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Nach einem relativ trockenen, langen und kalten Winter mit Tiefsttemperaturen um minus 20° C wurde es Mitte April zwar angenehm warm, aber gerade als sich die Reben im Stadium des Knospenaufbruches befanden überraschten Nachttemperaturen bis minus 4° C. Am 21. und 22. April war dies für uns der erste Schreck im Weinbaujahr 2010, leider jedoch nicht der Letzte.
Nahmen wir zunächst an, dass eventuell nur unsere Junganlagen betroffen wären, so stellte sich im späteren Verlauf des Jahres heraus, dass in manchen Lagen auch Frostschäden in älteren Anlagen festzustellen waren. Sorgen bereitete uns ein ungleichmäßiger Austrieb, den die kühle Witterung noch verstärkte. Hinzu kamen Spinnmilben, Kräuselmilben oder Pockenmilben als Schwächeparasiten, die das verhaltene Wachstum verstärkten. Zum Glück hatten wir 2010 nicht so früh gepflanzt wie in den vergangenen Jahren. Denn die frischen und bodennahen Triebe der Rebsetzlinge reagieren auf Bodenfrost besonders empfindlich. Der Traubenansatz war also ohnehin nicht groß und ein ständiger Wechsel zwischen kühlen und teilweise sehr warmen Phasen prägte das weitere Wettergeschehen bis Ende Juni. Da auch die darauf folgende Rebenblüte in eine eher kühle Phase fiel und sich somit die Blüte an manchen Standorten über zwei Wochen hinzog, kam es stellenweise zu stärkeren Verrieselungsschäden. Insbesondere sehr gute Weinbergslagen, die Weinberge im Würzburger Raum, und die Burgundersorten waren davon betroffen. Große Sorgen bereiten uns noch heute die Spätburgunderanlagen in Bürgstadt, die unter starken Winterfrösten und unter den Spätfrösten mit starkem Reif gelitten hatten. Hier wird sich die Aufbauarbeit an den Beständen bis in die nächsten Jahre hinziehen. Die anschließende vierwöchige Schönwetterphase mit heißen Temperaturen – der eigentliche Sommer 2010 – ließ dann das Rebenwachstum fast explodieren, so dass die Entwicklung Ende Juli wieder eine Woche vor der langjährigen Norm lag. Erneut kam Hoffnung auf. Im Großen und Ganzen waren die meisten Anlagen bei Reifebeginn gesund. Vor allem die in den Vorjahren massiv aufgetretene Chlorose blieb hinter den Befürchtungen zurück. Allerdings kam um den 22. Juli der große Regen, der die etwa vierwöchige Trockenperiode beendete. Nach 103 mm/m² Niederschlag im Juli folgen im Reifemonat August rekordverdächtige 200 mm/m². Das ist das Dreifache eines durchschnittlichen Juli-Niederschlags. So war es nicht verwunderlich, dass vor allem bei den Frühsorten Bacchus und Müller-Thurgau zur Monatswende erste Infektionsherde zu beobachten waren. Nun lagen unsere Hoffnungen auf einem trockenen Spätsommer, der den Trauben noch die nötige Reife bringen sollte. „Wenn es jetzt aufhört zu regnen, könnte alles noch gut werden“ ein Satz, der unsere Hoffnung über Wochen hinweg trug. Doch so schön der Herbst im Vorjahr 2009 war, so wechselhaft war das Sommerfinale im September 2010. Und was Juli und August nicht kochten, konnte der September nicht braten. Zwar lagen die Regenmengen deutlich unter den Werten des Augustes, aber dennoch gab es kaum mehr als eine Woche ohne Niederschlag. Eine große Bodenfeuchtigkeit verstärkte den Druck auf die Bestände und den Arbeitsdruck auf unsere Winzer in den Weinbergen. Mit kräftigen Entblätterungen und mit Freistellen der Trauben versuchten wir, eine möglichst große Bestandshygiene zu erhalten. Jetzt galt es, die am Stock verbliebenen Beeren und Trauben zu sichern. Die