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Weinbaujahr 2008 wieder 1,3 Celsius wärmer als der Durchschnitt. Bei der Er-tragsregulierung eine gefährliche Gratwanderung, und bei der Weinlese zählte jede Stunde! Nach einem wiederum relativ warmen, schneearmen Winter – die Temperaturen fielen nur zweimal auf etwa -7° C – hatte Franken in den ersten Frühjahrsmonaten sehr viel Niederschlag. Allein im April regnete es je nach Standort teilweise über 100 Liter auf den Quadratmeter. Trotzdem gab es im Frühjahr 2008 genügend milde Tagestemperaturen über 15° C und gleichzeitig relativ milde Nächte mit einer langsam aber sicher einsetzenden Vegetation in unseren Weinbergen. Anfang Mai folgte dann ein sehr gleichmäßiger und zügiger Knospenaustrieb, begleitet von frühsommerlichen Temperaturen um die 20° C. Die ausgeprägte Früh-Sommertrockenheit von Mitte bis Ende April und den ganzen Mai hindurch haben unsere Weinberge, die noch von den guten Bodenwasservorräten zehren konnten und die noch relativ wenig Triebmasse zu versorgen hatten, gut überstanden. „Mai kühl und nass, füllt dem Bauer Scheuer und Fass.“ Lautet eine durchaus bewährte Bauernregel, die für unser Weingut schon ein Vorzeichen für die kleinere Weinernte 2008 sein sollte. Der Mai präsentierte sich nämlich im weiteren Verlauf sehr trocken. Vielerorts regnete es weniger als fünf Liter pro m², in manchen Ecken Frankens fiel kein einziger Regentropfen. Die anhaltend trockene Witterung ließ die fränkischen Reben zügig weiterwachsen, mit der Folge, dass in unseren guten Weinbergslagen die Blüte bereits Anfang Juni einsetzte. Eine signifikante Erscheinung des Klimawandels ist der Abstand zwischen Austrieb und Blüte. Dieser verkürzt sich in Franken spürbar und erklärt auch heuer die frühe Weinlese und die gute Qualität des 2008ers: Langjährige Norm/ Durchschnitt: 52 Tage vom Austrieb bis zur Blüte, Supersommer 2003: 42 Tage, Weinbaujahr 2008: 35 Tage !!! Obwohl sich die Blüte je nach Lage noch bis zu zwei Wochen hinzog, kam es kaum zu größeren Verrieselungen. In den frühen Lagen und bei frühen Sorten war die Blü-te am 10. Juni so gut wie abgeschlossen. Die meisten anderen Weinberge zogen unverzüglich nach. In Randersacker und in Bürgstadt hatten wir genügend Regen. Am letzten Maiwochenende hat uns in Bürgstadt und in Thüngersheim der Hagel er-wischt. Besonders getroffen hat es unsere Bürgstadter Mainhölle, wo innerhalb von 30 Minuten ca. 45 l Regen pro m² gefallen sind. Taubeneigroße Hagelkörner haben ca. 30-40 % aller Reben abgeschlagen und die Ertragsaussichten damit deutlich re-duziert. Nicht weniger schlimm waren die großen Abschwemmungen bzw. Erosions-schäden in den Weinbergszeilen. Ebenso war Dettelbach im Juli von Abschwemmungen und Hagel betroffen. Die Triebe und Beeren wuchsen in den meisten Weinbergen sehr stark. Bis dahin war nur bei jüngeren Anlagen und etwas flachgründigeren Böden die Austrocknung zu spüren. Leider waren auch die gewittrigen Niederschläge Mitte Juni sehr unterschiedlich und wenig ergiebig. Die Beeren in den günstigen Standorten waren Ende Juni schon so weit gewachsen, dass die Trauben „in den Hang gingen“. Diesem phänologischen Ereignis folgte auch schnell der Traubenschluss. Eine in Franken schon sehr lange bekannte, in den vergangenen Jahren jedoch et-was zurückgetretene Ernährungskrankheit, die Eisenmangelchlorose hat uns im Weinbaujahr 2008 sehr große Sorgen bereitet. Vor allem bei der Rebsorte Silvaner – und wir haben davon ja sehr viel – zeigte sich diese Vergilbung des Blattwerks, insbesondere auf den muschelkalkreichen Standorten sehr deutlich. Doch auch andere Sorten wie Müller-Thurgau, Riesling oder auch Scheurebe waren betroffen. Trotz der Trockenheit im Juni und Juli ging die Rebenentwicklung weiter. Erste Verfärbungen bei Rotweinsorten wie Regent und Spätburgunder und glasige Beeren beim Weißwein konnte man schon Ende Juli beobachten. Einerseits mussten wir gerade im Würzburger Raum auf den trockenen Standorten die „Rebenmotoren“ am Laufen halten, andererseits wussten wir natürlich von den noch offenen Gefahren wie Hagel, Sonnenbrand, Aufquellen und Aufplatzen der Beeren oder andere mögliche Unbilden des restlichen Weinbaujahres. Der September brachte schließlich mit insgesamt 80 mm Niederschlag am Standort Würzburg die entscheidende Wende. Doch ist nicht nur die Trockenheit gewichen, auch die Trauben haben an Größe und natürlich an Mostgewicht deutlich zugelegt. Die mäßig warmen Tage und die eher kühlen Nächte waren gut für die Aromenbildung und für den Gesundheitszustand der Beeren. Gleichzeitig verzögerte sich der Lesebeginn bis zum 16. September. Während der Lese schließlich zählte jede Stunde.Heute können wir mit Fug und Recht behaupten, die Gratwanderung ist uns gelungen. Unser heuriges Ergebnis ist zwar klein, aber piekfein. Na ja, die Menge hätte wirklich ein bisschen mehr sein dürfen! Aber wir freuen uns über das, was wir haben: Frische, fruchtige, anregende Gutsweine mit exotischen Noten im Kabinettbereich bzw. im gehobenen Qualitätsweinbereich formen das attraktive Einstiegssegment. Sie sind Weine für jeden Tag aber wesentlich mehr als „Alltagsweine“. Gut balancierte, ebenfalls sehr fruchtige und pikante Lagenweine vom Kabinett bis zur Spätlese. Ganz wichtig für uns sind die gelungenen und am Markt etablierten Lagenweine in Kabinettqualität. Sie haben heuer viel Spiel. In der Spitze darüber die markanten, mineralischen und sehr gut strukturierten Großen Gewächse und Premiumweine, die sich unsere Weinbergsgruppen heuer hart erarbeiten mussten. Große Gewächse mit deren Qualitäten, Bouquet und Mineralität wir uns jedoch wieder den anspruchsvollen Vergleichsproben stellen können. Alles in allem macht es bereits jetzt viel Freude beim Rundgang durch den Keller, die feinen Fruchtaromen aufzunehmen. Und für die Freunde harter Zahlen und Fakten noch einige Details: Lese vom 16. 09. 2008 bis 20. 10. 2008
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