kellermeister stöhnten unter der schweren Pressbarkeit des Silvaners. Ein Pressendurchgang dauerte bei schonender Behandlung und mit Handsteuerung etwa 4-5 Stunden. Draußen hingegen verwöhnten trockene Bodenverhältnisse, eine wunderbare Lesewitterung mit nicht zu heißen Temperaturen und eher kühlen Nächten die Weinbergsmeister. Mit durchwegs reifen und gesunden Beständen und den angesagten weiteren zwei Wochen Schönwetter für den unterfränkischen Raum konnten die Weinbergsmeister jetzt die einzelnen Weinpartien gerade nur so herauspicken. Bei Spitzenweinen wie den Großen Gewächsen oder auch unseren trockenen Traminern setzten wir jetzt noch auf einen kleinen "Rosineneffekt", d.h., die Beeren verdunsten Wasser über ihre Beerenhaut. Das führt zu kleineren, schrumpeligen Beeren mit einer erhöhten Konzentration aller Inhaltsstoffe ohne Botrytispilzeinfluss. Wir hatten so etwas schon in den Jahren 1990 und 1993 und konnten uns später an den ausgezeichneten Weinen erfreuen. Natürlich gibt es gute Qualitäten nicht umsonst, unsere Mengenerwartungen waren bei den frühreifen Sorten leicht unterschritten und bei den mittleren Sorten, insbesondere beim Silvaner, weit unter unseren Ertragsschätzungen im Sommer. Aber wir wollen nicht klagen, schließlich trösteten uns hervorragende Mostgewichte, harmonische Säurewerte und völlig gesundes Lesegut über eine kleinere Erntemenge hinweg. Die Großen Gewächse und viele andere Premiumweine, wie z.B. ein hervorragender Traminer oder auch ein wunderbarer Muskateller aus der Würzburger Abtsleite, sicherten wir schnell. Schon die Traubensäfte schmeckten wunderbar aromatisch und frisch. Jetzt kam bereits die erste Vorfreude auf den späteren Wein auf. Am 16. Oktober hatten wir es geschafft! Eine bunt geschmückte Silvaner-Fuhre mit grandiosen 105° Oechsle aus der Weinlage Randersackerer Marsberg war bei ausgelassener Stimmung aller Weinleser und gegen 12:00 Uhr der glänzende (vorläufige) Abschluss eines phantastischen Weinherbstes mit vielen markt- und mundgerechten Weinen. Auch von den Temperaturen her war es nicht ohne: Von 27° C im Oktober bis hart an die Frostgrenze in den Morgenstunden der letzten Lesetage war die ganze Bandbreite von Temperaturen an den 21 Lesetagen drin. Soweit die Produktion im Weinberg, -nun gibt es Fakten, Fakten, Fakten: Weinlese im Juliusspital vom 17.09.2009 bis 16.10.2009, 21 Lesetage Mostgewichte von 83° bis 150° Säure von 3,5 ‰ bis 9,8 ‰ 100 Prozent Prädikatswein Durchschnittlicher Ertrag 6500 Liter pro Hektar Der Jahrgang 2009 wird ein sehr guter bis ausgezeichneter Weinjahrgang werden. Gewiss, ob aus einem tüchtigen Schüler auch ein ordentlicher Mensch wird, bleibt auch bis zum Schluss offen. Der Jahrgang 2009 im Juliusspital jedenfalls hat die besten Voraussetzungen auch weiter seinem Ruf gerecht zu werden. Zu den geschilderten Vorzügen wie Mostgewichte, Säurewerte, guter Beerenreife für aromatische und exotische Noten kommen auch noch die geringen Erträge und die gute Wasserversorgung im Sommer hinzu. Dies alles sorgt für eine gute Balance und eine komplexe Mineralität der Weine. Unsere Kellermeister kommen ins Schwärmen beim Beschreiben des Jahrgangs. Die Weine werden fruchtig, sehr sauber, kräftig und gut balanciert, so die erste Expertise aus dem Keller für den markt- und mundgerechten Jahrgang. Der Jahrgang ist so gut, dass es schwer fällt zu differenzieren. Zu gut sind auch die einfachen Qualitäten, die Gutsweine, zu kraftvoll unsere Lagenweine und zu zahlreich unsere Premiumweine, die Großen Gewächse, und die aromatischen Größen wie Traminer etc. Mit diesen Weinen werden wir die Erfolgsserie unserer Weine sicher fortschreiben können, so wie kürzlich mit dem Bundesehrenpreis anlässlich der Bundesweinprämierung 2009. Oder mit den Großen Gewächsen. Von diesen sind in der Vinum Ausgabe November 2009 fünf Große Gewächse des Juliusspitals in der fränkischen Spitzengruppe genannt und ein 2008 Iphöfer Julius- Echter-Berg Silvaner erreichte die höchste Punktzahl aller fränkischen Weine. |