reifenden Trauben waren jedoch weiterhin ständig einer hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt. Der Reifeverlauf im September war bei allen Sorten zufriedenstellend bis gut auch wenn sich die Säurewerte Mitte des Monats noch im hohen Bereich befanden. Am 16. September begann dann schon die Lese der Frühsorten Bacchus und Müller-Thurgau. Die Mostgewichte und die Säurewerte der frühreifen Rebsorten können zwar nicht mit dem absoluten Spitzenjahrgang 2009 mithalten, versprechen aber recht würzige und pikante Weine mit einer frischen und belebenden Säure. Unser fester Wille, durch selektive Lese frische und fruchtige Weine zu erzeugen, führte auch bei Silvaner und Riesling zu Erntemengen zwischen 35 und 50 hl/ha, denn wir mussten oft mehr als ein Drittel der Trauben aussondern. Dennoch konnte unsere Profilsorte Silvaner einmal mehr einem quantitativ eher mittelmäßigen Herbst ein qualitativ versöhnliches Ende bereiten. Insbesondere vom Schwanberg und von der Mainschleife kamen schöne Kabinettweine. Hochwertige Große Gewächse der Rebsorten Silvaner, Riesling und Weißer Burgunder kamen aus den Bereichen Würzburg, Volkach und Iphofen. Am 21 Oktober schließlich holten wir bei trockenem Wetter, Sonnenschein und als ob das ganze Jahr über nichts gewesen wäre unsere „vorläufige“ letzte Fuhre ins Juliusspital. Der Randersackerer Sonnenstuhl war den 35 fleißigen Lesehelfern, die bis zum Schluss durchgehalten haben, eine schöne herbstliche Kulisse. Die Stimmung war gut und die Anstrengungen eines nervenaufreibenden Weinlesegeschehens wichen sehr schnell der Heiterkeit und der Entspannung. Erneut mussten wir scharf von Hand auslesen. Nur so konnten wir die in den Vorjahren hochgelegte Qualitätslatte überwinden. Weshalb uns auch rund 30 % im Keller fehlen, was angesichts des guten Abverkaufs besonders schmerzt. Sowohl in der Qualität als auch in der knappen und damit wertvollen Menge werden wohl wieder Silvaner und die Herkünfte vom Schwanberg am Steigerwald die Nase vorne haben. Spitzenreiter im Mostgewicht ist jedoch eine Stein Riesling Trockenbeerenauslese mit 155° Oechsle. Bis jetzt – für edelsüße Qualitäten hängen nämlich noch kleinere Partien von Silvaner und Riesling für eine weitere Konzentration der wertvollen Inhaltsstoffe in den Iphöfer Weinbergen. Auch in der Kellerei war der 2010er sehr stressig. Kellermeister Benedikt Then und sein Team ließen auch hier nicht locker, um das Letzte herauszuholen. Jede Traubenpartie mussten sie gesondert verarbeiten, die gekelterten Moste gut vorklären und rasch verarbeiten: „Die Arbeit hätte für zwei normale Weinernten gereicht, stöhnte „BT“, zeigt sich aber sogleich auch wieder sehr versöhnlich: „Die Jungweine zeigen viel klare Frucht und eine anregende Stahligkeit am Gaumen. Die viele Arbeit im Weinberg und Keller hat sich offensichtlich gelohnt.“ Mit seiner Lebendigkeit und Frucht sehen wir den Jahrgang 2010 insgesamt als schöne Ergänzung des komplexen Superjahrgangs 2009. Angenehme Alkoholwerte von 11,5 bis 12,5 vol. % versprechen viel Trinkspaß. Unsere Herbstabschlussfeier haben wir auf den 06. Dezember verschoben. Wir wollten nicht nur den vorläufigen Abschluss unseres Weinbaujahres, sondern noch einen anderen besonderen Anlass feiern – die Einweihung des neuen Betriebshofes der Gruppe Würzburg in der Steinstraße. Bei der Inspektion, Weingutsleiter Horst Kolesch und Weinbergsmeister Lothar Flösser, Gruppe Iphofen.
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