Julius-Blog

28.11.2018

Wir ziehen vor die Tore der Stadt

Gedanken auf dem Weg zum Weihnachtsfest - Erster Advent

Wir ziehen vor die Tore der Stadt. Der Herr ist nicht mehr fern.

Sing laut, wer eine Stimme hat! Erhebt die Blicke, wer schwach und matt!
GL 225

Gebet des Klosters am Rande der Stadt

Jemand muss zuhause sein, Herr, wenn du kommst.
Jemand muss dich erwarten unten am Fluss vor der Stadt.
Silja Walter

Zwei sehr unterschiedliche Texte dienen als Anregung, durch die adventliche Zeit zu gehen.

Da ist zunächst das Lied „Wir ziehen vor die Tore der Stadt“, das im Gotteslob als Gesang für die Adventszeit zu finden ist. Der Text des Liedes fordert auf, die gemütliche Ruhe des Wohnzimmers zu verlassen und hinaus zu gehen vor die Tore der Stadt, dorthin wo es ungemütlich, kalt und grau ist.

Das adventliche Motiv redet von Menschen, die es hinausdrängt, um dem Herrn entgegen zu gehen. Vor allem denen gilt das Kommen des Herrn, die sich nicht selber helfen können. Im Lied werden sie schwach und matt beschrieben. Somit soll unsere Aufmerksamkeit denen gelten, die auch in unserem Umfeld schwach, krank, hoffnungslos und sorgenvoll leben. Es sind Menschen, denen wir im familiären und privaten Umfeld zur Seite stehen, oder im gesellschaftlichen Leben und im Alltag des Arbeitslebens begegnen.

Voller Spannung hört sich dagegen das Gedicht der Schweizer Benediktinerin Silja Walter an! Gleich die ersten Zeilen fordern auf zuhause zu sein, wenn der Herr kommt. Auch die Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt der Ankunft muss ausgehalten werden. Die Haltung des Ausschauhaltens kennzeichnet den adventlichen Menschen.

Dabei ist dieser Kommende erkennbar „durch die Gitter deiner Worte, deiner Werke, durch die Gitter der Geschichte, durch die Gitter des Geschehens, immer jetzt und heute in der Welt“. Es ist eine beeindruckende Umschreibung für die Haltung des adventlichen Menschen, in der Spannung oder auch in den Kontrasten des alltäglichen Lebens den Weg zu entdecken, der hinführt zum Nächsten. Zugleich öffnen sich dadurch die Tore der Stadt, die Tore des eigenen Lebens für den Mehrwert des Daseins. Beide Texte laden ein, die innere Haltung des Lebensgefühls achtsam, sensibel und hoffnungsvoll zu gestalten.

Einen gesegneten Start in diese adventlich – heilvolle Zeit!


Pfarrer Bernhard Stühler
Pfarrei St. Kilian
Stiftung Juliusspital Würzburg

 

 

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