Julius-Blog

05.12.2018

Wir ziehen vor die Tore der Stadt

Gedanken auf dem Weg zum Weihnachtsfest - Zweiter Advent

Er ist entschlossen, Wege zu gehen, die keiner sich getraut.

Er wird zu den Verstoßenen stehn, wird nicht nach anderer Urteil sehn.
GL 225, 2

Gebet des Klosters am Rande der Stadt

Jemand muss nach dir Ausschau halten – Tag und Nacht
Wer weiss denn, wann du kommst.
Silja Walter

Sind wir offen für diese Stimmung, die uns das adventliche Lied vermitteln möchte? Es wird kein romantischer Frohsinn geweckt, sondern eher an die Verantwortung und die Umsicht des Menschen erinnert. Dieser kommende Herr geht Wege, die keiner sich traut zu gehen. Papst Franziskus gibt uns mit seinen Besuchen bei den Menschen am Rande der Gesellschaft ein eindeutiges Vorbild.

Sehr bewegend sind diese Bilder von Menschen, die aus unterschiedlichen Gegebenheiten keinen Anteil an der Gesellschaft haben und doch mit Begeisterung aus diesen Begegnungen herausgehen. Jesus selbst fischt eher am Rand und nicht in den Palästen. Er ist dort zu erkennen, wo keiner sich getraut hinzugehen. Das mag sogar ein Weg sein, vor dem sich mancher graut.

Die Benediktinerin Silja Walter fordert mit den Versen ihres Gedichts auf, gerade diesen Herrn im Alltag zu erkennen. Er wird sich nicht so leicht finden lassen. Um ihn entdecken zu können, muss man hellwach sein – Tag und Nacht. Bisweilen scheint es jedoch so, dass die wartende Haltung des Christen heute eingeschlafen ist. Eine der ersten Grundhaltungen des Christen heute sollte die Wachsamkeit sein. Für den wachen Christen ist es selbstverständlich, engagiert und verantwortungsbewusst im Alltag zu handeln. Dort mit dem Aufbau der Gesellschaft zu beginnen, wo Unsicherheit regiert, Ängste vorherrschen und mangelndes Interesse ein Kennzeichen der Menschen ist, wo oft alles negativ betrachtet wird.


Während das Lied eher zu einer aktiven Teilhabe am Leben ruft, sind die Worte aus dem „Kloster am Rande der Stadt“ als eine Einladung zu verstehen, einen Ort, einen Raum und Zeit zu finden für eine ganz intensive persönliche Haltung des Wartens – für den Advent.


Eine gesegnete zweite Woche der adventlichen Einstimmung!

Pfarrer Bernhard Stühler
Pfarrei St. Kilian
Stiftung Juliusspital Würzburg

 

 

 

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