Übernahme durch die Stiftung Juliusspital
Die Vogelsburg in Volkach-Escherndorf, Franken, ist ein weithin bekannter, historisch, kulturell und landschaftlich besonderer Ort der Begegnung, der Spiritualität und des ökologischen Weinbaus, der bis in das Jahr 906 zurückreicht und der in den vergangenen 50 Jahren von der Gemeinschaft der Augustinusschwestern geprägt wurde.
Zur Vogelsburg gehört neben einer aktiv gepflegten Kirche und neben Weinbergen auch ein Gastronomie- und Hotelbetrieb (Gasthaus und Burggebäude) in einer der schönsten Wein- und Tourismuslandschaften Deutschlands. Die Vogelsburg liegt mit ihrer sehr günstigen Nah- und Fernverkehrsanbindung in attraktiver Lage zu (wein-)touristischen Oberzentren Frankens.
Zum 01.01.2011 überträgt die Gemeinschaft der Augustinusschwestern die Vogelsburg bei Volkach als Einheit auf die Stiftung Juliusspital Würzburg. Das Juliusspital wird den von den Augustinusschwestern geprägten Geist an diesem historisch, kulturell und landschaftlich besonderen Ort bewahren. Sie wird die Vogelsburg als erkennbare Einheit, als Ort der Spiritualität und der Begegnung erhalten, insbesondere auch durch Erhaltung der Gebäude und Fortführung einer lebendigen Liturgie in der Kirche „Mariä Schutz“. Zusätzlich hat sich die Stiftung Juliusspital konkret verpflichtet, den auf der Vogelsburg lebenden fünf Augustinusschwestern ein Wohnrecht auf Lebenszeit im sog. Konventbau einzuräumen und sie bei Pflegebedürftigkeit zu versorgen.
Die Gemeinschaft der Augustinusschwestern, eine Drittordensgemeinschaft, die nach den Regeln des heiligen Augustinus lebt, hat seit 1957 ein geistliches Zentrum auf der Vogelsburg bei Volkach etabliert und ist seit 1964 Eigentümerin der Anlage. Sie betreibt dort seither eine Gaststätte mit Beherbergungs- und Tagungsbetrieb sowie ökologischen Weinbau und unterhält eine Kirche. Aufgrund der Altersstruktur der auf der Vogelsburg lebenden Schwestern und angesichts des fehlenden Nachwuchses ist die Schwesterngemeinschaft Ende des Jahres 2009 auf die Leitung der Stiftung Juliusspital mit der Frage zugekommen, ob seitens der Stiftung Juliusspital Bereitschaft zur Übernahme der Vogelsburg bestehe. Der daraufhin gemeinsam erarbeitete Überlassungsvertrag wurde vom Schwesternrat der Augustinusschwestern in seiner Sitzung am 02. 08. 2010 beschlossen. Schwester Hedwig Mayer, die Priorin der Augustinusschwestern und 1. Vorsitzende der Gemeinschaft der Augustinusschwestern e.V., ist voll des Lobes über die Vertragsverhandlungen: „Ich kann mich nur für die sehr fairen und in der Atmosphäre stets angenehmen Gespräche und Verhandlungen mit der Stiftungsleitung des Juliusspitals bedanken, die uns diesen schwierigen Schritt erleichtert haben. Meine Mitschwestern und ich sind sicher, dass die Übergabe in diesem Sinne positiv verlaufen wird.“
Das Oberpflegamt der Stiftung Juliusspital, also das oberste Entscheidungsgremium der Stiftung unter Vorsitz von Oberpflegamtsdirektor Walter Herberth, hat dem Vertrag in der Sitzung am 04.08.2010 zugestimmt. „Wir sehen in der Vogelsburg ein kleines Abbild unserer Gesamtstiftung. Dort wurden in den vergangenen fünf Jahrzehnten auf wirtschaftlicher Basis der Weinberge und der Gastronomie ideelle Ziele im Sinne der Augustinusgemeinschaft verfolgt. Die Aktivitäten unserer Stiftung auf Grundlage des Auftrages von Julius Echter sind damit dem Grunde nach durchaus vergleichbar“, äußert sich Walter Herberth zur Entscheidung der Stiftung und ergänzt: „Wir haben Hochachtung vor der enormen Leistung, die die Schwestern über viele Jahre auf der Vogelsburg erbracht haben. Das Angebot der Schwestern, die Vogelsburg zu übernehmen, haben wir nach intensiver Prüfung daher gerne angenommen.“
Bis zur endgültigen Übergabe werden die Augustinusschwestern den Betrieb auf der Vogelsburg in gewohnter Weise fortführen. Und nach der Übernahme wird die Stiftung Juliusspital Würzburg die Tradition der Begegnung und des Austauschs im Sinne der Augustinusschwestern ohne Unterbrechung fortsetzen. Den Gaststätten- und Hotelbetrieb soll ein Pächter im Auftrag der Stiftung Juliusspital führen. Gemeinsam mit diesem wird die Stiftung dann ein Konzept erarbeiten, wie der Gastronomiebetrieb zukunftsweisend unter dem Motto „Gastfreundschaft auf der Vogelsburg“ in eine gute Zukunft geführt werden kann.
