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Das Ernährungsteam im Juliusspital

Eine adäquate Ernährung ist eine wichtige Voraussetzung für einen guten Gesundheitszustand.
Ziel der klinischen Ernährung ist es, die optimale ernährungsmedizinische Versorgung des Patienten zu gewährleisten, d.h. einer bestehenden oder drohenden Mangel- oder Fehlernährung des Patienten durch aktive Ernährungsintervention entgegen zu wirken.

Zu den Folgen einer Mangelernährung gehören:

  • die Abnahme der Muskelmasse und Eiweißmangel mit Ödemausbildung
  • eine verzögerte Wundheilung
  • eine verschlechterte Immunabwehr und damit ein erhöhtes Infektrisiko.

Ziel ist es Patienten zu jeder Zeit bedarfsgerecht mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen zu ernähren

Verschiedene Methoden der Ernährung stehen zur Verfügung. Neben der spontanen peroralen Nahrungsaufnahme – der Ernährung mit Normalkost – kommt eine perorale Zusatz- oder Kompletternährung mit bilanzierten Diäten (Trinknahrung) oder eine vollständige klinische Ernährung in Betracht. Die klinische Ernährung kann enteral (über den Magen-Darm-Kanal) über Sonden oder parenteral (über Venen) durchgeführt werden. Patienten können heute - auch langfristig – mit allen lebensnotwendigen Nahrungsbestandteilen komplett künstlich ernährt werden. Es ist das Ziel der enteralen und parenteralen Ernährung, Patienten zu jeder Zeit bedarfsdeckend mit Nährstoffen zu versorgen. Zur Erreichung dieses Zieles sind Ernährungsteams hilfreich.

Fakt ist: schnellere Genesung durch eine adäquate enterale Ernährung

Während Ernährungsteams in den USA praktisch schon zum Krankenhausalltag gehören, hat Deutschland relativ spät mit der Bildung von Ernährungsteams begonnen. Anfang 2004 hatten 5,6 % der größeren deutschen Krankenhäuser (> 250 Betten) ein Ernährungsteam, zum Vergleich: Österreich 45 %! In den meisten Krankenhäusern wird demnach zu wenig auf den Ernährungszustand geachtet, obwohl feststeht, dass mangelernährte Patienten eine schlechtere Prognose haben. Beispielsweise kann bei Patienten mit Magen-Darm-Tumoren durch eine adäquate enterale Ernährung (Ernährung über das Magen-Darm-System, also Trink- und Sondennahrung) eine wesentlich schnellere Genesung und damit eine kürzere Krankenhausverweildauer und eine signifikant geringere Infektionsrate erreicht werden. Dies ist nicht nur ein Gewinn für den Patienten, sondern durch Einsparung von Antibiotika und durch die kürzere Verweildauer auch ein Vorteil für das Krankenhaus. In Deutschland sind etwa 27 % aller Patienten mangelernährt, bei den Tumorpatienten sind es 38 % und bei den über 70-jährigen sogar 43 %.

Mitglieder aus unterschiedlichen Berufsgruppen bilden das Ernährungsteam

Die Bildung eines Ernährungsteams erschien also angebracht und wurde im Juliusspital im Jahre 2007 auch realisiert. Da die Klinische Ernährung ein klassisch interdisziplinäres Gebiet darstellt, war klar, dass auch die Mitglieder des Teams aus unterschiedlichen Berufgruppen stammen sollten (Ärzte, Pflegedirektion und Pflegekräfte, Apotheker, Diätassistentin, Küchenleitung, IT-Fachkraft).

Was sehen wir als die Aufgaben unseres Ernährungsteams?

  • Ist-Zustand der parenteralen und enteralen Ernährung erfassen, dokumentieren und Entwicklungsfelder definieren.
  • Erstellen und präsentieren von hausinternen Standards nach den allgemeingültigen Empfehlungen (Leitlinien der Fachgesellschaften) und entsprechende Produktauswahl.
  • Bekanntmachen der Arbeitsgruppe im Krankenhaus; Informationsveranstaltungen.
  • Durchführen von multidisziplinären Ernährungsvisiten (1 mal wöchentlich) und Besprechung von Problemfällen.
  • Hausinterne Schulungen und Informationsveranstaltungen zur Verbesserung der Durchführungsqualität von oralen, enteralen und parenteralen Ernährungstherapien sowie Mischformen.

Zentrale Aufgabe des Ernährungsteams ist die praktische Umsetzung ernährungsmedizinischer Konzepte innerhalb der verschiedenen Disziplinen eines Krankenhauses. Das Ziel ist, medizinisches und Krankenpflegepersonal hinsichtlich ernährungstherapeutischer Maßnahmen zu beraten und zu unterstützen um eine optimale, patientenorientierte Versorgung zu gewährleisten. Die Mitarbeiter des Teams erarbeiten in gemeinsamer Absprache Konzepte zur Etablierung ernährungstherapeutischer Maßnahmen mit dem Ziel, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren, Behandlungsstrategien zu entwickeln und den Therapieverlauf zu verfolgen. Zu den Aufgaben gehören im wesentlichen die Erhebung einer Ernährungsanamnese mit differenzierter Erfassung des Ernährungszustands, die Indikationsstellung für eine ernährungstherapeutische Maßnahme, das Erstellen patientenspezifischer diätetischer Richtlinien und das Monitoring des Therapieverlaufs.

Beschleunigte Genesung des Patienten

Mangelernährung ist ein häufiges Problem in Krankenhäusern. Ihre Bedeutung wird oft unterschätzt. Folgen von Mangelernährung sind:

  • erhöhte Komplikationsgefahr
  • allgemeine Schwäche
  • verzögerte Genesung
  • erhöhtes Dekubitusrisiko (Wundliegen)
  • beeinträchtigte Wundheilung
  • erhöhtes Sturzrisiko
  • erhöhtes Risiko für Knochenbrüche

Betroffene Patienten leiden also unter erhöhter Morbidität und Mortalität, was zudem eine verminderte Lebensqualität und erhöhte Kosten zur Folge hat.

Die Etablierung eines interdisziplinär arbeitenden Ernährungsteams trägt nachweislich zu einer Verbesserung der ernährungstherapeutischen Versorgung von Patienten bei, da eine bestehende Mangelernährung früher erkannt wird und es daher auch früher zu geeigneten Gegenmaßnahmen kommt. Diese führen zur Verbesserung der körperlichen und geistigen Funktionen und dadurch letztlich auch zu einer beschleunigten Genesung des Patienten