Kellermeister Benedikt Then geht nach 47 Jahren in Rente

„Ohne mein Team wäre ich nichts geworden“, erklärte Kellermeister Benedikt Then, sichtlich bewegt, bei seinem Abschied am Mittwochnachmittag in der Zehntscheune des Juliusspitals, den seine Kollegen unter der Leitung von Weingutsleiter Horst Kolesch für ihn ausgerichtet hatten. Nach 47 Jahren im Spital zog sich der 61-Jährige in den verdienten Ruhestand nach Sommerach zurück und war überrascht und selbst beeindruckt von den Erfolgen, die Oberpflegamtsdirektor Walter Herberth in seiner Laudatio auf den „dienstältesten Juliusspitäler“, aufzählte. Herberth hatte Thens Initialen verknüpft mit „beliebt und treu“, „betont tolerant“, „besonders tapfer“ und „besonders tüchtig“. Mit 14 Jahren startete Then 1964 seine Laufbahn im Juliusspital, legte 1967 die Weinküfer- und 1974 die Kellermeisterprüfung ab und leitete seit 2000 als alleinverantwortlicher Kellermeister das zweitgrößte Weingut Deutschlands und das größte in Bayern.

„Ich wusste gar nicht, dass es so viel ist“, lachte Then als er – zusammen mit den 50 Gästen aus dem Spital – Herberths Aufzählung seiner Verdienste und Auszeichnungen lauschte. Then, ein in der deutschsprachigen Weinbranche bekannter, anerkannter und geschätzter Kollege, habe „maßgeblich dazu beigetragen, Meilensteine in der Entwicklung des Weingutes zu setzten“, sagte Herberth. Hatte das Weingut 1964, bei seinem Eintritt in die Stiftung, 59,99 Hektar Ertragsrebfläche, bearbeitet es heute rund 150 Hektar und vermarktet eine Million Liter Wein – „sofern uns die Natur diese gönnt“, sagte Herberth mit Blick auf die Wetterkapriolen, an denen kein Winzer vorbeikommt.

Kein Betrieb könne jedoch mehr „Best of-Trophäen“ sein eigen Nennen als das Juliusspital mit Kellermeister Benedikt Then, zählte Herberth stolz auf. Zudem erhielt das Juliusspital 2003 unter anderem als erster fränkischer Betrieb den zweiten Bundesehrenpreis in Gold des Deutschen Landwirtschaftsministeriums sowie während Thens Zeit als Kellermeister zahlreiche Staatsehrenpreise und internationale Auszeichnungen. Als „Vollblutkellermeister“ habe Then maßgeblich dazu beigetragen, Meilensteine in der Entwicklung des Weingutes zu setzen und hatte stets die besten Weinqualitäten im Blick, sagte der Oberpflegamtsdirektor. Ihm sei der Spagat gelungen zwischen „brillanten Debütanten und herausragenden Langläufern mit großem Namen“. „Was Sie hier im Juliusspital geleistet haben war ganz große Klasse“, lobte Herberth Thens Leistungen für das und im Spital.
Man habe seinen Wunsch, nicht als Fassriegel in der juliusspitälischen „Hall of fame“ zu enden schweren Herzens respektiert, bedauerte Herberth mit einem Augenzwinkern und fügte an: „Wir hätten uns alle Mühe gegeben Sie in unserem Holzfasskeller an einem ganz besonderen Ort in Ihrem verdienten Glanz leuchten zu lassen.“ So „mussten“ sich die Spitäler als Abschiedsgeschenk mit einem „Juliusspital BT 2008“ einer Flasche des besten trockenen Weißweins des Jahrgangs 2008 aus der Schatzkammer des Weinguts und einem „sensorischen Weinbild“ des Wachenheimer Künstlers Martin Darting „begnügen“.

Then selbst hatte ob der ausführlichen Laudatio nicht viele Worte. „Meine Rede liegt in der Handtasche meiner Frau“, schmunzelte er, bedankte sich bei seinem „Team J“, ohne das die aufgezählten Erfolge nicht möglich gewesen wären und kündigte an, dass er nach 47 Jahren Spitäler bleibe, den Kontakt zu Kollegen und Freunden halten werde und sich „nicht vom Acker machen“ werde.

Die Stiftung Juliusspital verabschiedete ihren langjährigen Kellermeister und begrüßte den Neuen. (von links) Walter Herberth, Leiter der Stiftung Juliusspital, Ilse Then, Weingutsleiter Horst Kolesch, Benedikt Then, fränkische Weinkönigin Sabine Ziegler und der neue Kellermeister Nicolas Frauer.