Die Weinberge wird das Weingut der Stiftung Juliusspital im Sinne der Schwestern weiter bewirtschaften. Seit Jahrzehnten betreiben die Augustinusschwestern an der Vogelsburg ökologischen Weinbau getreu dem Schöpfungsauftrag „die Erde zu bebauen und sie so zu bebauen, dass sie bewahrt wird“. Die Schwestern können zu Recht als Pioniere des Öko-Weinbaus in Franken bezeichnet werden. Schon frühzeitig wurde die heute meist übliche Begrünung der Flächen praktiziert. Aufgrund persönlicher Erfahrungen der im Weinbau tätigen Schwester kamen seit 1964 Insektizide und Herbizide nicht mehr zum Einsatz. Diese Erfahrungen waren auch Auslöser dafür, seit dieser Zeit Bodenanalysen zu erstellen, um Nährwerte und Altlasten in den Böden zu erkennen, entsprechend der Aussage von Justus von Liebig: „Der Boden ist die Quelle aller Güter und Werte“. Der Weinbau wurde von den Augustinusschwestern stets als Kulturauftrag angesehen entsprechend dem biblischen Schöpfungsauftrag.

Priorin Schwester Hedwig Mayer und Oberpflegamtsdirektor Walter Herberth sind sicher, dass die für den Jahreswechsel vereinbarte Übertragung der Vogelsburg auf die Stiftung Juliusspital ein zukunftsweisender Schritt für die Erhaltung der Gesamtanlage ist.
Die Stiftung Juliusspital als neue Eigentümerin ist eine der ältesten Stiftungen Frankens. Mit der Vielfalt ihrer Tätigkeitsfelder als operative Stiftung hat sie in der Gesamtkonstellation Seltenheitswert in Deutschland. Seit 1576 erfüllt sie den Auftrag des Stifters Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn, alte, kranke und notleidende Menschen mit ganzheitlichem Ansatz zu versorgen und zu betreuen. Sie tut dies in einem Schwerpunktkrankenhaus mit 365 Planbetten und hochspezialisierten medizinischen Leistungsbereichen, einem qualitätsvollen Senioren- und Pflegeheim mit 150 Plätzen, einer Psychosozialen Beratungsstelle für Menschen mit Epilepsie und einem ambulanten palliativmedizinischen Dienst. Speziell im Bereich der Palliativmedizin hat sich das Juliusspital in den vergangenen 10 Jahren einen Namen gemacht. In mittlerweile zwei Palliativstationen mit 15 Betten erfolgt die stationäre Versorgung schwerstkranker Menschen. Die Vermittlung des theoretischen Wissens rund um die Themen Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit wird in einer bundesweit beachteten Akademie angeboten. Schließlich leistet die Stiftung seit 2005 auch ambulante Palliativbetreuung an Patienten, die zu Hause versorgt werden können.
Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass das Juliusspital mit der Kirche St. Kilian eine eigene Pfarrei darstellt. Wirtschaftliche Grundlage der Stiftung sind das zweitgrößte Weingut Deutschlands mit 172 ha Betriebsfläche in allen Weinlagen Frankens, ein Forstbetrieb mit 3.300 ha Holzbodenfläche in den Gebieten Gemünden, Hammelburg und Gräfendorf und drei landwirtschaftliche Höfe mit 1.050 ha Anbaufläche.
In allen Bereichen beschäftigt die Stiftung Juliusspital Würzburg aktuell rd. 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.